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„Ich kann das Geschmiere nicht mehr sehen“

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Falk Wellach (l.) und seine Patenwand. Eine solche könnte sich Wehrleiter Wolfgang Hein auch für die Jugendwehr vorstellen.

Gardelegen - Von Gesine Biermann. „Lichtgrau“ statt rot und blau. Mit einer breiten Farbrolle beseitigt Falk Wellach gestern einen von zahlreichen Schandflecken an Gardelegens Straßen. Der Inhaber eines Malerbetriebes will mit seiner Aktion den Graffiti-Schmiererein zuleibe rücken, die in den vergangenen Monaten vermehrt an Mauern und Wänden der Innenstadt auftauchten. Und er will damit auch ein Zeichen setzen.

„Ich kann das Geschmiere nicht mehr sehen.“ Immer wenn Falk Wellach in den vergangenen Wochen durch die Stendaler Straße stadtauswärts fährt, bleibt sein Blick an einer bestimmten Wand hängen. Und jedesmal ärgert er sich dabei.

Die Mauer an der Einmündung zum Holzweg nämlich ist seit geraumer Zeit mit linksradikalen Schriftzügen „verziert“. „Die fallen garantiert jedem ins Auge, der hier entlang fährt“, ist der Malermeister überzeugt. Gestern nun macht er das, was ihn schon lange in den Fingern juckt: Wellach nimmt sich einen großen Eimer Wandfarbe und eine Stunde Zeit, fährt mit dem Firmenwagen los und streicht die bewusste Wand in „lichtgrau“.

Weg ist die Parole.

Und das soll von nun an auch so bleiben. Denn „ich werde jetzt die Patenschaft für diese Wand übernehmen. Sollte sie wieder besprüht werden, „dann streiche ich sie eben wieder“, verspricht der Gardelegener. So groß sei der Aufwand nicht.

Die Idee für ein solches Projekt übrigens hat sich Wellach abgeguckt. „So etwas gibt es in anderen Ländern schon länger“, erzählt er. „Zum Beispiel in Australien.“ Da würden ganze Straßenabschnitte von einzelnen Bürgern gesäubert und in Ordnung gehalten. „Und zwar nicht, weil sie das müssen oder dafür beszahlt werden, sondern weil sie das von sich aus wollen.“

Eine Herangehensweise, die Wellach gefällt. Und deshalb will er auch nicht mehr nur reden, sondern tun.

Geredet wurde über das Graffiti-Problem in Gardelegen erst vor Kurzem. Mitglieder der Stadtverwaltung, Bürgermeister, Bürger, Leiter von Einrichtungen und Betroffene hatten sich zusammengesetzt, um sich gemeinsam Strategien gegen die Schmierfinken zu überlegen. Und Vorschläge gab es viele. Von der Spendenaktion bis hin zu Schulprojekttagen. Bislang allerdings waren noch keine praktischen Ergebnisse zu verzeichnen.

Vielleicht, weil es einfach zu viele Schmiererein sind und keiner weiß, wo er anfangen soll? Dann wäre die Idee der „Patenschaften“ für bestimmte Wände, Mauern oder Häuser die Ideallösung. So würde die Verantwortung auf vielen Schultern liegen und dennoch ganz klar verteilt sein.

Und so hofft Falk Wellach natürlich, dass seine Aktion vielleicht Wellen schlägt und andere zum Mitmachen inspiriert. Firmen- und Geschäftsinhaber, Privatpersonen oder Einrichtungen könnten sich hier gleichermaßen beteiligen. Der Anfang ist gemacht.

Und möglicherweise fand sich schon gestern ein weiterer Pate: Gardelegens Wehrleiter Wolfgang Hein, dessen Blauröcke gleich hinter der Mauer ihr Domizil im Feuerwehrgerätehaus haben, könnte sich jedenfalls gut vorstellen, dass auch die Jugendfeuerwehr ihre „eigene Wand“ in Gardelegen betreuen könnte, schlägt er spontan vor. „Wenn Sie den Jungs einmal zeigen wie‘s geht?!“

„Kein Problem“, entgegnet Falk Wellach.

Und alles in allem eine „richtig klasse Idee“ in den Augen von Gardelegens Stadtchef Konrad Fuchs. Der hatte nämlich im Vorfeld schon von Wellachs Plan erfahren und sein Okay gegeben. Schließlich ist die neue „Patenmauer“ Eigentum der Wobau und damit der Stadt.

Zweifel an der Nachhaltigkeit seiner Aktion hat der Gardelegener Malermeister übrigens gar keine. Selbst Einwände wie: „Kämpfen Sie da nicht gegen Windmühlen?“, lässt er nicht gelten.

„Wenn es immer wieder weggemacht wird, geben die Sprayer auf“, versichert Wellach dem Feuerwehrchef. „Dann kämpfen die nämlich gegen Windmühlen. Auch Farbspraydosen kosten schließlich Geld.“

Und wenn eine Parole keine Chance habe, gelesen zu werden, – eben weil sie gleich wieder übergerollt werde – „ergibt es nicht viel Sinn, sie wieder dranzusprühen.“

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