Gedenken des Landes Sachsen-Anhalt an die Opfer des Nationalsozialismus gestern in Gardelegen

„Hitler war kein Betriebsunfall“

Innehalten: Stadtratsvorsitzender Kai-Michael Neubüser (v. r.), Bürgermeister Konrad Fuchs, Landtagspräsident Detlef Gürth, Ministerpräsident Reiner Haseloff, Regionalrats-Chef Francois Bonneau.

Gardelegen. „Ich schäme mich. “ Das sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff gestern aus Anlass der Schändung der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe in Gardelegen vor wenigen Tagen.

Dort, wo am 13. April 1945 mehr als 1000 KZ-Häftlinge ermordet wurden, hatten Unbekannte 18 Grabkreuze herausgerissen und daraus ein Hakenkreuz-Symbol gelegt.

Haseloff war nicht der einzige Vertreter des Landes, der gestern in Gardelegen war. Dort beging das Land Sachsen-Anhalt die zentrale Gedenkfeier aus Anlass des „Tages der Opfer des Nationalsozialismus.“ Dieser 27. Januar ist der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz. Und wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum Gedenktag erhoben.

Gestern gab es zwei Veranstaltungen. Zuerst an der damals brennenden Feldscheune, wo das Land, die Stadt Gardelegen, der Kreis sowie Vertreter von Parteien und Opferverbänden Kränze niederlegten. Mit dabei: Gäste aus der französischen Region Centre unter der Leitung des Regionalrats-Präsidenten Francois Bonneau sowie Jugendliche aus Frankreich.

Im Anschluss an die Kranzniederlegung fand die eigentliche Gedenkveranstaltung in der Aula des Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasiums statt. Dort sprach Reiner Haseloff über die Lehren aus der Nazi-Zeit. „Hitler war kein Betriebsunfall der Geschichte“, betonte der Ministerpräsident. Denn: „In Deutschland schwiegen damals zu viele gute Menschen.“ Und, bezogen auf den damaligen NSDAP-Kreisleiter Gerhard Thiele, der die Tötung der mehr als 1000 Todesmarsch-Häftlinge anordnete: „Thieles gab es damals viele – im Großen wie im Kleinen.“

Die Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe wird laut einstimmigem Landtags-Beschluss vom Dezember in die Landes-Gedenkstättenstiftung von Sachsen-Anhalt aufgenommen. Dies sei ein notwendiger und richtiger Schritt, betonte Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs vor den Überresten der Feldscheune.

Von Stefan Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare