Estedter feierten am Sonnabend mit Führung durch das Dorf ihr Jubiläum

Historischer Spaziergang zum 900. Geburtstag von Estedt

Estedter vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude
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Altbürgermeister Wilhelm Berlin, alias Rupert Kaiser, informiert die Spaziergänger unter anderem über das ehemalige Bahnhofsgebäude (im Hintergrund).
  • Ina Tschakyrow
    VonIna Tschakyrow
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Estedt feierte am Sonnabend sein 900-jähriges Bestehen mit einem Spaziergang durch das Dorf, bei dem die Teilnehmer über die Geschichte des Ortes informiert wurden.

Estedt – „Das ist die erste Dorfführung“, sagt Rupert Kaiser, der für seine Stadtführungen durch Gardelegen bekannt ist und am Sonnabend als Altbürgermeister Wilhelm Berlin durch Estedt führte. „900 Jahre Estedt“ steht auf vielen Schildern, an denen die etwa 120 Teilnehmer des historischen Spaziergangs vorbeikommen und die, ebenso wie Stadtverwaltungsmitarbeiter Rupert Kaiser, die Geschichte des Ortes, der am 18. Oktober 1121 als Eslestede das erste Mal urkundlich erwähnt wurde, erzählen. Zur Feier dieses 900-jährigen Bestehens gab es den Spaziergang.

Vom neu gebauten Kinderzentrum „Hellbergwichtel“ geht es zur Mühle, von dort zum Friedhof, wo Konrad Fuchs, Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe, darüber informiert, was am 12. April 1945 geschah: Es wurden 104 Menschen am Waldesrand getötet, die vorher vom Volkssturm aus Estedt und Umgebung zusammen getrieben wurden. „Auch das ist Teil der Geschichte“, sagt Konrad Fuchs. Ein Ort könne in seiner Geschichte noch so bunt sein, ergänzt Rupert Kaiser, aber er komme nicht um einen schwarzen Tag herum.

Er führt die Spaziergänger weiter zur Straße „An der Mühle“ und erzählt, dass es in dem Ort mehrere Mühlen gab. Am 22. März 1904, erfahren die Anwesenden, als sie am ehemaligen Bahnhofsgebäude vorbeigehen, warteten die Estedter auf den ersten geschmückten Zug aus Kalbe, der nach Gardelegen fuhr. Das wurde mit einem Fest gefeiert. Viele Jahre fuhren dort Züge entlang, bis 1967 der Betrieb eingestellt wurde und das Gebäude als Kindergarten genutzt wurde.

Auch hier ist, wie an vielen weiteren historischen Gebäuden in Estedt, ein Schild mit Infos angebracht. Es wird über die Gebäude, aber auch über die jeweilige Familiengeschichte der Besitzer und besondere Ereignisse informiert. Dazu sind alte Fotos abgebildet, die unter anderem die Teilnehmerinnen des Weißnähkurses 1914 zeigen.

Gegenüber des ehemaligen Bahnhofs befindet sich das alte Gebäude der „Hellbergwichtel“. Dieses ist ein „Phänomen aus der DDR“, so Rupert Kaiser, für dessen Bau es zwar Geld, aber kein Material gab.

Es geht die Straße „Am Bahnhof“ weiter bis zur B 71, an dessen Ecke einst eine alte Schmiede war. An der Fassade sind noch die Stellen zu sehen, an denen an Ringen die Pferde für den Hufbeschlag angebunden wurden. Daneben befand sich eine Tankstelle und ein paar Meter weiter steht das Haus der Familie Volber. Das Haus ist das „verrückteste“ in Estedt, denn das Gebäude wurde verrückt. Es stand einst am Pfarrhaus.

Die Spaziergänger überqueren die B 71. Über die Chausseestraße geht es in den Schulweg zur ehemaligen Schule. Für den Einsatz der Schüler, Lehrer und Bürger, einen Anbau zu errichten, gab es ein Rundfunkgerät. Weiter geht es zur Kirche. Der Feldsteinbau wurde 1134 erbaut. Es geht am Dorfplatz vorbei, wo eine Tafel über die Chronik informiert und eine andere über das heutige Estedt, indem 344 Menschen wohnen. Die Gemarkung umfasst 1485 Hektar. Von der Dorfmitte geht es die Dorfstraße entlang. Die Spaziergänger sehen weitere historische Gebäude und kommen am Gemeindesaal an, wo es Kaffee und Kuchen gibt.

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