„Hinsetzen und in Ruhe unterhalten“

„Tag gegen Lärm“: In Estedt fuhren für eine halbe Stunde keine Fahrzeuge durch

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Ludwig Zumpe (links) und Henning Schulze nutzten die leere Straße zum Spielen.

Estedt. Kinder bemalten die Straße mit Kreide, Frauen und Männer spielten mitten auf der Fahrbahn Volleyball, andere setzten sich mit Tisch und Stühlen auf eine Verkehrsinsel und aßen Kuchen, Jugendliche drehten mit Inlinern und Skateboards Runden auf der Fahrbahn – für eine halbe Stunde konnten die Estedter auf der Bundesstraße 71, die durch den Gardelegener Ortsteil führt, machen, was sie wollten, es fuhren keine Autos oder Lastwagen durch.

Die Straße war gestern am „Tag gegen Lärm“ für den Verkehr von 18.30 bis 19 Uhr gesperrt.

 „Wir hoffen, so Aufmerksamkeit für die Problematik der Verkehrsdichte auf dieser Strecke zu bekommen“, erklärte Margot Göbel von der Bürgerinitiative B 71.

Laut der letzten Verkehrszählung von 2015 fahren innerhalb von 24 Stunden bis zu 8500 Fahrzeuge durch den Ort. Und dadurch kommt es zu einer hohen Lärmbelästigung, „aber die Belastung durch die Abgase ist viel schlimmer“, so Klaus Wurch, Mitglied der Bürgerinitiative B 71. Außerdem werden Gebäude durch den vielen Verkehr beschädigt, ergänzte Margot Göbel. Deswegen fordert die Bürgerinitiative B 71 seit bereits zehn Jahren – seit dem wird die Straße für eine halbe Stunde am „Tag gegen Lärm“ gesperrt – eine Ortsumgehung für Estedt. „Als Zwischenlösung wollen wir ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern erreichen“, so Margot Göbel, „und zwar durchgängig und für alle Fahrzeuge“. Oder zumindest für Lastwagen in Kombination mit einem Überholverbot. Dazu wurde bereits im Januar ein entsprechender Antrag gestellt. Bis jetzt gilt die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h nur für Lkw von 22 bis 6 Uhr. Weitere bisherige Maßnahmen, wie Flüsterasphalt, die Einengung der Fahrbahn, der Bau von Verkehrsinseln sowie die Sperrung der B 71 für den überregionalen Schwerlastverkehr von mehr als 12 Tonnen haben laut Margot Göbel nicht viel für eine Verkehrsberuhigung gebracht.

Als der Verkehr gestern nicht mehr durch Estedt rollte, freute sich Harry Wenzel, der mit Ina Wenzel, Lothar und Petra Riedel, Eberhard und Anneli Benkendorf sowie Klaus und Ursula Ahlborn auf der Verkehrsinsel Kuchen aß und das jedes Jahr an diesem Tag, über die Ruhe. „Es ist schön, man kann sich hinsetzen, sich in Ruhe unterhalten“, so der Estedter, „sonst sind die Gespräche eingeschränkt“. Eingeschränkt war auch der Verkehr nach der halbstündigen Vollsperrung, denn es dauerte ein paar Minuten, bis alle vor den Ortsschildern angestauten Autos, Lastwagen und Busse durch Estedt fuhren.

Von Ina Tschakyrow

Estedt und sein „Tag gegen Lärm“

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