Doppelveranstaltung am „Tag der Opfer des Nationalsozialismus“ / Ministerpräsident Haseloff erneut für NPD-Verbot

„Hilf uns, deutlich Nein zu sagen“

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Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hielt die Hauptrede in der Aula des Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Er sprach sich erneut für ein Verbot der rechtsextremen NPD aus: „Dies wäre von großer symbolischer Bedeutung.“

Gardelegen. Draußen, vor den Toren der Stadt, war es winterlich-kalt. Temperaturen um den Gefrierpunkt, wolkenverhangener Himmel, dazu ein eisiger Wind: Die Besucher der zentralen Landes-Gedenkveranstaltung am „Tag der Opfer des Nationalsozialismus“ mussten sich warm anziehen auf der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe.

Dort, wo in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs – die amerikanischen Alliierten waren nur noch rund acht Kilometer vom Ort des Grauens entfernt – mehr als 1000 KZ-Häftlinge bestialisch umgebracht worden sind. Und so ging es bei der rund 40-minütigen Veranstaltung um die Frage, wie man ein solches Grauen künftig verhindern könne. „Hilf uns, deutlich Nein zu sagen“, sprach die evangelische Landesbischöfin Ilse Junkermann vor der Feldscheune, bezogen auf Fremdenhass. Im Gebet unterstützt wurde sie vom katholischen Pfarrer aus Gardelegen, Andreas Lorenz. Auch die jüdische Gemeinde aus Magdeburg kam zu Wort: Mit „El male rachamim“ des Kantors Yuriy Zemskiy. An der Feldscheune hielten Landtagspräsident Detlef Gürth sowie Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs kurze Ansprachen.

Anschließend ging es in die Stadt, zum Geschwister-Scholl-Gymnasium. Während es draußen schneegrieselte, erneuerte Ministerpräsident Reiner Haseloff in seiner Rede die Forderung nach einem Verbot der rechtsextremen NPD. Ihm sei sehr wohl bewusst, so Haseloff, dass man mit einem solchen Verbot nicht rechtes Gedankengut wegwischen könne. Aber „ein Verbot der NPD wäre von großer symbolischer Bedeutung.“ Denn, so der Ministerpräsident: „Für die Feinde der Freiheit darf es keine Freiheit geben.“ Haseloff erinnerte in seiner Rede daran, dass „Gewalt überall herrschte – auch hier in Gardelegen.“ Und dasss sich leider auch allzu oft Zivilisten an der Menschenjagd beteiligt hätten. „Das Leben der Häftlinge hing von Zufall und Willkür ab“, erinnerte er an die damalige dunkle Zeit.

An eine ganz andere dunkle Zeit erinnerte Helene Mouchard Zay, Präsidentin von „Cercil“, einem im Jahre 1991 gegründeten Studien- und Forschungszentrum über die Internierungslager im französischen Loiret. Denn in Frankreich gab es nicht nur Widerstandskämpfer, also Mitglieder der Resistance. Es gab auch das Vichy-Regime, das mit den deutschen Besatzern kollaborierte, oft sogar in vorauseilendem Gehorsam mehr tat, als die Besatzer eigentlich verlangten. Dass Frankreich eben nicht nur aus Widerstandskämpfern und Antifaschisten bestand, das habe ihr Land lange genug verschwiegen, so die Rednerin. Das „ruchlose“ Vichy-Regime habe die Historie Frankreichs beschmutzt, habe ihre eigenen Schutzbefohlenen den Besatzern ausgeliefert. Dabei „reicht es manchmal schon, eine Tür zu öffnen, um ein jüdisches Kind zu verstecken und es zu retten.“ Helene Mouchard Zay erinnerte an tausende jüdischer Kinder, die verraten und an die Deutschen übergeben wurden und die später in Auschwitz und anderswo ums Leben kamen.

In der Feldscheune Isenschnibbe kamen am 13. April 1945 auch 39 namentlich identifizierte Franzosen ums Leben.

Von Stefan Schmidt

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