Gemeindepädagogin Christine Warweg geht nach fast 25 Jahren im Dienst der Kirche in die Ruhephase der Altersteilzeit

„Helferin des lieben Gottes“ sagt Adieu

„Das Leben besteht aus Veränderungen“, sagt Christine Warweg, die sich schon auf die neue Zeit in ihrem Leben freut.

Solpke. „Anfangen hat seine Zeit. Aufhören hat auch seine Zeit. “ Diese Worte von Christine Warweg werden für sie selbst in Kürze Realität. Denn die Gemeindepädagogin, die in den vergangenen Jahren vornehmlich in Solpke und Letzlingen tätig war, geht in die Altersteilzeit.

Der letzte offizielle Arbeitstag der dann 59-Jährigen ist der 28. Februar. „Und dann mache ich nichts mehr“, lacht sie beim Gespräch mit der Altmark-Zeitung und strahlt über das ganze Gesicht.

Glauben kann man das nicht. Und so ganz stimmt das natürlich auch nicht. Wie Christine Warweg, die von vielen liebevoll Tine genannt wird, erzählt, wird sie ab März wieder als sogenannte „Grüne Dame“ im Gardelegener Krankenhaus des Altmark-Klinikums Patienten besuchen, mit ihnen sprechen und ihnen zuhören, wo es gewünscht ist, Trost spenden, wo es nötig ist, Kraft geben, wenn es möglich ist. Dieses Engagement ruhte seit November. Dazu wird sie weiterhin ehrenamtlich eine Kindergottesdienst-Gruppe in Gardelegen anleiten, so wie bisher auch, und regelmäßiger im Gardelegener Kirchenchor mitsingen, was oft an den vielfältigen Verpflichtungen scheiterte.

Ganz wichtig aber ist ihr der letzte Punkt. Sie möchte ihren Mann, Pfarrer Albrecht Warweg, noch mehr als bisher in seiner Arbeit unterstützen. Darauf freut nicht nur sie sich, sondern er auch.

Pläne gibt es also doch einige, wenn auch die Umsetzung mit mehr Gelassenheit als bisher erfolgen kann. „Ich freue mich auf das, was neu anfängt, auch wenn ich natürlich nicht weiß, wo es hin geht“, resümiert Christine Warweg. Und ihr schönstes Geschenk zum Abschied hat sie, wie sie sagt, schon bekommen: „Die Arbeit wird weitergeführt – und das mit meiner Wunschkandidatin.“ (Beatrice Trüe, die Red.)

Trotz aller Freude und Aufgeregtheit, was die Zukunft bringt, gibt es derzeit auch wehmütige Augenblicke – vor allem, weil sie sich in diesen Tagen von „ihren Kindern“, deren Eltern und allen Weggefährten als Gemeindepädagogin verabschiedet. Und dies war nicht nur Beruf, sondern Berufung für Christine Warweg – wenn der Weg dorthin auch über Umwege führte. „Doch das Leben besteht aus Veränderungen“, sagt sie, „und der Glaube gibt einem den Grund dafür.“

Die gebürtige Neuferchauerin stammt aus einem halb-christlichen Elternhaus. Ihre Mutter war Gemeindekirchenrätin und spielte die Orgel. Ihr Vater war Parteisekretär. Christine Warweg wuchs zum größten Teil bei den christlichen Großeltern mütterlicherseits auf und hatte eine sehr engagierte Patentante, die einen kirchlichen Kindergarten in Langenhagen bei Hannover, wo sie auch heute noch mit 91 Jahren lebt, leitete. Der Glaube war also schon immer präsent und wurde gelebt, stand aber als beruflicher Weg nicht im Mittelpunkt. Christine Warweg absolvierte nach der zehnten Klasse erst einmal eine Berufsausbildung mit Abitur. Sie wurde im VEB Milchwerk Altmark in Klötze mit Schule in Stendal zur Industriekauffrau ausgebildet.

Mit dem Reifezeugnis in der Tasche hätte sie Lehrerin werden können – schon damals ihr absoluter Traumberuf. Ihr „hervorragender Grundschullehrer“ hatte den Wunsch in ihr geweckt. Aber damals war sie bereits mit ihrem späteren Mann zusammen, der Theologie studieren wollte. Das stand fest. Da konnte sie nicht Lehrerin an einer staatlichen Schule werden. Stattdessen studierte Christine Warweg etwas unverfängliches, wie sie es ausdrückt, nämlich Ökonomie in Weimar.

Im Mai 1978 zog das Paar dann nach Solpke. Denn das Pfarrhaus sollte nicht so lange leer stehen. Während Albrecht Warweg im Vikariat war, war sie nun mit 19 Jahren „die Frau vom Pastor“ und musste sich erst in ihre Rolle hineinfinden. Christine Warweg arbeitete im LPG-Büro und in der Buchhandlung Mangers. Aber beides erfüllte sie nicht. Sie wollte, so wie es Christa Markert aus Kloster Neuendorf in Solpke mit der Kinderkirche tat, mit Kindern arbeiten. Und als Christa Markert in Solpke aufhörte, begann Christine Warweg eine kirchliche Ausbildung zur Katechetin und Gemeindehelferin, wie es damals hieß, im Burkharthaus in Potsdam. Bestärkt und unterstützt wurde sie dabei unter anderem von Gisela Bunge und Siggi Wernicke, der sie später liebevoll als „Helferin des lieben Gottes“ bezeichnete. In diesem Sommer wären es 25 Jahre „Ehe mit der Kirche – Silberhochzeit“, stellt Christine Warweg lächelnd fest.

Schon während ihrer Ausbildung wurde sie in ihrer Entscheidung bestärkt. „Das war genau meins.“ Unter dem Dach der Kirche nun doch noch ihren Traumberuf, „Lehrerin zu sein“, verwirklichen zu können, war einfach perfekt. Und die Motivation, mit Kindern arbeiten zu wollen, nahm nicht ab. Dafür bildete sie sich auch in den folgenden Jahren immer weiter, absolvierte später beispielsweise auch noch ein religionspädagogisches Praktikum, mit dem sie nach der Wende Religionsunterricht an der Gardelegener Goethe-Grundschule geben konnte. Sie war damals auch im heilpädagogischen Kindergarten in der Hansestadt tätig.

„Ich konnte meine Gaben frei entfalten“, freut sich Christine Warweg. Und sie hatte immer junge Leute an ihrer Seite, die auch mitmachen wollten, sie unterstützten. „Das hat mir viel gegeben.“ So war es zum Beispiel Anfang der 90er Jahre in Mieste, als der damalige Pfarrer Christoph Hackbeil im Drömlingsdorf das Projekt der christlichen Früherziehung ins Leben rief, das sie in den beiden Kindereinrichtungen umsetzte. Viele Eltern standen damals dahinter und ließen es zum Erfolg werden. Mieste gehörte in den letzten Jahren dann nicht mehr zu ihrem Aufgabenbereich. Sie bot für die Kinder in Solpke und Letzlingen verschiedene Freizeiten, die Kinderkirche von der ersten bis zur vierten Klasse, die Klubtreffen für die Fünft- und Sechstklässler sowie zunächst die christliche Früherziehung in den beiden Kindertagesstätten an, aus denen dann der „Kunterbunte Kindermorgen“ wurde.

„Das Schöne an meiner Arbeit war, nah bei den Kindern und ihren Eltern sein zu können“, blickt Christine Warweg zurück. Es gab private Kontakte, aus denen Freundschaften wurden, die sie als „Geschenk“ bezeichnet. „Allein wäre ich nichts, nur gemeinsam kann man etwas erreichen.“ Dazu zitiert Christine Warweg die Anfänge des Psalms 103: „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Ihr Glaubensmotto, das sie bereits ihr ganzes Leben begleitet und auch Trauspruch ihrer Hochzeit war, sind aber andere Worte: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat.“ (Psalm 118,24)

Für Christine Warweg bedeutet das, dass jeder einzelne Tag wichtig ist und gelebt werden will, man aber auch das Traurige annehmen muss, das einem vielleicht widerfährt. Bleibt die Hoffnung auf viele frohe und fröhliche Tage in ihrem künftigen (Un)Ruhestand.

Von Elke Weisbach

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