Praktischer Unterricht für Auszubildende des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt im Berger Revier

Heidefläche entkusselt für Neuntöter und Co.

René Schröder verteilte das Material anschließend auf der Benjeshecke.

Berge. Am Mittwoch regnete es teilweise in Strömen. Doch das hielt René Schröder und Tom Rhode aus Walitz, die derzeit im dritten Lehrjahr im Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt zum Forstwirt ausgebildet werden, nicht von ihrer Arbeit im Freien ab.

Nahe Berge entkusselten sie gemeinsam mit ihrem Ausbilder Axel Schröder eine Heidefläche.

Entkusseln ist eine pflegerische Maßnahme, die regelmäßig vorgenommen werden muss, um die von Menschenhand geschaffene Kulturlandschaft zu erhalten, erklärte der zuständige Revierförster Detlev Riesner. Deshalb werden nachwachsene Birken und Kiefern entfernt, damit die Heidefläche nicht zuwächst und somit auch der Lebensraum für Heidelerchen, Ziegenmelker, Wiedehopf, Neuntöter und Co. sowie Schlingnattern erhalten bleibt.

Das entfernte Material wurde gleich einige Meter weiter für ein Biotop verwendet, dessen Anlegung bereits im vergangenen Jahr begann. Es handelt sich um eine sogenannte Benjeshecke, deren locker aufgeschichtete Zweige Vögeln als Rastplatz dienen, die mit ihrem Kot dafür sorgen, dass dort neue Gehölze wachsen. Erste Erfolge sind laut Riesner schon sichtbar „Die Brombeeren kommen“, stellte er fest.

René Schröder und Tom Rhode sind zwei der derzeit insgesamt neun Auszubildenden im Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt, die regelmäßig in den verschiedenen Revieren eingesetzt werden, um Arbeiten, die im Forstwirtschaftsplan stehen, wie zum Beispiel Ernte-, Begründungs-, Pflege- und – ganz wichtig – Naturschutzmaßnahmen, zu erledigen. Denn Grau ist alle Theorie, die natürlich auch wichtig ist und während der dreijährigen Lehrzeit im Blockunterricht an der Forstwirtschaftsschule in Magdeburgerforth vermittelt wird. Die anderen Auszubildenen haben am Mittwoch eine Exkursion nach Gorleben unternommen, was ebenfalls zur umfassenden Umweltbildung gehört.

Bereits 1996 entschied sich der Bundesforst dafür, auch in den neuen Ländern die Forstwirte auszubilden. Die Ausbildungsstätte entstand am Rand des Truppenübungsplatzes Altengrabow, wo in Absprache mit der Bundeswehr ein ehemaliges Russenmagazin umgebaut und mit allen notwendigen Gerätschaften ausgestattet wurde. „Der Bund hat hiermit ein Zeichen gesetzt, dass trotz knapper öffentlicher Haushaltsmittel die Ausbildung von Jugendlichen eine herausragende gesellschaftliche Aufgabe ist“, erklärte Forstdirektor Rainer Aumann, der Leiter des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt. Denn die Kosten für die Ausbildung inklusive Schutzkleidung und Ausrüstung belaufen sich auf rund 12 000 Euro pro Auszubildendem und Jahr, die selbst körperliche Fitness, technisches und mathematisches Verständnis sowie handwerkliches Geschick mitbringen sollten. Des Weiteren sind natürlich auch Engagement, Verantwortungsbewusstsein sowie die Liebe zur Natur und Landschaft gefordert.

„Der Forstwirt ist ein Beruf mit Zukunft. Und die fundierte Ausbildung gibt den jungen Leuten das Rüstzeug, um sich künftig flexibel und fachkundig um die Belange des Waldes zu kümmern“, machte Aumann deutlich. Und mit ihrem Rüstzeug, das unter anderem Kenntnisse über Umweltschutz und Arbeitssicherheit, Planung und Kontrolle betrieblicher Arbeiten, Waldbewirtschaftung und Landschaftspflege, Ernte- und Aufbereitung von Forsterzeugnissen sowie die Handhabung, Wartung und Instandsetzung von Forsttechnik umfasst, können die jungen Forstwirte nicht nur in der öffentlichen Forstverwaltung, sondern auch in Privatforstbetrieben, Baumschulen, Garten- und Landschaftsbau sowie im Trassenerhalt der Deutschen Bahn eine berufliche Zukunft finden.

Noch sind für das neue Ausbildungsjahr Plätze frei. Wer Interesse an einer Ausbildung zum Forstwirt hat, sollte sich mit seinen Unterlagen bis zum 25. Februar in der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Bundesforstbetrieb Sachsen-Anhalt, an der Steinberge 2 in 39517 Dolle bewerben.

Von Elke Weisbach

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