„Urbanes Zentrum“ Schnöggersburg dient künftig bis zu 1000 Soldaten als Übungsareal

Heide: Eine Welt-Stadt entsteht

Ähnlich wie in „Stullenstadt“ sollen im künftigen „Urbanen Zentrum“ Schnöggersburg Kampfeinsätze geübt werden. Der Bau der künstlichen Stadt soll in wenigen Monaten beginnen.

Letzlingen. Seit mehreren Jahren wurde an dem ehrgeizigen Projekt gearbeitet. Nun ist es genehmigt: Das „Urbane Zentrum“ mitten in der Colbitz-Letzlinger Heide wird gebaut.

Darauf einigten sich Vertreter des Bundes-Finanzministeriums und des Bundes-Verteidigungsministeriums bei Beratungen Anfang dieser Woche im Gefechtsübungszentrum (GÜZ) des Heeres unweit von Letzlingen.

„In der Mitte des nördlichen Teils des Truppenübungsplatzes Altmark“, so der Leiter des GÜZ, Oberst Michael Matz, werde diese Stadt entstehen. Die minimale Entfernung zu den Anrainerdörfern rund um die Heide liege bei sechs bis acht Kilometern, so Michael Matz. „Dadurch wird abgesichert, dass es so gut wie keine Belastungen für die Bevölkerung geben wird.“

Schnöggersburg – benannt nach einer ehemaligen Waldarbeitersiedlung am Rande der Colbitz-Letzlinger Heide – soll für „Kosten im höheren zweistelligen Millionenbereich“ errichtet werden. Vermutlich liegt die Summe bei rund 50 Millionen Euro. Der Oberst hofft auf den ersten Spatenstich im Sommer 2012.

In den ersten beiden Ausbaustufen bis zum Jahr 2016 geht es zuerst um die Infrastruktur und dann um erste Häuser und Industriehallen. Bis 2016 sollen etwa 150 Gebäude stehen, schätzt Michael Matz. Ab dem Jahr 2016 kann in Schnöggersburg auch geübt werden. Und das sogar in einem Elendsviertel, also einem Slum. Die Häuser selbst werden zwar nicht komplett eingerichtet, sollen aber eine große Brandbreite umfassen. In späteren Ausbaustufen nach dem Jahr 2016 ist sogar geplant, Hochhäuser sowie Einfamilienhäuser mit formvollendeten Hecken zu errichten.

Ausdrücklich soll Schnöggersburg regional nicht zugeordnet werden. Die künstliche Stadt steht also weder in Afghanistan noch im Kosovo, wo derzeit die meisten Bundeswehr-Soldaten in Auslandseinsätzen aktiv sind. Denn bis zur Fertigstellung des imaginären Kampfgebietes mitten in der Heide kann die weltweite militärisch Lage anders als derzeit sein. „Darauf müssen wir uns einstellen“, so der GÜZ-Leiter. Schnöggersburg wird also quasi als Welt-Stadt erbaut, die es überall geben könnte. Deshalb wird es beispielsweise auch einen Tunnel geben, „den man als U-Bahn-Tunnel zum Üben nutzen kann“, so Michael Matz. U-Bahnen gibt es bislang aber weder in Kabul noch im Kosovo. Ein Flussbett soll ebenfalls nachgebaut werden.

In der sich über mehrere Jahre hinziehenden Bauphase wird die Hauptzufahrt für die Baufahrzeuge von Osten her, über die Bundesstraße 189 zwischen Dolle und Lüderitz, erfolgen. Gebaut wird das „Urbane Zentrum“ im Bereich von „Plattenhausen“, wo es derzeit 17 Gebäude gibt, in denen geübt werden kann. Ein weiteres, kleineres Übungsdorf gibt es im Süden des Truppenübungsplatzes. „Stullenstadt“, so der Name dieses Ortes, bleibe auf jeden Fall bestehen, versichert Michael Matz.

Und was kann man in Schnöggersburg alles üben? Vom modernen Häuserkampf, also dem Durchkämmen von Gebäuden beispielsweise auf der Suche nach Terroristen, bis hin zu humanitären Einsätzen wie dem Bau von Brunnen sei dort so ziemlich alles möglich, blickt der GÜZ-Leiter voraus. Sogar die Verteilung von Lebensmittelrationen an die einheimische Stadtbevölkerung könne man in Schnöggersburg künftig simulieren.

Von Stefan Schmidt

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