Großbrand bei Frapa-Plast in Gardelegen: Wie die Nacht und der nächste Morgen für die Einsatzkräfte verlief

„Hauptsache Wasser, Wasser, Wasser“

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Verzweifelter Kampf gegen die Übermacht der Feuersbrunst: 274 Einsatzkräfte aus 19 Feuerwehren waren seit Mittwochabend im Gardelegener Gewerbegebiet Ost im Einsatz.
  • Hanna Koerdt
    vonHanna Koerdt
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Gardelegen. Er habe etwa drei Stunden geschlafen, meinte gestern Alexander Junge, Zugführer der Gardelegener Ortsfeuerwehr. Wie ihm ging es wohl allen der insgesamt 274 Feuerwehrleute, die seit Mittwochabend im Einsatz am Gelände von Frapa-Plast im Gardelegener Gewerbegebiet Ost waren.

Und teils wieder sind. „Wir werden am Wochenende noch damit zu tun haben“, schätzt Kreisbrandmeister Torsten Schoof ein. Denn noch am Donnerstagvormittag qualmt es mächtig auf dem Gelände, hier und da schlagen erneut Flammen aus den kohlschwarzen, geschmolzenen Kunststofftürmen.

So sah das Gelände von Frapa-Plast am Tag nach dem Inferno aus. Die Löscharbeiten dauerten auch am Himmelfahrtstag, einem eigentlichen Feiertag, noch an.

Der Blick auf die Szenerie verrät viel über die vergangenen Stunden: Das Wasser und der Schaum auf dem Gelände stehen teilweise kniehoch, Plastikteile liegen darin, grau-gelber Rauch weht einem ins Gesicht. Überall an den Gehwegen stehen Getränkekästen, liegen leere Atemschutztanks, stehen Dieselkanister zum Nachfüllen der Fahrzeugtanks. Feuerwehrleute wickeln viele der gefühlt hundert Schläuche langsam wieder auf.

Noch gestern flammte das Feuer (hinten rechts) immer mal wieder auf. Die Brandstelle wird die Wehren wohl noch mehrere Tage lang beschäftigen.

Die Gardelegener Ortsfeuerwehr wurde am Mittwoch um 18.48 Uhr alarmiert. Und ab diesem Zeitpunkt war an eine ruhige Nacht nicht mehr zu denken. Stundenlang kämpften die Einsatzkräfte – es rückten auch noch weitere Ortsfeuerwehren aus dem Gardelegener Gebiet und der Umgebung an – gegen die tosenden Flammen, die immer bedrohlicher umherpeitschten und züngelten. „Die Ausbreitung passierte ziemlich schnell“, resümiert Schoof am Donnerstagvormittag. Die Art der Lagerung der Kunststoffe, die etwa sechs Meter aufeinander und eng beieinander gestapelt standen, begünstigten das.

Um auf das Firmengelände zu gelangen, mussten „Holzbrücken“ verlegt werden. Noch ist die Höhe des Schadens unklar.

Als die Einsatzkräfte vor Ort eintrafen, stand fest: Das Außenlager ist nicht zu löschen, es muss kontrolliert abbrennen und die anderen, geschlossenen Lagereinheiten und Gefahrenquellen wie zum Beispiel ein Holzpellet-Silo geschützt werden. Glücklicherweise standen ein Diesel- und ein Heizöltank außerhalb der Gefahrenzone. Was sonst passiert wäre, das möchte sich der Kreisbrandmeister gar nicht erst ausmalen. „Die Hauptaufgabe war Wasser, Wasser, Wasser und das Kühlen der Objekte“, so Torsten Schoof. Wobei die Löschwasserversorgung problematisch war. Denn der eine Löschbrunnen befand sich mitten im Brandgeschehen und die Versorgung aus dem anderen allein hätte nicht ausgereicht. So wurde zusätzlich aus einem nahegelegenen Löschteich und aus dem Lausebach, der direkt an dem Frapa-Plast-Gelände verläuft, abgepumpt. Und: Von einer nahegelegenen Biogasanlage kam Hilfe. Mitarbeiter pendelten zwischen dem Brandort und der Anlage hin und her und lieferten in zwei großen Güllefässern immer wieder Wasser nach. „Das hat sehr geholfen“, bedankt sich Schoof.

„Wasser, wir brauchen Wasser“, das galt nicht nur für die Löscharbeiten. Sondern auch für alle Einsatzkräfte.

Er löste gestern um 11 Uhr seinen Stellvertreter Bert Juschus ab. Dieser übernahm den Nachtdienst gemeinsam mit 68 Einsatzkräften des 1. Bereitschaftszuges aus Beetzendorf-Diesdorf. Der Zug war um etwa 2.30 Uhr in Gardelegen angekommen. „Da hat es noch ziemlich stark gebrannt“, so Juschus gestern Vormittag. Die Einsatzkräfte übernahmen die restlichen Löscharbeiten, damit sich ihre Kollegen, die nun schon fast acht Stunden im Einsatz waren, etwas ausruhen konnten. Wie spät es eigentlich schon war, wurde manchen erst klar, als sie zur Ruhe kamen und plötzlich bemerkten, dass es anfing, wieder hell zu werden, und die „Vögel zwitscherten“, so der Jävenitzer Ortswehrleiter Sven Kozisnik. Gardelegens Ortswehrleiter Hendrik Lehmann dankt deshalb nicht nur den Kameraden, die sich um die Versorgung mit Essen und Getränken kümmerten, sondern auch Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig, die gemeinsam mit freiwilligen Helfern im Gerätehaus Essen und Kaffee vorbereitete.

Ab 11 Uhr übernahmen gestern wieder 21 Gardelegener Einsatzkräfte und zwölf aus Jävenitz den Brandort. „Wir müssen die übrigen Brandherde soweit es geht löschen und einiges noch abbrennen lassen“, so Schoof. Unter anderem kamen gestern noch Wasserwerfer zum Einsatz – und auch die neue Drohne des Altmarkkreises, „um die Prioritäten zu lokalisieren“, erklärt Bert Juschus. So konnten die Brandschützer die Situation noch besser einschätzen und sehen, wie und wo gelöscht werden sollte.

Am Einsatzort ist nun eine Brandsicherheitswache eingerichtet.

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