„Das liegt mir am Herzen“

Hanna Rau ist seit Anfang September die neue Gemeindepädagogin in Gardelegen

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Hanna Rau ist derzeit dabei die Gemeinde kennenzulernen, um zu sehen, welche Wünsche und Ideen diese hat.

Gardelegen. Ein selbst gebauter Schreibtisch, verschiedene Stühle, ein graues Sofa, ein Schrank mit einer Gitarre daneben und ein mit vielen Büchern gefülltes Regal stehen schon – das Büro von Hanna Rau ist fast fertig eingerichtet.

Es fehle nur noch etwas an den Wänden und Internet, zudem steht noch in einer Ecke versteckt ein letzter Umzugskarton. Denn die 26-Jährige hat erst vor ein paar Wochen als neue Gemeindepädagogin im Anerkennungsjahr der Gardelegener Kirchengemeinde angefangen. Und damit ist sie auch die Erste, die den Raum im Gemeindezentrum am Aschberg als Gemeindebüro nutzt. Das wissen noch nicht alle, deswegen möchte Hanna Rau auch noch ein Klingelschild am Eingang anbringen, denn Besuch „kommt immer aus allen möglichen Türen“, schmunzelt sie, „da keiner weiß, wohin“.

Weil noch nicht alles fertig ist, erledigt sie die „Büroarbeit“ von zu Hause aus. Derzeit lerne sie noch die „Leute, Gemeinde und Stadt“ kennen und schaut dabei, „was möglich ist“ für die Gemeinde, sammelt Ideen. Die hat nicht nur Hanna Rau, auch die Gemeindemitglieder äußern Wünsche, wie die 26-Jährige erzählt, ebenso die Ehrenamtlichen. Mit diesen arbeitet sie auch gerne zusammen, „ich schaue, wie sie das machen“, denn die Ehrenamtlichen betreuen beispielsweise die Treffen der Kinderkirche. Deren Organisation zählt zum Aufgabenbereich der neuen Gemeindepädagogin, die auch die Kindergottesdienste mitgestaltet, für das Krippenspiel verantwortlich ist oder Pfarrer Martin Goetzki beim Konfirmandenunterricht unterstützt.

Das sei auch genauso, wie sie sich die Arbeit vorgestellt hat. Die Stelle findet Hanna Rau „sehr spannend“, denn sie ist schon seit drei Jahren unbesetzt. Die 26-Jährige ist beeindruckt, dass die Gemeinde es geschafft hat, „die Stelle am Leben zu halten und dass sie auch wollen, dass sie besetzt ist“. Nachdem sie die Stellenausschreibung gelesen hatte, „spionierte“ sie im vergangenen Jahr an Weihnachten beim Gottesdienst in Gardelegen. Dabei gefiel ihr auch die Stadt, die „schön geschmückt“ war. Und die hat Hanna Rau zuvor, obwohl sie in Haldensleben aufgewachsen ist, nie besucht. „Wir waren nie im Norden“, lacht die Gemeindepädagogin, lediglich bis zum Erlebnisbad Zienau kam sie, was früher im Sommer besucht wurde.

Nun wohnt sie in der Hansestadt, „ich wollte wieder zurück in den Osten“. Denn studiert hat die 26-Jährige nach ihrem Abitur am Ökumenischen Domgymnasium in Magdeburg und einem Freiwilligen Sozialen Jahr auf einem christlichen Familien- und Kinderbauernhof bei Gotha sowie einer Ausbildung zur Zahnarzthelferin in Leipzig an der Evangelistenschule Johanneum in Wuppertal. Dort wurde sie drei Jahre lang zum hauptamtlichen Verkündigungsdienst ausgebildet, um „die Botschaft der Bibel den Leuten nahezubringen“. Im nächsten Sommer endet das Studium mit einer Abschlussprüfung, bis dahin absolviert sie das Anerkennungsjahr in Gardelegen, erklärt Hanna Rau, die christlich aufgewachsen ist. „Wie in einer christlichen Blase“, lacht sie. In ihrer Kindheit und Jugend hat sie die Christenlehre bei ihrer Mutter besucht, nahm an vielen Freizeiten teil. Zwischenzeitlich hat sich die 26-Jährige aber auch von Gott abgewendet. „Ich habe mich aber auch wieder bewusst für Gott entschieden.“

Zudem hat sie nebenbei immer ehrenamtlich in diesem Bereich gearbeitet und sogar während der Lehre zur Zahnarzthelferin eine Jüngerschaftsschule besucht. „Da wurde ich stark ermutigt, mehr zu machen, zu studieren“, erinnert sich die Gemeindepädagogin, „ich habe gemerkt, dass mir diese Arbeit am Herzen liegt, ich mit Menschen ins Gespräch kommen möchte und hauptamtlich habe ich dafür mehr Zeit“.

Wenn jemand auch mal etwas Zeit in Gardelegen hat, weil er beispielsweise auf einen Zug warten muss oder einfach nur Hallo sagen möchte, kann er in das Gemeindebüro kommen. Das soll, so stellt es sich Hanna Rau vor, ein Begegnungsraum werden. Genutzt wurde er sogar schon, wie einige Unterschriften auf dem Couchtisch zeigen. Darauf soll sich jeder verewigen, der auf dem grauen Sofa gesessen hat.

Von Ina Tschakyrow

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