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„Hanebüchen“ und „Trittbrettfahrer“

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Schmidt
Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs hat eine Anzeige wegen Tierquälerei am Hals. Nun soll geprüft werden, ob er mit seiner zehnjährigen Dackeldame „Biene“ zu wenig Zeit verbringt.

Gardelegen - Von Stefan Schmidt. Anfangs war er „sehr erbost.“ Mittlerweile nimmt Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs die Angelegenheit „fast mit Humor, jedenfalls kann ich das nicht wirklich ernst nehmen.“ Denn der Stadt-Chef ist angezeigt worden. Von einem gewissen Josef Fassl. Der ist Landesvorsitzender der Tierschutzpartei und wirft Fuchs Tierquälerei vor. Der örtliche Tierschutzverein Gardelegen / Klötze, mit dem Fuchs momentan wegen des Tierheim-Betriebs durchaus im Streit liegt, distanziert sich „ausdrücklich“ von dieser Anzeige und nennt Fassl einen „Trittbrettfahrer.“

„Biene“ gehört seit vielen Jahren zur Familie. Der Dackel ist lieb, begrüßt sein Herrchen stets mit wedelndem Schwanz, wenn er nach Hause kommt. Als Bürgermeister kann dies auch mal etwas später werden. Aber „Biene“ hat keinerlei Ausfallerscheinungen, wirkt nicht verstört, ist auch nicht abgemagert und vermittelt nicht wirklich den Eindruck eines vernachlässigten Hundes.

Josef Fassl kennt „Biene“ nicht. Er kennt auch das  Herrchen nicht. Das Herrchen, das ist Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs. Doch Fuchs soll ein Tierquäler sein, er verstoße „gegen das Tierschutzgesetz“, er offenbare „tierquälerische Praktiken“. Das schreibt Fassl in einer Strafanzeige, die er bei der Polizei in Gardelegen gestellt hat. Auslöser ist Fassl zufolge eine Aussage von Fuchs bei einer Versammlung, im Beisein von Gardelegens Tierschutzvereins-Sprecher Stefan Quisdorf. Es ging um den Zeitaufwand für Tiere. Es ging um die ehrenamtliche Arbeit im Tierheim. Und darum, wieviel Zeit für jedes Tier bleibt. „Keine fünf Minuten“ habe er manchmal für seine Biene Zeit, erklärte Fuchs als Vergleich und wollte damit seiner Ansicht nach übertriebene Forderungen der Tierheim-Betreiber entkräften. Eine Aussage, die dem Bürgermeister „sicherlich…rausgerutscht“ ist, erklärt dazu Quisdorf. Er selbst, so der Tierschutzvereins-Sprecher, habe „die Aussage mehr als spitzen Vergleich empfunden.“ Mehr nicht.

Anders Fassl. Er fährt von Magdeburg aus schweres Geschütz gegen Fuchs auf. Die Äußerung „deutet darauf hin, dass er seinem Tier durch den Entzug des Sozialkontaktes erhebliche Leiden zufügt.“ Eine „tägliche Betreuungszeit von zwei Stunden“ sei die übereinstimmende Forderung von „maßgeblichen Experten“, formuliert der Landesvorsitzende der Tierschutzpartei. Eine Splitterpartei in Sachsen-Anhalt, die es sich nach eigenem Verständnis zur Aufgabe gemacht hat, all jenen zu helfen, die sich angeblich nicht selbst helfen können. Wörtlich heißt es in der Eigen-Beschreibung: „…am Schwächsten sind diejenigen, die sich nicht artikulieren können, sprachlos Unrecht und Gewalt über sich ergehen lassen müssen – Tiere, Natur, Kinder, Behinderte, Senioren…“ Eine weitere Aufzählung erfolgt, möglicherweise aus Platzgründen, nicht.

„Hanebüchen“ nennt Fuchs die Vorwürfe und die Anzeige gegen ihn. Und auch der Tierschutzverein springt dem Bürgermeister zur Seite. Die Tierschutzpartei sei ihnen „nicht bekannt“, schreibt Tierschutzvereins-Sprecher Quisdorf. Man kenne auch diesen Herrn Fassl gar nicht. Er sei „verärgert“, so Quisdorf, und spricht von einem „Trittbrettfahrer“, der „auf sich aufmerksam“ machen wolle.

Kurioserweise müsste der Anzeigenerstatter eigentlich auch gegen das Gardelegener Tierheim juristisch vorgehen. Denn wie Quisdorf auflistet, bliebe den ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Aufnahmestation „für jedes Tier auch nur 5 Min. / Tag für die individuelle Pflege und persönliche Zuwendung.“

Fuchs wiederum spricht von „übler Nachrede“ , „Beleidigung“ und „Denunziation“. Die Vorwürfe entbehrten „jeglicher Grundlage“, seien „völlig haltlos“. Der Anzeige selbst sehe er „sehr gelassen und entspannt“ entgegen. Es sei „beschämend, was man sich als Amtsperson manchmal so alles gefallen lassen muss“. Fuchs behält sich ausdrücklich rechtliche Schritte gegen Fassl selbst vor. „Denn die Sache belastet einen schon.“

Spricht´s und muss das Gespräch beenden. Denn er hat noch einen Termin. Mit der schon erwartungsfroh Schwanz wedelnden „Biene“. Gassi gehen.

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