Meister und Meisterinnen aus der Altmark erhielten Jubiläumszeugnisse im Landgasthof Berge

Handwerk auf diamantenem Boden

Friseurmeisterin Dorothea Schulze aus Gardelegen erhielt gestern als einzige anwesende Frau ihren Diamantenen Meisterbrief, überreicht von Werner Vesterling (l.) und Burghard Grupe. Foto: Walter

Berge. „Für Sie hat das Handwerk heute nicht nur goldenen, sondern diamantenen Boden“ - Es war nur einer von vielen Glückwunschsprüchen, die Burghard Grupe gestern im Landgasthof Berge an einen Jubilar gewandt aussprach.

Und doch traf der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg damit genau ins Schwarze.

Denn erstmals in ihrer 111-jährigen Geschichte verlieh die Handwerkskammer Magdeburg gestern Diamantene Meisterbriefe an verdiente Handwerker, die vor mindestens 60 Jahren ihre Meisterprüfungen abgelegt hatten. Insgesamt 38 Handwerksmeister aus der Region erhalten in diesen Tagen ihre Jubiläumszeugnisse. Zehn Meisterinnen und Meister aus der Altmark konnten ihre Diamantenen Zeugnisse gestern in Berge persönlich entgegen nehmen.

Unter ihnen war auch Dorothea Schulze. Sie war die einzige anwesende Frau in der Runde der Handwerksmeister. Die 84-jährige Gardelegenerin hatte ihre Friseurmeisterprüfung am 25. April 1951 abgelegt und bildete damit auch damals schon eine Ausnahme, war sie zu jener Zeit doch die jüngste Meisterin im gesamten Handwerksbereich Hannover.

Als ältester Handwerksmeister konnte Willi Thielecke aus Beetzendorf seinen Diamantenen Meisterbrief entgegen nehmen. Der 88-Jährige hatte seine Prüfung zum Klempnermeister am 2. März 1950 abgelegt, sein Unternehmen bis 1990 geführt und dabei zahlreiche Lehrlinge und Gesellen ausgebildet.

Besonders war auch die Zusammensetzung der Gewerke, die im Landgasthof zusammenkamen. Denn mit Seilermeister Gerhard Donath aus Salzwedel und Drechslermeister Hermann Kummert aus Klötze saßen zwei Vertreter von Handwerksberufen in der Runde, deren Gewerke es heute immer seltener gibt. Eine Entwicklung, die bedauerlich sei, so Werner Vesterling, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg, der die zu ehrenden Jubilare gemeinsam mit Burghard Grupe auszeichnete.

Hans-Erich Schulze, designierter Kreishandwerksmeister der künftigen Kreishandwerkerschaft Altmark, nutzte die Verleihung der Diamantenen Meisterbriefe, um den Jubilaren seine Achtung auszusprechen: Auch wenn sich die Branche derzeit in einer eher schwierigen Phase befinde. „Sie haben dafür gesorgt, dass das Handwerk, so wie es heute ist, überhaupt existiert“, sagte Schulze.

Nach dem Krieg sei es diese Generation von Handwerksmeistern gewesen, die die Ärmel hochgekrempelt und gesagt habe, „wir machen weiter“. Dafür gebühre den Handwerksmeisterinnen und -meistern sein herzlicher Dank, betonte Schulze.

Auch Werner Vesterling dankte den Jubilaren. Sie hätten dazu beigetragen, dass das Handwerk in seinen Imagekampagnen heute zu Recht von sich behaupten könne, die „Wirtschaftsmacht von nebenan“ zu sein. „Heute haben wir gut eine Million Betriebe mit 520 000 Beschäftigten in Deutschland und einem Jahresumsatz von 400 Milliarden Euro“, sagte Vesterling. Fakten, die den Status des Handwerks als Wirtschaftsfaktor deutlich machten.

Nachdem alle diamantenen Meister ihre Briefe erhalten hatten, blickte Vesterling noch einmal humorvoll in die Zukunft: „Sie sehen alle noch so rüstig aus. Da müssen wir uns wirklich Gedanken machen, was wir nach dem Diamantenen Meisterbrief machen“. Beim anschließenden Mittagessen hatten die versammelten Handwerksmeister genügend Zeit, ausgiebig darüber zu sprechen.

Auch im nächsten Jahr möchte die Handwerkskammer Magdeburg übrigens wieder Diamantene Meisterbriefe verleihen. Wie Anja Gildemeister, Pressereferentin der Handwerkskammer informierte, können Betriebe und Innungen dafür ab sofort mögliche Jubilare an die Handwerkskammer Magdeburg melden. Da es kein zentrales Register geben, würde man sich über entsprechende Zuarbeiten von Seiten des Handwerks freuen, so Gildemeister.

Von Alexander Walter

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