Schändung auf dem Gräberfeld bei Gardelegen / Staatsschutz ermittelt / Fuchs: „Hirnlosigkeit“

Hakenkreuz auf der Gedenkstätte

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So eine Tat gab es noch nie: Politisch motivierte Randalierer haben am Wochenende 18 Kreuze aus dem Gräberfeld der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe gerissen und zu einem Hakenkreuz ausgelegt. Bürgermeister Konrad Fuchs ist fassungslos.

Gardelegen. So dreist waren Täter auf der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe bei Gardelegen noch nie: Irgendwann während des vergangenen Wochenendes haben bislang noch nicht ermittelte Straftäter insgesamt 18 Grabkreuze vom Gräberfeld der Gedenkstätte mitsamt der Einfassungen herausgerissen.

Mehr noch: Sie legten diese Kreuze zu einem „verbotenen rechten Symbol auf dem Friedhofsgelände“ aus, wie die Polizei meldet. Nämlich zu einer Art Hakenkreuz-Symbol.

Bemerkt wurde die Schändung am gestrigen Montag, als Mitarbeiter der Stadtverwaltung morgens auf das etwa zwei Kilometer außerhalb der Stadt gelegene Gelände kamen. Sofort wurde die Polizei informiert, sofort wurde auch der Staatsschutz mit einbezogen. Es folgten Anzeigen wegen Störung der Totenruhe sowie wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, wie es offiziell heißt.

Die Tat muss sich zwischen Freitagnachmittag, 16 Uhr, und Montag früh ereignet haben. Wer Hinweise zu den Tätern geben kann, der sollte sich bei der Polizei in Gardelegen unter der Telefonnummer (0 39 07) 72 40 oder bei der Polizei in Salzwedel unter (0 39 01) 84 80 melden.

Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs schaute sich den Tatort am gestrigen Nachmittag an – zufällig, als auch die Altmark-Zeitung vor Ort war. „Da fehlen mit die Worte“ erklärt er angesichts der „Hirnlosigkeit“ der Täter. Sie seien „geistig arm“. Und: „Es ist ein weiterer Beweis dafür, dass in diesem Land der braune Sumpf trockengelegt werden muss.“

Die Tat ereignete sich zwei Wochen vor der zentralen Gedenkveranstaltung des Landes Sachsen-Anhalt auf eben dieser Mahn- und Gedenkstätte. Am 27. Januar, dem „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, wird es auf der Mahn- und Gedenkstätte eine zentrale Veranstaltung geben. Mit dabei: Ministerpräsident Reiner Haseloff, Landtagspräsident Detlef Gürth und Landesbischöfin Ilse Junkermann.

In der Feldscheune Isenschnibbe wurden am 13. April 1945, einen Tag vor dem Einmarsch der Amerikaner in Gardelegen, 1016 KZ-Häftlinge bestialisch ermordet. Seitdem ist das Areal eine Mahn- und Gedenkstätte.

Von Stefan Schmidt

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