„Es kostet viel Kraft“

Hagen Mewes ist seit einem Jahr Pfarrer in Mieste – und das in Corona-Zeiten

Seit einem Jahr ist Hagen Mewes der neue Pfarrer im Kirchspiel Mieste.
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Seit einem Jahr ist Hagen Mewes der neue Pfarrer im Kirchspiel Mieste.
  • vonRenate Heinze
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Seit einem Jahr ist Hagen Mewes Pfarrer in Mieste. Mit im Gepäck hatte er viele Ideen und Vorstellungen. Doch diese zu Corona-Zeiten umzusetzen, ist kein einfaches Unterfangen.

Mieste – Hagen Mewes ist seit dem 1. April 2020 Pfarrer im Kirchspiel Mieste. Für den gebürtigen Osterburger war es die erste Pfarrstelle, zu der er nach dem Vikariat entsendet wurde. Mit im Gepäck hatte er viele Ideen und Vorstellungen. Doch diese zu Corona-Zeiten umzusetzen, ist kein einfaches Unterfangen.

„Ich mag kleine Gesprächskreise. Für manche langweilig, für mich hochinteressant, sich über den Glauben und die Bibel auszutauschen. Ich mag es, in Gruppen Ausflüge zu machen, aktiv zu sein und über Dinge nachzudenken, die mir wichtig sind und vor allem, weil da noch gesungen wird. Auch die Bildung eines Männerkreises könnte ich mir vorstellen. Es liegt mir ebenso am Herzen, diakonischen Sachen nachzugehen wie die Unterstützung von sozial schwachen Familien oder das Initiieren von Selbsthilfegruppen“, erzählt Hagen Mewes.


Ideen sind also da. Doch sie treffen auf eine Gemeindewirklichkeit.

„Wenn man in eine Gemeinde kommt, sollte man im ersten Jahr nicht viel verändern, sondern schauen, was da ist, zuhören, was es für Wünsche und Interessen gibt, wie die Normalität aussieht. Durch Corona habe ich Normalität bisher allerdings sehr wenig erlebt“, sagte der Pfarrer. Mit dem Gemeindekirchenrat hatte Hagen Mewes zwar vor seinem Amtsantritt mehrmals Kontakt, es gab auch einige Sitzungen. Allerdings online. Ein richtiges informelles Kennenlernen, wie zum Beispiel ein Gedankenaustausch beim Grillen, war bisher nicht möglich.

Die Gemeinde selbst habe er durch verschiedene Treffen und Begebenheiten kennengelernt. Kurzzeitig bei Seniorennachmittagen, bei Bestattungen oder Gesprächen auf der Straße: „Ich habe dabei immer wieder verlauten lassen: Wenn sich jemand über meinen Besuch freuen würde, soll er es sagen oder anrufen. So hat sich langsam etwas entwickelt. Geburtstagsbesuche zu Corona-Zeiten fanden allerdings nicht statt.“

Als im vergangenen Jahr für wenige Monate wieder ein kleines Stück Normalität einzog, wurde mit dem Gemeindekirchenrat und der Gemeindepädagogin beraten, was gemacht, inwieweit wieder geöffnet werden kann. Im Hinterkopf immer die Ahnung, dass im Herbst wieder zurückgerudert werden muss. Auch was die Arbeit mit den Jugendlichen anbelangt, hat der Pfarrer konkrete Ideen. Bei der Konfirmation im April sagte er: „Es stimmt mich traurig, dass heute ein Weg endet, der für mich gefühlt eigentlich noch gar nicht so richtig begonnen hat.“

„Ich stelle mir Treffen vor, wo man mal einen Tag beisammen ist oder gemeinsam wegfährt. Wöchentliche Zusammenkünfte für eine Stunde finde ich nicht so toll, da sie etwas Schulisches haben. Für Konfirmanden ist es wichtig, Gemeinschaft zu erfahren. Dann öffnen sie sich mehr, über etwas zu sprechen. Enger Kontakt und Begleitung waren aber bisher wirklich nicht möglich“, sagte Hagen Mewes. Deshalb hofft der Pfarrer, sein Vorhaben, mit den Jugendlichen nach Frankreich zu fahren, im Sommer verwirklichen zu können. Geplant ist ebenfalls ein Ausflug in den Harz mit Wanderung und Besuch des Bonhoeffer-Hauses.

Auch wenn Mewes voller Optimismus in die Zukunft schaut, hat er doch Schwierigkeiten, mit der Müdigkeit der Menschen, die sich zurückgezogen haben und viel mit sich selbst beschäftigt sind, umzugehen. Oder geplante Dinge und Veranstaltungen ständig kurzfristig absagen zu müssen. „Es kostet viel Kraft, immer wieder mit dem Gemeindekirchenrat neu zu überlegen, was können wir wie machen. Das ermüdet und macht auch etwas unzufrieden.“

Und was macht ein Pfarrer zu Corona-Zeiten den ganzen Tag? „Seelsorge, kleine Gottesdienste vorbereiten und Bauprojekte in Dannefeld und Miesterhorst betreuen. Überlegen, wie Sachen, die abgesagt worden sind, unter neuen Bedingungen doch stattfinden können. Ich habe den Eindruck, ich habe mehr zu tun als vorher. Und in der vergangenen Woche habe ich meine Kinder zu Hause unterrichtet. Man hat ein bisschen mehr Zeit für die Familie. Und das ist doch auch mal etwas Positives.“

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