Madonna im Weteritzer Park erinnert an Curt Roth, gefallen im Ersten Weltkrieg

„Habe einen guten Kampf gekämpft“

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Die Madonna im Weteritzer Park wurde zum Gedenken an Curt Roth aufgestellt, der am 16. Juli 1915 gefallen ist.

Weteritz. An diesem Sonntag, dem Volkstrauertag, wird in ganz Deutschland den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht – so auch in Gardelegen, Letzlingen und Salchau (siehe links).

Zumeist werden an den offiziellen Denkmälern für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges Kränze niedergelegt.

Auch auf dem alten Weteritzer Friedhof im Park gibt es ein wunderschönes und vor allem anmutiges Monument, das an einen Gefallenen des Ersten Weltkrieges erinnert. Es ist eine Madonnen-Statue. Und die Inschrift beginnt mit „Hier ruht in Gott ein Treu Deutscher Mann“. Es ist Curt Roth, Kgl. Regierungsrat und Hauptmann D.R.. Am 21. September 1867 wurde er in Dohndorf bei Köthen geboren. Am 16. Juli 1915, also noch zu Beginn des Ersten Weltkrieges, ist er in Pultusk, einer Stadt in Zentralpolen, gefallen. „Ich habe einen guten Kampf gekämpft“ – mit diesen Worten endet die Inschrift auf der Madonna. Über sie gibt es eine Legende, wie Heimatforscher Otto Mewes aus Jerchel zu berichten weiß. Sie soll nämlich von der Freundin Curt Roths, die in Magdeburg wohnte und in den Künstlerkreisen um dem bekannten Bildhauer, Graphiker und Dichter Ernst Barlach verkehrte, in Auftrag gegeben worden sein – und zwar in der Werkstatt Barlachs. Man munkelt, dass der Künstler selbst Hand anlegte. Die gefällige, runde Figur, die Form und der Stil der Madonna sprechen dafür, einen Beweis gibt es nicht.

Seit fast 100 Jahren wacht die betende Madonna als Stein der Ahnen an der Familiengrabstelle der Roths – die Eltern Clara (1829 bis 1898) und Carl (1821 bis 1899) liegen nur wenige Meter entfernt – über den ewigen Schlaf von Curt Roth, dessen Bruder Hubert die Wirtschaft auf dem Gutshof Weteritz, den die Familie Mitte des 19. Jahrhunderts von derer von Alvensleben erwarb, übernommen hatte. Doch wurde diese Wache zu DDR-Zeiten Ende der 1980-er Jahre unterbrochen.

Der erste Angriff wurde noch abgewehrt. Es gab nämlich Überlegungen, die Sandsteinfigur auf den Gardelegener Wall umzusetzen, als dort die anderen Ummendorfer Sandsteinfiguren aufgestellt wurden. Sie hätte, so die Meinung, gut dazu gepasst und wäre für die Öffentlichkeit sichtbar. Doch ließ man die Idee wieder fallen, wie Otto Mewes erzählt, der die Madonna im Weteritzer Park damals für den Kulturbund fotografierte. Und genau das stellte sich als glückliche Fügung heraus. Ende der 1980-er Jahre verschwand die Madonna nämlich.

Wie sich später herausstellte, war ein Bediensteter von Alexander Schalck-Golodkowski, dem Leiter des geheimen Bereichs für Kommerzielle Koordinierung im Ministerium für Außenhandel, zuständig für den (inoffiziellen) Handel mit dem kapitalistischen Ausland, einfach mit einem Lkw zum Friedhof gefahren, hatte die Figur verladen und nach – damals noch – Westberlin geschafft. Es gibt laut Mewes sogar noch die Rechnung darüber, was der Bedienstete dafür an Geld bekommen hat.

Damit galt die Madonna zunächst als verschollen. Doch damit wollten sich die Nachfahren, zum Beispiel Gerhard Wachsmann, nicht abfinden. Gleich nach der Wende begann die Suche nach der Figur anhand der Fotos von Otto Mewes. Dieser hatte sie dafür an Gerhard Wachsmann übergeben. Und dieser wurde wirklich fündig. Er entdeckte die Madonna auf dem Kunsthof in Westberlin. Da der Diebstahl belegt werden konnte, durfte die Madonna wieder zurück nach Weteritz. Dort wacht sie seitdem wieder über die Familiengräber der Roths, obwohl der Gang dorthin über zugewucherte Wege gar nicht so einfach ist.

Von Elke Weisbach

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