Bundeswehr: Übungsbetrieb lief am Sonnabend trotz Demo ungestört ab

GÜZ-Leiter Sladeczek: „Was für Heldentaten...“

Letzlingen. Er habe, das sagt Oberst Dieter-Uwe Sladeczek, der Leiter des Gefechtsübungszentrums (GÜZ) des Heeres bei Letzlingen, absolut nichts gegen Demonstrationen. Wenn sie denn friedlich seien.

Doch Gewalt, wie teilweise am Sonnabend ausgeübt, „das kann ich nicht gut heißen. “.

Während vor der Wache zum GÜZ einige wenige Demonstranten gegen den Ausbau des GÜZ und den Bau des Urbanen Zentrums protestierten, hatten sich etwa 40 Militärgegner auf das 230 Quadratkilometer große Militärgelände in der Colbitz-Letzlinger Heide geschlichen. Es es ist nicht eingezäunt. Eine lückenlose Überwachung, so betonte Sladeczek am Sonnabendnachmittag bei einem Pressetermin an der Funkstation VII etwa drei Kilometer nördlich der seit einer Woche gesperrten Heidestraße, sei nicht möglich. „Wir können dieses Hase-und-Igel-Spiel nicht gewinnen“, gab er zu. Priorität habe die Aufrechterhaltung des regulären Übungsbetriebes, die Unversehrtheit der Menschen sowie des Materials. Und genau dies sei gelungen, so der Oberst.

Bilderstrecke von der Demo

Bilder vom Antimilitaristen-Camp bei Letzlingen

Ein Panzer sei im laufenden Übungsbetrieb von Militärgegnern mit orangener Farbe beschmiert worden. Mehrere dunkel vermummte Personen seinen plötzlich aus einem Waldstück auf das in Fahrt befindliche Kettenfahrzeug zugelaufen und hätten es besprüht, so Sladeczek. Der verantwortliche Panzerkommandant habe das Ungetüm sofort gestoppt, „damit es keine Toten oder Verletzten gibt.“ Das Übungsziel der Soldaten am gestrigen Tag lautete übrigens sinnigerweise: „Verhalten im Falle eines Angriffs aus dem Hinterhalt.“ Der Panzer sei gleich danach in die Werkstatt gebracht und wieder sauber geputzt worden.

Woanders hätten versprengte Demonstranten Farbbeutel mit Glassplitter gegen leer stehende Gebäude geworfen. „Was für Heldentaten...“, schüttelte der Oberst verächtlich mit dem Kopf. Etwa 40 Militärgegner hätten sich im Laufe des Sonnabends nach Erkenntnissen von Bundeswehr und Polizei (Sladeczek: „Die Zusammenarbeit verlief optimal“) auf dem Truppenübungsplatz aufgehalten.

Dort befindet sich derzeit die Panzerbrigade 37 aus dem sächsischen Frankenberg. Die Soldaten werden im Oktober nach Kunduz in Afghanistan verlegt und dienen dort als Schutzkompanie. „Unser Auftrag ist es, dass wir eine bestmögliche Vorbereitung auf diesen Auslandseinsatz gewährleisten“, so Sladeczek. Teil dieser Vorbereitung ist auch das Verfassen von Testamenten, für den schlimmsten Fall der Fälle. „Und deshalb haben unsere Soldaten derzeit gewiss ganz andere Sorgen, als sich Gedanken um einzelne Eindringlinge zu machen“ Das sagt Brigadegeneral Gerd Kropf, der die Panzerbrigade 37 leitet und bis vor wenigen Monaten selbst Leiter des Gefechtsübungszentrums war.

Erfolgsmeldungen des „Antimilitaristischen Camps“, man habe den Verladebahnhof am GÜZ „besetzt“, mochte die Bundeswehr nicht bestätigen. Und auch die „Markierung“ eines Feuerwehrturms „im nördlichen Drittel des GÜZ“, wie von den Militärgegnern stolz verkündet, dementiert Sladezek: „Auf unserem Truppenübungsplatz gibt es gar keinen Feuerwehrturm.“

Von Stefan Schmidt

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