Idee: Standorte Reutter und Goethe aufgeben

Grundschul-Neubau plötzlich Thema in Gardelegener Bauausschuss

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Die Hortkinder der Gardelegener Otto-Reutter-Grundschule gehen nach Unterrichtsende täglich bis zum „Würfel“ an der OdF-Straße. Das könnte sich mit einem Neubau erübrigen.

Gardelegen – Das Thema ist nicht völlig neu. Doch am Montag, als die Mitglieder des Gardelegener Bauausschusses im Haus II tagten, wurde es plötzlich konkret. Nämlich der Neubau einer Grundschule in Gardelegen.

Anlass war ein Antrag der Linken-Fraktion, im Zuge der Kellersanierung in der Otto-Reutter-Grundschule an der Nicolaistraße auch über ein neues Raumkonzept für das denkmalgeschützte Gebäude nachzudenken.

Stadtrat Dirk Kuke machte einen deutlich weitergehenden Vorschlag. Nämlich, die Reutter-Grundschule alsbald ganz aufzugeben und stattdessen im Bereich der Karl-Marx-Sekundarschule eine gänzlich neue Grundschule zu bauen.

Für die Nachnutzung der jetzigen Otto-Reutter-Grundschule hatte Dirk Kuke auch gleich Vorschläge. So könnte dort ein Ärztehaus entstehen, möglich sei auch ein „Haus der Vereine“ oder die Nutzung durch Teilbereiche der Stadtverwaltung.

Einen Fürsprecher fand Dirk Kuke in Gustav Wienecke, der dazu noch die Schließung der Goethe-Grundschule an der Sandstraße ins Spiel brachte. Anstelle dieser beiden alten Gebäude (Wienecke: „Wir pumpen da Geld ohne Ende rein.“) könnte man woanders komplett neu bauen. Wienecke schlug den leer stehenden Rewe-Markt gleich neben der Karl-Marx-Sekundarschule als Standort vor. Der könnte ja abgerissen werden und dort ein neues Schulgebäude hingebaut werden.

Das mit der Aufgabe der Gothe-Grundschule, gab Dirk Kuke zu, habe er sich „nicht getraut“, in den Antrag zu schreiben. Aber da es Wienecke ansprach: „Beide Schulen weg – warum nicht?“

Mit einem Neubau anstelle zweier bestehender Innenstadt-Grundschulen könne man die Schullandschaft „verdichten“, regte Gustav Wienecke nochmals an. „Darüber würden sich sehr, sehr viele Eltern freuen“, ist er sich sicher.

Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher mahnte hingegen: Der alte Rewe-Markt sei ihres Wissens „nicht mehr zu haben“. Sprich: Verkauft. Im Rathaus selbst habe man die Idee gehabt, das seit dem Umzug des Rewe-Marktes an die Gifhorner Straße leer stehende und ungenutzte Gebäude zu erwerben, um es anschließend abzureißen und dort Eigenheime entstehen zu lassen. Doch man habe sich mit dem Besitzer der Immobilie – Rewe war dort auch nur Mieter – nicht über einen Kaufpreis einigen können. Die Vorstellungen seien dermaßen unterschiedlich gewesen, „dass wir uns auch in 100 Jahren nicht hätten einigen können“, erklärte die Bürgermeisterin.

Kurios: Dirk Kuke sprach bei seinem Antrag auf einen Grundschul-Neubau mehrfach von „wir“. Und der am Tag der Sitzung schriftlich eingereichte Antrag kam von der „Fraktion Freie Liste“, die es aber gar nicht gibt – seit dem Wechsel seiner designierten Fraktionskollegin Monique Grothe zu den Linken ist Dirk Kuke Einzelkämpfer im Stadtrat. Somit sei der angebliche Fraktionsantrag „eigentlich irrelevant“, merkte Andreas Höppner von den Linken an.

Von der Idee Dirk Kukes, im Gebäude der jetzigen Otto-Reutter-Grundschule später ein Ärztehaus einzurichten, um Mediziner nach Gardelegen zu locken, hält Mandy Schumacher, das erklärte sie am Montagabend, nicht viel. Der Grund, warum keine Hausärzte in die Region kommen, läge nicht am mangelnden Raumangebot. „Die Ärzte wollen einfach nicht in eine dünn besiedelte Region wie die Altmark ziehen“, so die Bürgermeisterin.

Dirk Kuke, so einigte man sich am Montagabend im städtischen Bauausschuss, wird seinen Antrag auf einen Grundschul-Neubau nochmals stellen. Dann als Dirk Kuke, fraktionsloses Mitglied im Gardelegener Stadtrat. Und nicht als „Fraktion Freie Liste“.

VON STEFAN SCHMIDT

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