Dem Umbau der Gedenkstätte Isenschnibbe Gardelegen droht ein Zeitverzug durch das Land

„Großwetterlage ist nicht günstig“

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So soll der Eingangsbereich des neuen Besucher- und Dokumentationszentrums auf der Gedenkstätte Isenschnibbe Gardelegen mal aussehen – nach bisherigen Plänen in zwei Jahren. Doch es droht eine zeitliche Verschiebung.

Gardelegen. Mit Befremden reagieren Verantwortliche vor Ort auf mögliche Pläne des Landes Sachsen-Anhalt, die Umgestaltung der Gedenkstätte Isenschnibbe Gardelegen zu verschieben.

„Die Großwetterlage ist derzeit nicht günstig“, sagt dazu Dr. Hans-Joachim Becker, der Kreisvorsitzende des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge. 

Geplant ist bisher eigentlich, dass die Gedenkstätte – dort wurden am 13. April 1945 mehr als 1000 KZ-Häftlinge von den Nazis umgebracht – in zwei Jahren fertig sein soll. Der Kostenpunkt liegt bei 3,7 Millionen Euro. Herzstück der Umgestaltungsarbeiten soll ein völlig neues Besucher- und Dokumentationszentrum im jetzigen Eingangsbereich werden.

Um die bisherigen Pläne zu realisieren, müsste das Geld in den noch zu verabschiedenden Doppel-Haushalt des Landes für die Jahre 2017/2018 eingestellt werden. Doch das ist momentan unsicher. Wird das Geld nicht bereitgestellt, würde sich die Umgestaltung um zwei Jahre nach hinten verschieben – mindestens.

Dabei sind die Pläne zur Modernisierung der Gedenkstätte längst weit fortgeschritten. Im April gewann ein Architekturbüro aus Berlin den Wettbewerb um den Entwurf der Umgestaltung. Die detaillierten Pläne wurden bereits öffentlich vorgestellt und im Frühjahr auch im Gardelegener Rathaussaal für jedermann zugänglich gemacht. Mit Andreas Froese-Karow arbeitet seit mehr als einem Jahr der neue hauptamtliche Leiter der Gedenkstätte mit Hochdruck an der Umgestaltung. Seine Arbeit wird in Gardelegen längst anerkannt und geschätzt. „Das Land kann die Umgestaltung eigentlich gar nicht nach hinten verschieben“, kritisiert Becker – zu viele Hoffnungen wurden bereits geschürt, zu viel Arbeit ist bereits investiert worden. Und so werde Dieter Steinecke, der Landesvorsitzende des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge und ehemaliger langjähriger Landtagspräsident, im Namen der Organisation auf die Einhaltung des Zeitplanes drängen, kündigte Becker an.

„Das wäre ein ganz schlechtes Zeichen angesichts des Rechtsrucks in Sachsen-Anhalt, die Pläne auf Eis zu legen“, schimpft auch Konrad Fuchs, der Vorsitzende des Gedenkstätten-Fördervereins. Ein Hinausschieben sei „nicht zu akzeptieren.“ Er und weitere Verantwortliche würden „versuchen, auf breiter Front und parteiübergreifend“ eine zeitliche Verzögerung zu verhindern.

Denn eine Sorge ist: Wird das Projekt erstmal nach hinten verschoben, gibt es keine Garantie für eine Umsetzung in zwei Jahren. „Dies ist eine berechtigte Angst“, sieht auch Fuchs dieses Problem.

Von Stefan Schmidt

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