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Ein ganzer Tag für eine „Legende“

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Von: Stefan Schmidt

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Zwei Männer
Jens Bombach (links) wurde verabschiedet. © Stefan Schmidt

Jens Bombach hat nach 21 Jahren als Sektionsleiter Fußball beim SSV 80 Gardelegen aufgehört.

Gardelegen – Alles begann mit seinem Sohn. Tobias wollte als Steppke Fußball spielen. Also ging der Papa, Jens Bombach, auf die Sportanlage an der Rieselwiese in Gardelegen und wollte seinen Filius anmelden.

Das ging aber nicht. Denn der SSV 80 Gardelegen hatte keine Jugendabteilung. „Ich konnte das nicht glauben“, erzählte Jens Bombach später mal. Man müsse sich das mal vorstellen: „Eine Stadt wie Gardelegen hat keinen Nachwuchs-Fußball“, die Kinder mussten stattdessen auf umliegende Dörfer ausweichen. Und weil Jens Bombach ein Mann der Tat ist („Entweder ich mache etwas hundertprozentig oder ich lasse es“), trat er dem Verein bei und wurde kurze Zeit später Sektionsleiter Fußball.

Seitdem geht es beim SSV 80 stetig bergauf. Mittlerweile kicken mehr als 200 Mädchen und Jungen auf der Rieselwiese, jede Nachwuchs-Altersklasse nimmt mit mindestens einem Team am Spielbetrieb teil. „Jugend, Jugend, Jugend“ so lautet das Motto von Jens Bombach, der vor wenigen Wochen nicht mehr als Sektionsleiter antrat und am Sonnabend im Rahmen des Verbandsliga-Punktspiels des SSV 80 gegen Weißenfels nach 21 Jahren im Amt verabschiedet wurde. Und das den ganzen Tag über.

In der Halbzeitpause überreichte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher der „Legende“, wie sie sagte, einen Stadtrundgangs-Gutschein für ihn und seine Familie, „weil Du ja von Gardelegen seit vielen Jahren eigentlich nur den Sportplatz kennst“. Und in der „Dritten Halbzeit“ schnürte Bombach selbst die Schuhe, war Teil der „Bombe Altstars“, die gegen ein bunt zusammengewürfeltes Nachwuchsteam des SSV kickte – mit Konrad Fuchs als Schiedsrichter. Der einstige Bürgermeister war viele Jahre lang begeisterter Unparteiischer und erinnerte sich bei seiner Lobrede an die einst erbärmlichen Zustände auf den Sportanlagen mit altbackenen Umkleidekabinen und Sanitäranlagen. Manch ein Dorfverein fuhr ungern zum Auswärtsspiel nach Gardelegen – nicht wegen des Gegners, sondern wegen der maroden hygienischen und räumlichen Zustände. Auch das hat sich längst geändert. Und auch wenn Jens Bombach nie ein Alleinunterhalter war und längst viele Mitstreiter – wie seinen Nachfolger als Sektionsleiter, Daniel Burkardt – um sich vereint: Bombach war stets der beharrliche Antreiber und Menschenfänger. Oder, wie es Mandy Schumacher formulierte: „Die meisten Mitglieder kennen den SSV Gardelegen gar nicht ohne Jens Bombach.“

Der Gelobte, seit einem halben Jahrhundert glühender Fan des FC Bayern München, erlebte zum Ende seiner Amtszeit, am 3. Oktober, einen ganz besonderen Tag, „definitiv den Höhepunkt meines Wirkens“. Nämlich das Auswärtsspiel in der Verbandsliga bei Lok Stendal, dem einstigen fußballerischen Leuchtturm in der Altmark. „Dass wir als kleiner SSV mal gegen Stendal um Punkte spielen werden“, so Bombach, der an jenem Nachmittag mitten in der Gardelegener Fankurve stand, „hätte ich mir vor 20 Jahren nie träumen lassen“.

Aber damals hatte der SSV 80 Gardelegen nicht mal eine Nachwuchsabteilung.

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