Viele Atemschutzgeräteträger sind nicht auf aktuellem Ausbildungsstand / „Traurig, ganz traurig“

„Grob fahrlässig“ gehandelt

Atemschutzgeräteträger haben in den Feuerwehren eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe. Doch nicht alle gemeldeten Träger sind, was die Ausbildung angeht, wirklich auf dem aktuellsten Stand. Foto: Archiv / sts

Gardelegen. Die Regelungen sind eindeutig. Wer Atemschutzgeräteträger in einer Feuerwehr ist, der muss jedes Jahr neu in den „Container“. Der muss einmal jährlich eine Prüfung über sich ergehen lassen. Zum Selbstschutz.

Denn nur jene Feuerwehrleute, die den körperlichen Belastungen hinter den Atemschutzgeräten stand halten können und die physisch wie auch psychisch in der Lage sind, die extreme Belastung auszuhalten, kann man im Ernstfall beispielsweise in ein brennendes Gebäude schicken.

In den Feuerwehren der Stadt Gardelegen gibt es aktuell etwa 270 Atemschutzgeräteträger. Auf dem Papier. Das erklärte Stadt-Wehrleiter Wolfgang Hein während einer kürzlich einberufenen Zusammenkunft mit den Feuerwehr-Bereichsleitern im Gardelegener Feuerwehr-Gerätehaus. Denn das Problem ist: Es gibt zwar offiziell mehr als genügend Atemschutzgeräteträger. Aber längst nicht alle sind korrekt ausgebildet. Von den etwa 270 gemeldeten Besitzern eines Atemschutzes sind nur rund 183 tatsächlich berechtigt, aktuell mit Maske in einen Raum voller Rauch zu gehen. Denn eben diese 183 Frauen und Männer werden tatsächlich jedes Jahr überprüft. In manchen Wehren innerhalb des Gardelegener Stadtgebietes, so berichtete Wolfgang Hein, habe es eine entsprechende Ausbildung seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr gegeben. „Daran sind dann auch die jeweiligen Wehrleiter ein bisschen schuld“, so der Stadt-Wehrleiter.

Besonders schlecht sieht es tagsüber aus. Zwischen 6 und 18 Uhr gibt es im Stadtgebiet gerade mal 46 Atemschutzgeräteträger, die einsatzfähig sind. „Traurig, ganz traurig“ sei diese geringe Zahl, so Wolfgang Hein. Für ihn steht fest: „Das große Problem ist der Tag, weniger die Nacht.“ Tagsüber seien viele ausgebildete Feuerwehrleute auswärts zur Arbeit, also im Einsatzfall nicht sofort greifbar.

Wer als Wehrleiter die regelmäßige Überprüfung jahrelang habe schleifen lassen, so Wolfgang Hein, der habe „grob fahrlässig“ gehandelt.

Von Stefan Schmidt

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