Auf Gelände der Firma Holzkontor an Stendaler Chaussee

Grabung: Keine menschlichen Gebeine in Gardelegen gefunden

Noch in einem guten Zustand sind laut Riccardo Freitag die ausgegrabenen Gegenstände.
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Noch in einem guten Zustand sind laut Riccardo Freitag die ausgegrabenen Gegenstände.

Bei Grabungen in Gardelegen wurden Gebrauchsgegenstände von Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.

Gardelegen – Schuhe, Essensbesteck, mehrere Flaschen, ein Kamm, Stoffreste, vermutlich ein Zeltnagel und eine Tasche für eine Gasmaske wurden auf dem Gelände der Firma Holzkontor an der Stendaler Chaussee in Gardelegen ausgegraben. „All das sind Gegenstände, die damals ein Soldat bei sich trug“, erklärt Riccardo Freitag, ehrenamtlicher Umbetter bei der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, während er an einer der beiden Grabungsstellen nach Gebeinen sucht. An einer der Grabungsstellen wurden Gebeine eines gefallenen Soldaten vermutet, weil dort bei Bauarbeiten für eine weitere Regalanlage ein Stahlhelm gefunden wurde. Die gefundenen Gegenstände stammen vermutlich von einem oder mehreren Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Denn unter den Sachen ist ein Zigarettenetui, auf dem das Jahr 1941 steht. Die Gegenstände „sind alle gut erhalten“, sagt Riccardo Freitag.

Nachdem der Stahlhelm gefunden wurde, wurde die Grabung veranlasst.

Menschliche Gebeine wurde aber nicht gefunden, obwohl das kurz vermutet wurde, als Riccardo Freitag gegen 12 Uhr zwei Wirbel gefunden hatte. „Diese sind tierischer Herkunft“, so der ehrenamtliche Umbetter, der schon oft bei Ausgrabungen Gebeine Gefallener geborgen hat, damit diese anschließend beigesetzt werden können.

Auf dem Zigarettenetui steht 1941. Die Gegenstände sind also vermutlich von Soldaten des Zweiten Weltkrieges.

Riccardo Freitag wurde über den Fund in Gardelegen informiert, nachdem am Freitag der Stahlhelm bei der Firma Holzkontor gefunden wurde. „Am Montagmorgen haben wir uns den Boden genauer angesehen“ erzählt Filialleiter Peter Osterholz. Dort, wo der Stahlhelm von einem Mitarbeiter gefunden wurde, „war eine Art Hohlraum“, die Erde sah anders aus, der Boden hatte eine andere Beschaffenheit, schildert Peter Osterholz seine Eindrücke. Es hätte sich um ein Grab handeln können, so der Filialleiter weiter.

Diese Gegenstände wie die Tasche für Gasmaske (rechts im Bild) wurden in einer Grabungsstelle gefunden. In der anderen waren Flaschen und Konserven.

Das Ordnungsamt der Stadt wurde informiert, welches wiederrum verschiedene Ämter wie das Amt für Archäologie und Denkmalschutz benachrichtige, ebenso die Deutsche Kriegsgräberfürsorge und die Polizei. Denn es hätte sich auch um ein Verbrechen handeln können. Ebenso hätten Kampfmittel gefunden werden können, „das Risiko gibt es immer“, erzählt Riccardo Freitag.

Riccardo Freitag ist ehrenamtlicher Umbetter hat schon oft Gefallene geborgen.

Er hat die Gegenstände in 60 Zentimetern Tiefe gefunden. Es sei erkennbar, wo ein Soldat gelegen haben könnte. An dieser Stelle werde nach und nach vorsichtig gegraben und nach Gebeinen, Gegenständen etc. gesucht. Dafür wird auch ein Metalldetektor genutzt. Wird beispielsweise ein Knochen gefunden, wird dieser freigelegt. Alle Fundstücke werden aufgestellt.

Essensbesteck, wie der Löffel und die Gabel, wurden gefunden. Solche Gegenstände trugen Soldaten damals bei sich.

Riccardo Freitag vermutet, dass, da in der Nähe die Baracken für den Fliegerhorst waren, der oder die Soldaten die Gegenstände entsorgen wollten.

In einer gefundenen Flasche war sogar noch Wasser.

Bei den Sachen war unter anderem auch eine noch vermutlich mit Wasser gefüllte alte Flasche dabei. Einige der gefundenen Gegenstände werden später in der Ausstellung im Besucher- und Dokumentationszentrums der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe zu sehen sein. VON INA TSCHAKYROW

Die Knochen sind tierischer Herkunft.

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