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Amtsgericht Gardelegen: Gullydeckel angehoben und nachts halbnackt auf der Straße

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Von: Stefan Schmidt

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Gullydeckel
Diesen Gully hat der Angeklagte nachts weggenommen. © Stefan Schmidt

Ein 28-Jähriger ist im Amtsgericht Gardelegen zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Gardelegen. Nach einem Blick in seine Unterlagen fragte Axel Bormann, Richter am Gardelegener Amtsgericht, den Angeklagten, ob er vorher schon mal straffällig geworden sei. „Nein“, antwortete J., der seinen derzeitigen Wohnsitz in Salzwedel hat, aber in Gardelegen geboren und aufgewachsen ist. „Sie lügen!“, herrschte Bormann ihn an. Und legte nach: „Glauben Sie etwa, wir leben hier auf Bäumen und bewerfen uns mit Kokosnüssen?“ Denn J. hat tatsächlich zwei Vorstrafen, die noch keine drei Jahre alt sind. „Ach ja...“ fiel es dem 28-Jährigen dann auch spontan wieder ein.

Vor dem Kadi saß J. Am Donnerstag, weil er im vergangenen Jahr in Gardelegen zwei weitere Straftaten begangen hatte. Vor allem am 26. September, frühmorgens um 4.30 Uhr. Da kam er von der Geburtstagsfeier seiner Mutter und hatte reichlich dem Alkohol zu gesprochen. So sehr, dass er mal ausprobieren wollte, ob er einen Gullydeckel der Sandstraße, in Höhe des Goldenen Rings, herausnehmen könne. Das Ergebnis: Er konnte. In das dadurch entstandene Loch fuhr kurz darauf eine Frau mit ihrem Auto, das entsprechend beschädigt wurde. „Stellen Sie sich mal vor“, so der Richter, „da wäre ein Fußgänger oder ein Zeitungszusteller mit dem Fahrrad reingefahren“. Es hätte weitaus mehr passieren können als Sachschaden. Auch die Staatsanwältin schüttelte mit dem Kopf: „Das weiß doch jedes kleine Kind, dass das gefährlich ist.“

Das zweite Vergehen geschah einen Monat später, genau am 26. Oktober um kurz nach Mitternacht. Da torkelte J. mit 1,79 Promille über die Kreuzung Bahnhofstraße/Schillerstraße in Gardelegen. Mit freiem Oberkörper, bei knapp über null Grad. „Wollten Sie damit irgendwelchen Mädels imponieren?“, fragte der Richter kopfschüttelnd. Wobei er einschränkte: Ein 100 Kilogramm schwerer Betrunkener sei dann wohl doch nicht so eine imponierende Erscheinung.

Als eine Polizeistreife den Fußgänger mitten auf der Straße entdeckte, wehrte sich der Angeklagte – und wollte wieder zurück auf die Fahrbahn laufen, als sich gerade ein Auto näherte. „Ich wollte mich doch nur losreißen“, beteuerte der Mann, dem wegen „Intelligenzminderung“ ein Betreuer zur Seite gestellt ist, der im Gerichtssaal auch anwesend war. Doch die beiden Polizisten, die als Zeugen aussagten, schilderten den Vorgang etwas anders: Es habe sehr wohl einen gezielten Schlag gegen die Schutzweste einer der Uniformierten gegeben. Es gab aber keine Verletzungen. „Ein Stück aus dem Tollhaus“ nannte der Richter das Verhalten des Angeklagten, der berufstätig ist und deshalb „nicht eingesperrt“ werden wollte, weil er wohl sonst seinen Job los wäre.

Richter Axel Bormann verurteilte ihn am Ende zu einer Geldstrafe von 4000 Euro (100 Tagessätze zu je 40 Euro).

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