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Selbstversuch: 30 km/h mit dem Auto in der kompletten Ortslage Gardelegen

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Von: Stefan Schmidt

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Tachoanzeige im Auto
Gibt es bald 30 km/h in der gesamten Ortslage von Gardelegen? © Ina Tschakyrow

Ein Initiative will 30 km/h überall innerorts einführen. Ein Selbstversuch.

Gardelegen – Mehr als 300 Kommunen sind schon dabei. Nämlich bei einer Initiative mit dem Namen „Lebenswerte Städte und Gemeinden.“

Ziel dieser deutschlandweiten Aktion: Innerorts sollen Autofahrer nur noch 30 km/h fahren. Und zwar überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Anders als bisher. Denn es gilt generell ein innerörtliches Tempolimit von 50 km/h und nur an besonders gefährlichen Stellen – wie vor Schulen und Kitas – ist eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h möglich. Diese 30 Stundenkilometer könnten dann in der kompletten Ortschaft gelten. Auch der Gardelegener Stadtrat könnte sich demnächst mit dieser Initiative beschäftigen. Dezernent Andreas Hensel bot den Fraktionen jüngst an, entsprechende Unterlagen zur Verfügung zu stellen, um eine Entscheidungsfindung zu vereinfachen. Aus der Altmark ist bisher die Stadt Stendal dieser Initiative beigetreten. Und Gardelegen?

Doch welche Auswirkungen hat ein Tempolimit von nur noch 30 km/h innerorts vor allem für die Autofahrer? Die Altmark-Zeitung startete einen Selbstversuch und fuhr mehrere Strecken durch das Gardelegener Stadtgebiet dauerhaft mit 30 km/h.

Die längste innerörtliche Verbindung ist die alte Bundesstraße 188, vom Osten kommend über die Stendaler Chaussee, die Stendaler Straße, dann über die Philipp-Müller-Straße und die Sandstraße weiter bis zum Krankenhaus-Kreisel und dann stadtauswärts über die Weteritzer Landstraße bis zum Ortsausgangsschild – von Ortsschild zu Ortsschild sind dies exakt 4,5 Kilometer. Fährt man diese Distanz mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h, benötigt man fast zehn Minuten. Im Selbstversuch waren es – inklusive Halt an zwei Kreiseln und Rot an der Hospitalskreuzung – 9:34 Minuten. Bei 30 statt bisher 50 km/h würde man fast vier Minuten länger unterwegs sein. Mit anderen Worten: Bei 30 km/h innerorts müssten Autofahrer auf dem Weg zur Arbeit früher aufstehen und kämen nach Feierabend auch einige Minuten später nach Hause.

Darüber hinaus ist man derzeit mit 30 km/h fast schon ein Verkehrshindernis. Allein auf der Stendaler Chaussee wird der Selbstversuchs-Fahrer angesichts seiner geringen Geschwindigkeit gleich zweimal überholt, mit teils vorwurfsvollem Blick des Fahrers aus dem Nachbarauto. Die zwei Kilometer lange Strecke vom östlichen Ortseingang bis zum Kreisverkehr in Höhe Bismarker Straße („Kreml-Kreisel“) fühlt sich wie eine halbe Ewigkeit an. Unterwegs gibt es bislang nur eine einzige kurze 30-er Zone, vor dem Automobilzulieferer Boryszew und dort auch nur während des Schichtwechsels, wenn die Beschäftigten die Fahrbahn überqueren müssen, um zu ihren Autos zu gelangen – einen Fußgängerüberweg gibt es in diesem Bereich nicht.

Probefahrten gab es auch auf zwei anderen Verbindungen in Gardelegen: Die alte Bundesstraße 71 entlang, von der Ackendorfer Landstraße, Sandstraße, Ernst-Thälmann-Straße, Bahnhofstraße und Hopfenstraße am Hanse-Center vorbei bis zum Ortsausgangsschild kurz vor Zienau. Distanz: 4,1 Kilometer. Dauer: 8:35 Minuten. Die dritte Strecke beginnt von Hemstedt kommend am Ortseingang in Höhe Gewerbegebiet über Bismarker Straße, Stendaler Straße, Schillerstraße – dort gibt es in Höhe der Lebenshilfe-Einrichtung eine 30-km/h-Zone – und dann weiter über Bahnhofstraße und Hopfenstraße geradeaus in Richtung Lindenthal/Letzlingen. Distanz: 3,3 Kilometer. Dauer: 6:42 Minuten.

Fazit des Selbstversuchs an einem verregneten Dienstagvormittag: 30 km/h komplett innerorts bedeutet deutlich längere Fahrtzeiten. Auch, weil oftmals 50 Stundenkilometer ausreichend erscheinen, wie auf der Stendaler Straße, der Bismarker Straße und am Ortsausgang hinter dem Hanse-Center.

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