Antimilitaristisches Camp bei Potzehne wird aufgebaut / Teilnehmer-Erwartungen „gedämpft“

„Getreidefeld statt Schlachtfeld“

Helmut Adolf (3. von links) von der hiesigen Bürgerinitiative „Offene Heide“ und weitere Teilnehmer des antimilitaristischen Camps bei Potzehne mit dem offiziellen diesjährigen Plakat, das ab heute über dem großen Zelt (im Hintergrund) hängen wird.

Potzehne. Während der gestrigen Gesprächsrunde rattert ein Mähdrescher vorbei. Die Teilnehmer des „War starts here“ (Krieg beginnt hier)-Camps auf einer Wiese bei Potzehne machen eine kurze Pause, weil man ohnehin nichts verstehen könnte.

Helmut Adolf, Sprecher der hiesigen Bürgerinitiative „Offen Heide“, schaut hinüber zu dem landwirtschaftlichen Ungetüm und sagt: „Lieber ein Getreidefeld als ein Schlachtfeld. “ Auf dem Tisch unter freiem Himmel steht derweil eine Tüte Bio-Milch, der Kaffee wird aus Tassen getrunken mit der Aufschrift „www.bundeswehr-abschaffen.de“.

„Getreidefeld statt Schlachtfeld“, so könnte man vielleicht als Motto für das seit dem Wochenende im Aufbau befindlichen antimilitaristischen Camps bei Potzehne umschreiben. Denn bis zum Sonntag, wenn die Teilnehmer nach einer Runde, die Bilanz ziehen wird, wieder abreisen, wird es mehrere Informationsveranstaltungen im Camp geben (wir berichteten). Dabei gibt es vier Schwerpunkte, listet einer der Sprecher des Camps, Martin Rubert, auf. Die Initiative „15th Garden“ befasst sich mit dem Thema „Hunger als Waffe“ und dass es beispielsweise in Syrien schon vor Ausbruch des Krieges für die ländliche Bevölkerung kaum Zugang zu Saatgut gegeben habe. Die Initiative „Women in Exile“ (Frauen im Exil) beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Flucht auf Frauen, unter dem Motto „Flucht ist auch weiblich“. Das dritte Thema beleuchtet ein Redner der „Informationsstelle Militarisierung“ aus Tübingen: „Deutschland. Macht. Krieg.“ Nämlich dass die Bundeswehr aus Sicht der Camp-Teilnehmer auf dem Truppenübungsplatz Altmark Angriffskriege vorbereite. Dass bei Auslandseinsätzen auch Brunnen gebohrt würden und dafür gesorgt werde, dass beispielsweise Mädchen die Schule besuchen können, sei aus Sicht von Rubert „reine Deko“ für den eigentlichen Sinn solcher militärischen Operationen.

Über das vierte und letzte Schwerpunktthema referiert Bernd Luge von der Bürgerinitiative „Offene Heide“ im Camp. Nämlich über den Rüstungsexporteur Rheinmetall, der über sein Tochterunternehmen RDA auch ziviler Betreiber im Gefechtsübungszentrum (GÜZ) bei Letzlingen ist. Dass Zivilisten in der Waffenkammer Zugang zu militärischen Geräten hätten, so Helmut Adolf, sei „arg an der Grenze zum Legalen“.

Die diesjährigen Camp-Initiatoren sehen sich, so Rubert, „durchaus in der sechsjährigen Kontinuität des Camps.“ Gab es anfangs noch erhebliche Zerstörungen, so verliefen die Proteste zuletzt überwiegend friedlich. Es habe auch „einen personellen Austausch“ unter den Camp-Teilnehmern gegeben, erklärt er.

Zur erwarteten Teilnehmerzahl im Camp hält sich Rubert zurück. Angesichts der Regenfälle der vergangenen Tage und Wochen („Das war ein richtiges Sauwetter“) „sind unsere Erwartungen gedämpft“. Man habe am Wochenende sogar kurzzeitig überlegt, das Camp wegen der Nässe abzusagen. Nun aber sei die Wiese wieder trocken und das Camp findet wie geplant statt.

Von Stefan Schmidt

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