Drei Jävenitzer befragen für das Projekt „Geschichte selbst erzählt“ Bewohner des Ortes

„Die Geschichte festhalten“

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Die Mitglieder des Heimatvereins Jävenitz und Umgebung, Manfred Loos und Ivonne Henke sowie Dirk Pieper, führten seit vergangenem Jahr für ihr Filmprojekt bereits vier Interviews.

Jävenitz. „Wir wollen die Geschichte von Jävenitz festhalten“, erzählt Ivonne Henke vom Heimatverein Jävenitz und Umgebung.

Und deswegen interviewt sie und filmt dabei zusammen mit Manfred Loos und Dirk Pieper für das Projekt des Heimatvereins „Geschichte selbst erzählt“ ältere Bewohner des Dorfes.

„Vieles, was im Dorf passierte, wurde nicht aufgeschrieben“, sagt der pensionierte Geschichtslehrer Manfred Loos, „daher hatte Ivonne Henke die Idee, ältere Jävenitzer zu Wort kommen zu lassen, so lange sie noch reden können.“ Außerdem „wird auch vieles wieder vergessen, was die älteren Bewohner erzählen“, fügt Ivonne Henke hinzu, „und so ist das Gesagte festgehalten.“

Mit den Interviews haben die Mitglieder des Heimatvereins bereits im vergangenen Jahr begonnen, insgesamt wurden vier über 70- beziehungsweise 80-Jährige Bewohner befragt. „Es ist nicht leicht, Jävenitzer zu finden, die dazu bereit sind“, so Ivonne Henke, „wir sprechen die Männer und Frauen daher selbst an, denn vor der Kamera etwas zu erzählen, ist eine große Hemmschwelle.“ Zudem erinnern sich die Befragten an persönliche Erlebnisse und „jeder hat an eine bestimmte Zeit eine andere Erinnerung“, erklärt sie weiter.

In den Interviews, die deswegen immer einzeln stattfinden, befragen die drei Mitglieder des Heimatvereins nicht nur ihre Gesprächspartner, sondern „lassen sie auch einfach mal erzählen“. Denn es brauche etwas Zeit, „aber irgendwann kommen dann die Erinnerungen“, sagt Ivonne Henke. Manfred Loos ergänzt, dass „wir dann manchmal auch mit Fragen wieder in die thematische Richtung lenken müssen“.

Themen, die bis jetzt in den Interviews besprochen wurden, sind die Nachkriegsjahre und die DDR-Zeit. „Wir schauen, von was und welcher Zeit die Jävenitzer anfangen zu erzählen“, so Manfred Loos. Und seine ehemalige Schülerin Ivonne Henke fügt hinzu, dass „das dann meistens die Zeit ist, für die das Herz brennt“. So wisse laut des ehemaligen Geschichtslehrers manch einer zu dieser Zeit mehr und ein anderer zu einer anderen Zeit. „Je nachdem, was sie miterlebt haben.“

Auch die Geschichte bestimmter Einrichtungen wie der Schule oder den Gaststätten im Dorf, Vereine, Feste, die Entwicklung von Jävenitz sowie die Wende-Zeit sollen erfasst werden. „Das ist unerschöpflich“, so Ivonne Henke, „deswegen machen wir das Projekt auch, so lange wir Lust und Spaß daran haben.“

Im Januar soll ein weiteres Gespräch erfolgen. Einen genauen Termin gibt es noch nicht, da die Planung und Vorbereitung kompliziert ist. Unter anderem müsse geklärt werden, wo das Interview stattfindet, wann der derjenige, der befragt wird, Zeit hat und wann Ivonne Henke, Manfred Loos sowie Dirk Pieper, der die Gespräche filmt, das Interview führen können, wie Ivonne Henke erklärt. Außerdem wird auch die Kamera, die sich die drei Jävenitzer vom Offenen Kanal Stendal leihen, benötigt. Und „da müssen wir auch sehen, an welchem Tag wir sie haben können“, so Manfred Loos. Wenn der Termin steht, wird dieser vorbereitet. „Wir erarbeiten ein Konzept, überlegen uns, was wir fragen wollen“, wie der pensionierte Geschichtslehrer weiter erläutert. Dann wird auch der Aufnahmeort mit der passenden Beleuchtung vorbereitet. Es werden Einstellungen vorgenommen, bevor dann das Gespräch beginnt. Und das kann mehrere Stunden dauern. „Bei einem Interview lief die Kamera über drei Stunden“, erinnert sich Manfred Loos.

Von dem gefilmten Material wird das komplette Rohmaterial archiviert. Doch zunächst werden die Interviews zeitlich geordnet. „Dann schauen wir, was wir für ein bestimmtes Thema brauchen“, so Ivonne Henke. Und das schneiden die drei Projektmitgliedern dann beim Offenen Kanal in Stendal. „Das Schneiden ist sehr aufwendig“, wie sie schmunzelnd erzählt, „das hätte ich anfangs nicht gedacht.“

Das Ziel der drei Mitglieder des Heimatvereins ist es, einen kompletten Film zusammenzuschneiden. „Und unser Traum ist es, das dieser dann auch gezeigt wird“, wünscht sich Manfred Loos. Dafür hätten sie gerne einen eigenen Beamer, der auch für den Außenbereich geeignet ist, weswegen sie sich über Spenden freuen würden. Zudem können sich die drei Jävenitzer vorstellen, dass auch Kurzfilme für bestimmte Themen für Veranstaltungen erarbeitet werden können.

Von Ina Tschakyrow

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