1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Gardelegen

Gerichtsverhandlung zur Indoor-Cannabis-Plantage in Gardelegen

Erstellt:

Von: Ina Tschakyrow

Kommentare

Gerichtsgebäude
Vor dem Gardelegener Amtsgericht wird der Cannabis-Prozess verhandelt. © Stefan Schmidt

Am Montag ging im Gardelegener Amtsgericht die Verhandlung um die Cannabis-Plantage, die im Februar bei einer Razzia gefunden wurde, weiter. Es sagten die beiden Angeklagten aus.

Gardelegen – Am 10. Februar dieses Jahres ging im Gardelegener Revierkommissariat ein anonymer Brief ein. Dieser enthielt laut Aussagen eines 60-jährigen Polizisten detaillierte Angaben zu Geschehnissen an der Bahnhofstraße in Gardelegen. In einem Gebäude soll es eine illegale Indoor-Plantage für Cannabis geben. Dazu gab es unter anderem Informationen zu baulichen Veränderungen am Haus, Personen, die kamen und wieder gingen, sowie amtlichen Kennzeichen von Fahrzeugen, die dort standen. Am 23. Februar fand schließlich eine Razzia statt, bei der mehrere Cannabis-Pflanzen gefunden wurden.

Vor dem Schöffengericht im Gardelegener Amtsgericht standen am Montag beim zweiten Verhandlungstermin die zwei Angeklagten P. und C. aus Serbien, weswegen Übersetzer anwesend waren. Die Anklage lautet „Gemeinsamer Handel mit Betäubungsmitteln“. Die beiden Männer berichteten, wie sie von Serbien nach Deutschland kamen, schließlich nach Gardelegen und was sie mit der Indoor-Plantage zu tun hatten.

Weiteres Verfahren in Serbien

P. erzählte, dass er in Belgrad keinen Job mehr hatte und über einen Bekannten Arbeit in Frankfurt angeboten bekam. P. reiste zunächst am 17./18. August 2021 nach Berlin zu einem Bekannten, dort konnte er aber nicht bleiben, sodass er über weitere Bekannte schließlich nach Gardelegen kam, bis der Job in Frankfurt beginnen sollte. In Gardelegen wurde der Serbe zum Gebäude an der Bahnhofstraße gebracht, wo P. ein Zimmer bekam. „Ich wurde darauf hingewiesen, nicht in die obere Etage zu gehen“, übersetzte die Dolmetscherin P., gegen den in Serbien ein weiteres Verfahren läuft, bei dem es um das Einschleusen von Migranten geht.

Für 1000 Euro im Monat

Nach einiger Zeit fing ein Mann an, den Angeklagten zu überreden, beim Cannabis-Anbau mitzumachen. So hat P. erfahren, was in dem Gebäude vor sich geht. Der Angeklagte sah schließlich auch in der oberen Etage die vielen Töpfe, die schon mit Erde für die Cannabis-Pflanzen gefüllt waren. Wenn er hilft, würde er 600 Euro im Monat bekommen und später, wenn er alle Tätigkeiten selbst ausführen kann, sogar 1000 Euro im Monat, wurde P. von dem Mann angeboten. „So verdientes Geld interessiert mich nicht“, sagte der Angeklagte, der nur noch so lange in Gardelegen bleiben wollte, bis er Geld hatte, um wieder zurück nach Serbien zu fahren.

Aber weil P., übersetzte seine Dolmetscherin, kein Geld mehr hatte, Deutsch nicht sprach und auch keine andere Unterkunft hatte, begann er schließlich mit Arbeiten im Erdgeschoss, das er reinigte und aufräumte.

Keine Fragen gestellt

Um Silvester herum sollte er beginnen, 150 Säcke mit Erde in die obere Etage zu bringen und in weitere Töpfe zu füllen. Dort waren bereits Töpfe, die in Reihen nebeneinander standen. P. schätzte, es waren 200 Behälter. Ende Januar, Anfang Februar kamen die Cannabis-Pflanzen an, die er dreimal die Woche gießen sollte. Der Serbe habe „keine Fragen gestellt“ und war „glücklich, eine Unterkunft zu haben“, ließ P. übersetzen.

Er bekam mit, dass ein weiterer Mann irgendwann ins Haus kam, der auch mit dem Cannabis-Anbau zu tun hatte. Der kam später noch einmal wieder, um die Pflanzen einzutopfen. Sie waren da etwa 15 bis 20 Zentimeter groß. Beim Einpflanzen hatte P. nicht geholfen. Er schätzte, dass es 850 Cannabis-Pflanzen waren. Der Angeklagte war für deren Pflege zuständig. Er habe mitgemacht, erklärte P., weil ihm gesagt wurde, dass er sich bei dieser noch geringen Größe der Pflanzen nicht strafbar machen kann.

Für Pflege zuständig

Kurz darauf lernte P. den anderen Angeklagten C. kennen. Er kam Ende Januar aus Leskovac nach Frankfurt, um zu arbeiten. Dort sprach ihn ein Bekannter an, ob er Arbeiten in Gardelegen erledigen kann. C. sagte zu. Er kam in das Gebäude an der Bahnhofstraße, um die Elektronik zu erneuern, darunter unter anderem die Lampen, die zum Anbau der Cannabis-Pflanzen benötigt werden.

So konnte sich schließlich auch der zweite Angeklagte denken, dass in dem Haus eine Indoor-Plantage betrieben wird. Er habe die Pflanzen gesehen, ließ C. von seinem Dolmetscher übersetzen, „und wusste sofort, was das für Pflanzen sind“. Diese waren in mehreren Räumen auf zwei Etagen verteilt, gab der Serbe an. Er habe gesehen, wie P. die Pflanzen goss. C. selbst, sagte er, habe mit den Pflanzen nichts zu tun gehabt. Er sah, dass in der Küche bereits getrocknete Blüten in Verpackungen lagen.

447 Gramm reines THC

Als Ende Februar die Polizei die Razzia durchführte, waren die Pflanzen bereits 30 bis 45 Zentimeter groß, erzählte P.. Es wurden aber auch Cannabis-Pflanzen mit 40 bis 50 Zentimeter Größe von den Polizisten gefunden. Richterin Kirsten Döring-Jeske sagte, dass laut des Behördengutachtens in der Indoor-Plantage 447 Gramm reines THC gefunden wurden.

Als die Razzia in Gardelegen durchgeführt wurde, gab es eine weitere Durchsuchung von einer Wohnung, einem Pkw und einem Restaurant eines Mannes in Rathenow, gab ein Polizist als weiterer Zeuge an. Der 22-Jährige sagte aus, dass dieser Mann der Vermieter des Gebäudes in Gardelegen sein soll. Es wurden dort keine Betäubungsmittel gefunden, aber Mobiltelefon und Laptop sichergestellt.

Die Verhandlung wird am 15. September fortgesetzt.

Auch interessant

Kommentare