Gerichtsverhandlung fortgesetzt: „Will mich daran nicht erinnern“

Letzte Zeugen und psychiatrisches Gutachten von angeklagten Gardelegener

Am Wall in Gardelegen kam es im vergangenen Jahr zu einer Straftat.
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Am Gardelegener Wall wurde eine Seniorin überfallen, wofür der 27-Jährige angeklagt ist.
  • Ina Tschakyrow
    vonIna Tschakyrow
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Die letzten Zeugen und der Sachverständige für das psychiatrische Gutachten sagten am Montag im Gardelegener Amtsgericht aus, als die Verhandlung um den 27-Jährigen aus Gardelegen fortgesetzt wurde, der unter anderem wegen besonders schweren Diebstahls angeklagt ist (AZ berichtete).

Gardelegen – Die erste Zeugin war eine 19-jährige Schülerin, die zu dem Einbruch bei einer Kalbenser Firma aussagte, den der Angeklagte begangen haben und unter anderem ein Auto gestohlen haben soll. Die Zeugin gab an, dass sie bei der Halterin des Autos war, die auch schon vor Gericht bei einem vorherigen Verhandlungstermin aussagte und ihr gesagt habe, dass das Auto vom Angeklagten geklaut wurde. „Er hat das so gesagt“, erzählte die 19-Jährige und ergänzte: „Er hat mir das geschrieben.“ Sie habe ihn gefragt, ob es das Auto der anderen Zeugin, die eine Freundin der Mutter der 19-Jährigen ist, sei. „’Ja’ hat er gesagt und dann bin ich zu ihr gegangen und habe es ihr gesagt“, so die Schülerin. Die Oberstaatsanwältin wollte genau wissen, wie sie darauf kam, nach dem Auto zu fragen. „Mir haben Freunde gesagt, er hat Autos geklaut“, antwortete die Zeugin, „und ich habe nachgefragt“ und dann gewusst, dass es das Auto der Zeugin ist. Richterin Monika Groschner fragte nach: „Woher soll der Angeklagte gewusst haben, dass es um dieses Auto geht und nicht um ein anderes?“. „Ich weiß es nicht“, so die Zeugin. Es habe laut ihr auch bei Facebook gestanden „und er hat gesagt, dass er Autos geklaut hat, aber keine Namen genannt“. Für die 19-Jährige sei klar gewesen, dass es sich um das Auto der anderen Zeugin handelt, auch wenn sie auch auf Nachfrage der Verteidigerin nicht den Grund dafür nennen konnte.

Statt Zeuge macht Polizistin Angaben

Ein weiterer Zeuge konnte nicht geladen werden, da er von der Polizei nicht gefunden wurde. Diesen Zeugen soll der Angeklagte mit der Faust geschlagen haben, sodass er vom Fahrrad stürzte, und dessen Wertsachen entwendet haben. Dazu konnte eine Polizistin Angaben machen. Laut der damaligen Aussage des Geschädigten waren der Angeklagte und er in seinem Zimmer, gingen dann spazieren und der Angeklagte soll Geld gefordert haben. Er soll anschließend in das Zimmer eingebrochen und eine Playstation mit Spielen gestohlen haben. „Er hatte den Verdacht geäußert, dass es der Angeklagte war“, so die Polizistin, auf die der Geschädigte glaubwürdig wirkte. Auf Nachfrage gab sie an, dass er keine offensichtlichen Verletzungen hatte, aber er soll auch erst ein paar Tage nach dem Vorfall Anzeige erstattet haben.

Beschimpft, bedroht und nächtliche Ruhestörung

Ein weiterer Zeuge sagte zum Einbruch ins Gardelegener Jugendförderungszentrum (JFZ) aus, den der Angeklagte begangen haben soll. Der 57-Jährige erzählte, dass sich ein Mitarbeiter bei ihm an einem Freitag – es war der 5. Juni – kurz nach 7 Uhr gemeldet habe und über Einbruchspuren in einem Büro informierte, woraufhin die Polizei angerufen wurde. Eingebrochen wurde in drei Räume: Einem Büro, einer Werkstatt und einem kleinen Flur, die einen Komplex im JFZ bilden. Zwei Türen wurden beschädigt. „Ich konnte nicht feststellen, was geklaut wurde“, so der 57-Jährige. Deswegen wurde ein weiterer Mitarbeiter informiert, der Urlaub hatte, aber für diesen Bereich zuständig ist und als nächster Zeuge aussagte. „Es war alles durcheinandergebracht“, so der 61-Jährige. Es wurden eine Festplatte, ein W-LAN-Router, eine Computer-Maus und ein Bohrhammer entwendet, die ans JFZ wieder zurückgegeben werden konnten.

Der vorherige 57-jährige Zeuge wurde noch nach weiteren Angaben zum Angeklagten befragt, der einige Zeit im JFZ wohnte. „Eigentlich wollten wir ihn nicht wieder einziehen lassen“ – unter anderem wegen Beschimpfungen, Bedrohungen, Verstößen gegen die Hausordnung und nächtlichen Ruhestörungen – aber in einem Gespräch konnte er versichern, dass er sich auf einem „anderen Weg“ befinde. Der Angeklagte wohnte befristet für etwa zwei Monate im JFZ. Nach seinem Auszug wurde der Zylinder in der Tür ausgewechselt, den der Angeklagte schon zuvor ausgetauscht hatte, sodass er laut des Zeugen keinen Zugang mehr hatte.

Angeklagter konsumierte Cannabis, Amphetamine, Ecstasy, Crystal Meth und Kokain

Zuletzt wurde der 68-jährige Sachverständige für das psychiatrische Gutachten gehört. Gegenüber des Gutachtens war der 27-Jährige „nicht wohlwollend eingestellt“. Er antwortete einsilbig, allgemein und auf Nachfragen zu Suizidversuchen, depressiven Verstimmungen und auch den vorgeworfenen Straftaten oftmals mit „Keine Ahnung“, „Weiß ich nicht“, „Will ich mich nicht dran erinnern“ oder „Kann ich mich nicht dran erinnern“, sagte der Sachverständige. Der Angeklagte war als Kind und Jugendlicher mehrfach in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, verhielt sich aggressiv, hatte Wutausbrüche, als Neunjähriger seinen ersten Ladendiebstahl, nahm ab zwölf Jahren Cannabis und Ecstasy. Täglich konsumierte der 27-Jährige drei bis vier Gramm Cannabis, vier bis fünf Gramm Amphetamine, drei bis vier Tabletten Ecstasy sowie Crystal Meth und Kokain ab und zu. Es sei eindeutig, dass er „eine soziale Persönlichkeitsstörung habe“, so der Sachverständige, und eine Störung des Sozialverhaltens.

Wegen aggressivem Verhaltens kein Drogen-Screening

Der 68-Jährige hatte mit Einverständnis die Krankenakte des Angeklagten bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus am 6. Juni angefordert, da in der Nacht zum 7. Juni der Einbruch in Kalbe stattfand. Der Angeklagte wurde gegen ärztlichen Rat um 20.27 Uhr entlassen. Er hatte ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Kopfplatzwunde. Weil er aggressiv war, konnte kein Drogen-Screening durchgeführt werden.

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