30-Jähriger steht wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

Gerichtsprozess nach tödlichem Verkehrsunfall auf der B 71 zwischen Gardelegen und Letzlingen

Gerichtsgebäude
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Am 19. April kam es zu einem tödlichen Verkehrsunfall auf der B 71 zwischen Gardelegen und Letzlingen. Die Verhandlung um fahrlässige Tötung begann am Montag. Das Urteil wird erst im Februar gesprochen.
  • Ina Tschakyrow
    VonIna Tschakyrow
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Wegen fahrlässiger Tötung stand am Montag ein 30-Jähriger vor dem Gardelegener Gericht. Er soll einen Unfall im April auf der B 71 zwischen Gardelegen und Letzlingen verursacht haben, bei dem ein Motorradfahrer starb.

Gardelegen – Am 19. April kam es an der B 71 zwischen Gardelegen und Letzlingen um 13.33 Uhr zu einem Verkehrsunfall, bei dem ein Motorradfahrer tödlich verunglückte. Wegen fahrlässiger Tötung stand deswegen am Montagvormittag ein 30-Jähriger Stendaler vor dem Amtsgericht in Gardelegen, der den Unfall verursacht haben soll.

Wie die Staatsanwältin in der Anklage verlas, habe der 30-Jährige nicht ausreichend auf den Verkehr geachtet und nicht den Schulterblick gemacht, wodurch er den sich bereits im Überholvorgang befindlichen Motorradfahrer übersah. Der Mann landete im Seitengraben und verstarb noch an der Unfallstelle.

„Wir können das Leben des Verstorbenen nicht zurückbringen“, so Richter Axel Bormann, aber mit dem Verfahren einen Abschluss ermöglichen, sagte er zu der Tochter, die als Nebenklägerin bei der Verhandlung anwesend war.

Angeklagter hat Motorradfahrer nicht gesehen

Der Angeklagte gab an, an diesem Montag von seiner Arbeitsstelle in Augsburg nach der Nachtschicht, die um 6 Uhr endete, von Letzlingen in Richtung Gardelegen mit noch weiteren Kollegen in einem VW Bulli unterwegs gewesen zu sein. Es habe „sich langsam ein Stau gebildet, es waren viele Fahrzeuge unterwegs“. Er habe in den Rück- und Seitenspiegel geschaut, den Schulterblick gemacht und weil es „frei war“, sei er ausgeschert und „dann hat es gekracht“. Der Motorradfahrer „ist bei mir reingefahren“, so der Angeklagte.

„Das sieht ein bisschen anders aus“, sagte Axel Bormann und bezog sich auf das Gutachten eines Sachverständigen. Demnach wäre der Unfall mit einem Schulterblick womöglich anders ausgegangen. „Als ich angefangen habe zu überholen, war er nicht hinter mir“, machte der Angeklagte deutlich. „Es war frei gewesen“, sagte er weiter. Als er auf Höhe des zu überholenden Fahrzeugs war, habe es „gekracht“, wiederholte der Stendaler, der auf Nachfrage der Staatsanwältin angab, auch vor dem Überholen keinen Motorradfahrer hinter sich gesehen zu haben.

„Halt! Halt! Es ist etwas passiert“

Beim Angeklagten im Auto saßen noch mehrere Kollegen, wovon allerdings nur eine 65-Jährige aus Gardelegen als Zeugin vor Gericht erschien. Sie schilderte, dass es beim Überholen einen „Knall“ gab, sie einen „schwarzen Helm“ sah und „Halt! Halt! Es ist etwas passiert“ rief. Sie blickte nach hinten und erblickte mehrere Teile. Nachdem der Angeklagte wendete, „sind wir hingelaufen“ und an der Unfallstelle lag der Motorradfahrer im Graben, sie stand an der Leitplanke und das Motorrad lag neben ihr. Eine Frau kam zu ihr, die rief „Mein Mann, mein Mann.“ Die Ehefrau des Verstorbenen war am Ort des Geschehens, da sie im Auto und er im Motorrad von Magdeburg zurückfuhren.

Zeugen hörten lauten Knall

Vor dem Angeklagten war ein silberner Pkw unterwegs, den er überholte, als der Unfall geschah und dessen Fahrer als Zeuge geladen war. Der 49-Jährige aus Gardelegen gab an, auf der „langen geraden Strecke“ hinter Letzlingen aus Magdeburg kommend im Skoda unterwegs gewesen zu sein. Vor ihm waren mehrere Autos, auch Lkw. Als es nach einer Anhöhe in die Senke am ehemaligen Waldhaus Forst ging, wurde der Zeuge von dem VW Bulli überholt, als es „einen lauten Knall gab“. Er habe hinter sich nur den VW Bulli gesehen, keinen Motorradfahrer, erläuterte der Gardelegener. Der Bulli-Fahrer sei an ihm vorbeigefahren, „im Rückspiegel habe ich gesehen, wie Teile auf der Straße waren“. Er konnte allerdings nicht bemerken, wie der Angeklagte im VW Bulli ausscherte.

Eine 26-Jährige Zeugin aus Salzwedel, die an diesem Tag eines der Fahrzeuge in der Kolonne befuhr, schilderte, dass sie im Rückspiegel – in den sie mehrfach schaute, weil hinter ihr ein schwarzer Toyota war, der überholen wollte – sah, wie der Motorradfahrer auf der Gegenfahrbahn war, der VW Bulli ausscherte „und ich mir noch dachte, dass das sehr eng ist“. Der Angeklagte überholte, der Bulli scherte vor ihr „ruckartig“ ein „und die Straße war leer, der Motorradfahrer war nicht mehr zu sehen“.

Urteil erst im Februar

Als letzte Zeugin wurde eine 50-Jährige aus einem Ortsteil der Gardelegener Einheitsgemeinde geladen, die auf den Unfall zufuhr. Sie fuhr die Senke herunter, als sie sah, dass „etwas geflogen ist“. Je näher sie kam, desto klarer wurde, dass es einen Unfall gab, erzählte die Frau. Sie hat den Notruf gewählt, ist weiter gefahren und hat „einen schwarzen VW Bulli und ein Motorrad“ auf ihrer Fahrbahn bemerkt und den Unfall gesehen.

Weil geladene Zeugen, die im VW Bulli saßen, nicht zur Gerichtsverhandlung kamen, die Staatsanwältin aber deren Aussagen benötigt, wurde ein weiterer Termin für die Urteilssprechung für den 11. Februar angesetzt.

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