27-Jähriger steht in Gardelegen vor Gericht

Beklaut, geschlagen und festgenommen

Am Wall in Gardelegen kam es im vergangenen Jahr zu einer Straftat.
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Am Gardelegener Wall wurde im August eine Seniorin überfallen.
  • Ina Tschakyrow
    vonIna Tschakyrow
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Ein 27-Jähriger steht seit gestern vor dem Gericht, weil er 2020 mehrfach in schweren Fällen gestohlen hat. Unter anderem bei einer 85-Jährigen, die er zuvor schwer verletzte.

Gardelegen – Am 28. August des vergangenen Jahres wurde ein 27-jähriger Mann mit einem Haftbefehl in Salzwedel festgenommen. Seit dem ist der Mann in einer Justizvollzugsanstalt. Gestern begann gegen den Mann die Verhandlung beim Gardelegener Amtsgericht im Schöffengericht. In Handschellen und in Begleitung von zwei Wachtmeistern betrat der Angeklagte den Gerichtssaal. Zwei Anklagen verlas die Oberstaatsanwältin gegen den Mann.

Geld geklaut während schwer verletzte Seniorin in Klinik ist

In der Zeit zwischen dem 25. und 28. August kam es zu sieben Straftaten. Mit einem unbekannten Mittäter hat der 27-Jährige eine 85-jährige Frau in Gardelegen auf den Wallanlagen überfallen. Die Frau stürzte vom Fahrrad, erlitt schwere Verletzungen und musste mit dem Rettungshubschrauber in eine Magdeburger Klinik geflogen werden (AZ berichtete). Der Seniorin wurden die Wohnungsschlüssel gestohlen, womit die Täter in die Wohnung der 85-Jährigen gelangten. Dort wurden unter anderem Schmuck, Uhren, ein Sparbuch, auf dem 65 000 Euro angelegt waren, persönliche Papiere sowie die EC-Karte gestohlen. Zudem wurde das Auto der 85-Jährigen entwendet. Mit der EC-Karte und dem PIN-Code, den die Täter in der Wohnung fanden, hob der 27-Jährige mehrfach Geld ab, währenddessen die Seniorin schwer verletzt in der Klinik war. Am 26. August wurde am Geldautomaten an der Ernst-Thälmann-Straße in Gardelegen 1000 Euro abgehoben. In der Bismarker Straße versuchte der Angeklagte sieben Minuten später nochmals 1000 Euro abzuheben, allerdings war das Tageslimit erreicht. Am 27. August wurden 1000 Euro am Geldautomaten an der Ernst-Thälmann-Straße in Gardelegen um 13.25 Uhr abgehoben. Am 28. August holte der Angeklagte gegen 8 Uhr nochmals 1000 Euro am Geldautomaten an der Ernst-Thälmann-Straße ab und versuchte es um 0.27 Uhr erneut, was aber aufgrund des Tageslimits nicht gelang. An diesem Tag wurde der 27-Jährige in Salzwedel festgenommen. Dabei verletzte er einen Polizisten, in dem er ihn mit einem Finger ins linke Auge stach, nach der Angeklagte zuvor versucht hatte, den Polizisten zu schlagen.

Ins Gardelegener JFZ und in Kalbenser Firma eingestiegen

Die Taten der zweiten Anklage geschahen in der Zeit vom 31. Mai bis 7. Juni des vergangenen Jahres in Gardelegen und anderen Orten, so die Oberstaatsanwältin weiter. Bei einer Tat hat der 27-Jährige mit der Faust auf den Hinterkopf eines Radfahrers in Gardelegen geschlagen, wobei der Mann vom Fahrrad fiel und versuchte, sich mit den Händen abzufangen, wobei es zu Verletzungen kam. Der Angeklagte forderte den Rucksack des Mannes, worin sich unter anderem Bargeld befand. Der 27-Jährige ließ nur von dem Radfahrer ab, weil Passanten in der Nähe auftauchten. Anfang Juni drang der Angeklagte in das Gardelegener Jugendförderungszentrum (JFZ) ein. Die Bürotüren wurden gewaltsam aufgehebelt und er klaute einen WLAN-Router im Wert von 1000 Euro. Am 7. Juni stieg der Angeklagte in einem Betrieb in Kalbe am Buchenweg in einen unverschlossenen Pausenraum ein und stahl private Gegenstände von den Mitarbeitern, unter anderem zwei Mobiltelefone, ein Rucksack und eine Jacke, sowie Autoschlüssel mit denen anschließend auch das Auto gestohlen wurde.

Verhandlung wegen Richterwechsel fast abgesagt

Am gestrigen Verhandlungstag wurden nur die Anklagen verlesen, da sich der Beginn der Verhandlung um drei Stunden verzögerte. Grund dafür waren zwei Anträge der Verteidigerin des Angeklagten. Dabei ging es darum, dass krankheitsbedingt ein Richterwechsel stattfand, der der Verteidigung nicht mitgeteilt wurde. Die Verhandlung führte Richterin Monika Groschner und nicht Richter Axel Bormann. Zudem, was sich aber erst am gestrigen Morgen herausstellte, war eine Schöffin die Schwägerin der Richterin, die in den vergangenen Jahren vor allem familienrechtliche Verhandlungen führte und strafrechtliche Verhandlungen vor längerer Zeit, was die Verteidigerin ebenfalls kritisierte. Die Oberstaatsanwältin, der Sachverständige für das psychiatrische Gutachten, das vor der Verhandlung erstellt wurde, und der Anwalt der Nebenklägerin, der 85-jährigen Seniorin, sahen die Anträge der Verteidigerin teilweise unbegründet. Die Oberstaatsanwältin erklärte, dass es eine Pflicht über eine Mitteilung eines Richterwechsels nur am Landgericht gibt und diese Mitteilung kann bis zum Beginn der Hauptverhandlung erfolgen. Der Anwalt der Nebenklägerin sah in Bezug auf die Schöffin „keine Gegensätzlichkeit und keine Befangenheit, auch wenn es ungünstig ist“. Die Anträge der Verteidigung wurden nach einer Beratung zurückgezogen. Die Zeugen werden bei der Fortsetzung der Verhandlung am Freitag, 26. Februar, aussagen.

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