Meta und Gerhard Röhl aus Gardelegen feiern heute das Fest der Eisernen Hochzeit

Geliebte „Spanische Fliege“

Meta und Gerhard Röhl aus Gardelegen sagten vor 65 Jahren Ja zueinander. Foto: Weisbach

Gardelegen. Vertrauen, Ehrlichkeit, Toleranz, gleiche Interessen und Freiräume für Hobbys sind neben der Liebe die Bausteine des langen und glücklichen Ehelebens, auf das Meta und Gerhard Röhl am heutigen Tag zurückblicken können.

Denn vor 65 Jahren gaben sie sich das Ja-Wort und feiern somit das Fest der Eisernen Hochzeit. Dazu treffen sich Familie, Verwandte und Freunde im Handwerkersaal des Schützenhauses.

Meta Röhl, geborene Jänsch, stammt aus Dombsen in Schlesien, wo die Familie einen Hof betrieb, den sie übernehmen sollte. Sie verlebte dort eine glückliche Kindheit und Jugend – trotz der vielen Arbeit – und absolvierte erfolgreich die Landwirtschaftsschule. Doch der Zweite Weltkrieg machte alle Pläne zunichte. Die Russen eroberten das Dorf, zur Flucht war es zu spät. 1947 wurde die Familie vertrieben. Die heute 91-Jährige verdingte sich, um weg und zum kranken Vater zu kommen, als Matrose bei einem Binnenschiffer auf der Oder, mit dem sie bis Frankfurt/Oder fuhr. Der Vater starb und sie machte sich auf nach Uchtspringe, wohin es einen Onkel verschlagen hatte. Am dortigen Krankenhaus für Neurologie und Psychiatrie ließ sie sich zur medizinisch-technischen Assistentin ausbilden. Später qualifizierte sie sich bis zur Stationsschwester.

Gerhard Röhl wurde im Gerbstedt im Mansfelder Land geboren. Wann immer der Vater eine neue Arbeit fand, zog die Familie um, erst nach Halle an der Saale, dann nach Kreuzburg in Oberschlesien und schließlich nach Börgitz bei Uchtspringe. Hier beendete der heute 90-Jährige seine Schulzeit und begann in Stendal eine Lehre in den altmärkischen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerken. Dann kam der Zweite Weltkrieg und Gerhard Röhl wurde noch nicht mal 18-jährig eingezogen. Er wurde an die Ostfront beordert, wo die „schwerste Zeit meines Lebens begann“. Aber er hat, wie auch sein bester Freund Otto Häuser, alias Ottokar Domma, überlebt und kehrte nach Börgitz zurück. Da es nicht einfach war, täglich nach Stendal zur Lehre zu fahren, wurde Gerhard Röhl Lernpfleger in Uchtspringe – und traf seine spätere Frau. Denn sie war als angehende Laborantin im selben Kurs. Beide hatten Spaß am Laienspiel und kamen sich als „Spanische Fliege“ – Meta Röhl als Tänzerin – und „Heinrich Meisel aus Chemnitz“ – Gerhard Röhl als etwas dümmlicher Liebhaber – näher. Und zwar so nah, dass sie am 9. April 1949 Ja zueinander sagten und bei heftigem Schneefall mit der Kutsche von Börgitz nach Uchtspringe zum Standesamt fuhren.

Bereits ein Jahr davor war Gerhard Röhl zur Polizei gegangen, die ihn 1951 zur Kripo nach Gardelegen beorderte, wohin die Familie auch zog. Sohn Jürgen war da schon geboren, Tochter Brigitte folgte 1952. Sie machten Röhls ihrerseits zu vierfachen Großeltern. Mittlerweile sind die beiden auch schon zweifache Urgroßeltern.

Zahlreiche Hobbys teilte und teilt das Ehepaar. So hatten sie die Chance, schon zu DDR-Zeiten ferne Länder zu bereisen. Beide lesen gern. Auch betätigten sie sich immer sportlich, auch als sie schon in Rente waren. Meta Röhl gehört seit 53 Jahren der Gymnastikgruppe des SV Gardelegen an und hat gern getanzt. Er hält sich in der sportlichen Selbsthilfegruppe Koronare Herzkranke als Ältester fit. Gymnastik und kalt duschen gehört für beide heute noch zum morgendlichen Ritual, auch wenn es durch diverse Krankheiten schon schwerer fällt. Außerdem frönt er immer mittwochs dem Skatspiel. 1991 haben sie den Gardelegener Kneipp-Verein mit aufgebaut.

Für die Zukunft wünschen sie sich nicht viel. Denn „wir haben unser Leben gelebt“, so Gerhard Röhl. Dennoch hoffen beide, noch so lange wie möglich zusammenbleiben zu können.

Von Elke Weisbach

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