Ware bestellt und nicht bezahlt: 21-Jähriger vom Amtsgericht Gardelegen verurteilt

Geldstrafe für zweifachen Betrug

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(Symbolbild)

lam Gardelegen. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht. “ Dieses Sprichwort ließ auch die Staatsanwaltschaft anklingen, als sich ein 21-Jähriger im Amtsgericht Gardelegen wegen zweifachen Betrugs verantworten musste.

Er war nicht zum ersten Mal wegen derartiger Delikte angeklagt, hat bereits einschlägige Eintragungen im Bundeszentralregister.

Aus dem Gericht

Ihm wurde vorgeworfen, in betrügerischer Absicht und um sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen am 27. und am 28. Februar vergangenen Jahres verschiedene Waren aus Edelstahl, wie beispielsweise Handtuchhalter, Papierrolle, Briefkasten und Haustürgriffe, im Wert von einmal 135,14 Euro und einmal 285,96 Euro übers Internet bestellt zu haben, „obwohl er nicht willens war, sie zu bezahlen“, so die Staatsanwaltschaft. Es werde vermutet, dass die Ware stattdessen weiterverkauft wurde oder werden sollte.

Das blieb unklar. Denn der Angeklagte P. beharrte während der gesamten Verhandlung darauf: „ Ich habe sie (die Ware, die Red.) niemals gesehen.“ Was er vor Gericht zugab war, dass er sie zwar bestellt habe, aber dann zu seiner Pflegemutter, bei der er in Mieste wohnt und die er Oma nennt, gesagt habe, dass sie die Pakete nicht annehmen solle. Er hatte, wie er sagte, nachgedacht, dass bei seinem Vorhaben, Ware ordern und weiter veräußern, „schon mal Scheiße passiert ist“. Mehr wisse er von den Paketen nicht, erklärte er. Auch die vorliegenden Zustellungsnachweise mit Unterschrift von der Pflegemutter ließen ihn nicht davon abweichen. Er schob alle Schuld von sich in Richtung anderer.

Was er widerrief, war seine Aussage bei der Polizei, wodurch er seiner damaligen Freundin einer falschen Verdächtigung aussetzte, was ebenfalls strafbar ist, wie der Angeklagte belehrt wurde. Die Staatsanwaltschaft werde auch das weiter verfolgen. „Sie können sich darauf einrichten, dass eine neue Verhandlung auf sie zukommt.“ Der Miester hatte damals ausgesagt, dass er die Pakete nicht bestellt, sie aber seiner damaligen Freundin, der Mutter seines Kindes, übergeben habe, woraufhin sie vernommen wurde. Das stimme nicht, erklärte er nun vor Gericht. Warum er allerdings bei der Polizei gelogen habe, wusste er auf Nachfrage nicht zu sagen. Er habe nicht darüber nachgedacht, erklärte der arbeitslose junge Mann, der derzeit von Hartz IV lebt. Eigentlich habe er gar nicht genau gewusst, um was es ging.

Dass sie von den Paketen nichts wusste, bis sie von der Polizei zur Vernehmung vorgeladen wurde, machte seine Freundin vor Gericht glaubhaft deutlich. Dass er auch von Internetgeschäften lebe, habe sie zum Ende der Beziehung zwar gewusst. Allerdings habe sie geglaubt, dass er alte Sachen, die er nicht mehr brauche, verkaufe. Sie sei entsetzt gewesen, als sie dann erfuhr, dass er Sachen bestelle, nicht bezahle, aber weiter verkaufe. Zudem bestätigte sie die Annahme der Staatsanwaltschaft aus eigener Erfahrung, dass der Angeklagte eine Person sei, die ständig lüge.

Die Pflegemutter konnte zwar bestätigen, dass sie öfter Pakete – „zehn bestimmt“ – für den Angeklagten angenommen habe, die auch mal auf den Namen der Freundin angeliefert wurden, und auch schon mal die Annahme verweigerte. Aber wann das zeitlich gewesen sei, daran konnte sich die 79-Jährige nicht erinnern. Im letzten Frühjahr könnte es gewesen sein. Und dass sie die Sachen eventuell behalten habe, wie die Staatsanwaltschaft nachfragte, bestritt sie vehement.

„Lügen scheint ihr Hobby zu sein“, fasste am Ende der Staatsanwalt zusammen. Denn der Angeklagte habe hin und her geeiert wie schon bei der Polizei, habe sogar seine Freundin mit hineingezogen und seine Pflegemutter belastet. Das wiege schwer und „schlägt dem Fass den Boden aus“. Für ihn stehe fest, dass der 21-Jährige in betrügerischer Absicht gehandelt habe, als er die Ware bestellte. Und dass sie angekommen ist, „wissen wir durch die Sendeberichte“. Dass er die Pakete nicht erhalten habe, sei eine klare Schutzbehauptung, eine Lüge. Deshalb beantragte er für die zwei Betrugshandlungen unter Einbeziehung eines im September vergangenen Jahres ergangenen Strafbefehls – ebenfalls wegen Betrugs – insgesamt eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 15 Euro (1500 Euro) als Tat und Schuld angemessen.

Mit 100 Tagessätzen würde er als vorbestraft gelten, was sich bei der künftigen Arbeitssuche nicht so gut machen würde, erklärte Richter Axel Bormann. Er ließ Milde walten, denn er verurteilte den jungen Mann zu 90 Tagessätzen à 15 Euro (1350 Euro). Da er verurteilt wurde, hat er auch die Kosten des Verfahrens zu tragen. Die Indizien und Beweise, so Bormann, reichen für die Verurteilung. Seine Aussagen seien nicht glaubhaft gewesen. Falls er nicht zahlen könne – der Angeklagte stottert mit 50 Euro im Monat seine Schulden von rund 14 000 Euro bei neun Gläubigern ab –, solle er unbedingt mit der Staatsanwaltschaft reden, da die Strafe auch mit Arbeitsstunden abgearbeitet werden könne. Sonst, so Bormann, müssen sie die irgendwann absitzen.

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