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„Gelbe Karte“ für Geschäftsführung der Boryszew Kunststofftechnik

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Von: Ina Tschakyrow

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Mitarbeitende beim Protest in Gardelegen
Etwa 300 Mitarbeitende waren bei der Protestkundgebung. © Hanna Koerdt

Etwa 300 Mitarbeiter der Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH nahmen am Dienstag an einer Protestkundgebung teil. Sie fordern mehr Lohn. Es gab bereits einen Tarifvertrag, der aber wieder gekündigt wurde.

Gardelegen – „Wir zeigen heute die gelbe Karte an die Geschäftsführung“, sagte Jan Melzer, Gewerkschaftssekretär der IG BCE Bezirk Halle-Magdeburg, am Dienstag auf dem Gelände der Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH, „und wenn diese Haltung bleibt, ziehen wir die rote Karte“, erklärte er und ein lautes Pfeifen und Klatschen der Mitarbeitenden schrillte über das Gelände.

Etwa 300 Mitarbeitende versammelten sich während des Schichtwechsels, in der Pause bzw. teilweise auch in ihrer Freizeit für eine Protestkundgebung. Sie fordern ein Entgelt über dem gesetzlichen Mindestlohn, der ab dem 1. Oktober beschlossen wurde. Es werden also mehr als zwölf Euro pro Stunde als Lohn verlangt. Ein „besserer Tarifvertrag“ wird gefordert, fasste Jan Melzer zusammen. Zudem soll der Tarifabschluss noch in diesem Jahr erfolgen. Derzeit haben die Beschäftigten einen Stundenlohn von etwa elf Euro.

Das Unternehmen komme „seiner sozialen Verantwortung nicht nach“, sagte Jan Melzer. Die Mitarbeitenden würden aufgrund der aktuellen Situation – hohe Benzinpreise, erhöhte Kosten für Lebensmittel, Strom, Energie, etc. –, das Geld benötigen. Einige Beschäftigte fahren jeden Tag 40 Kilometer zur Arbeit.

Bereits im März des vergangenen Jahres gab es bei Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH eine Protestkundgebung. Dadurch kam es zu einer Tarifvereinbarung und damit zu einem Tarifvertrag, der allerdings am 31. Dezember gekündigt wurde, erklärte Jan Melzer. Im Januar begannen wieder Tarifverhandlungen, aber bei den drei Verhandlungsrunden kam es zu keinem Ergebnis. Jan Melzer betonte, dass „vernünftige Gespräche“ geführt werden konnten. Aber „nachdem sich im Februar noch mögliche Kompromisse abgezeichnet hatten, zog die Unternehmensleitung jegliche Angebote zurück.“ Begründet wurde das laut Jan Melzer mit dem Ukraine-Krieg und dessen Folgen auf die Automobil- und Zulieferindustrie. „Selbst ein möglicher Kompromiss als Brückenlösung wurde durch das Unternehmen vollständig abgelehnt“, so der Gewerkschaftssekretär weiter und erklärte, dass beispielsweise einmalig 300 Euro an die Beschäftigten hätten gezahlt werden können und im Mai oder Juni hätten die Tarifverhandlungen fortgesetzt werden können.

Wenn es nach der Protestkundgebung keine veränderte Haltung der Geschäftsführung gebe, werde es einen Streik geben, drohte Jan Melzer. „Wenn hier vier Stunden die Bänder stehen, dann auch bei Volkswagen.“ Deswegen werde es derzeit keinen Streik geben, da dieser aufgrund von Kurzarbeit etc. nicht die gewünschte Wirkung hätte, es nicht zu Beeinträchtigungen in der Produktion käme.

Der Protest richte sich gegen das Unternehmen in Gardelegen und Volkswagen, verdeutlichte Jan Melzer. Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH befinde sich seit zwei Jahren mit Volkswagen in Verhandlungen, wobei es um einen Betrag in Millionenhöhe gehe, um in den Gardelegener Betrieb zu investieren, aber bisher ohne Einigung, so der Gewerkschaftssekretär. Beide Unternehmen seien „voneinander abhängig“.

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