AKT geht in Insolvenz

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Ruhe kehrte das ganze vergangene Jahr nicht ein. Immer wieder tauchten Gerüchte über den Fortbestand des Unternehmens auf. Nun hat AKT Gardelegen den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt.

Gardelegen - Von Elke Weisbach. Die AKT altmärker Kunststoff-Technik GmbH in Gardelegen, einer der führenden Kunststoffspritzgusshersteller für hochwertige Automobilinterieurteile und mit rund 1000 Mitarbeitern größter Arbeitgeber im Altmarkkreis Salzwedel, hat am gestrigen Dreikönigstag den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Charlottenburg gestellt.Diese Nachricht in Form einer Presseerklärung erreichte die Altmark-Zeitung gestern Nachmittag.

Darin ist als Begründung zu lesen: „Im Zuge der Automobilkrise, die bei AKT mit anhaltender Kurzarbeit einherging, erfolgten zahlreiche Neuakquisitionen mit entsprechenden Projektanläufen. Die Stückzahlsteigerungen haben sowohl die fertigungstechnischen als auch die organisatorischen Kapazitäten so stark belastet, dass hierdurch Lieferrückstände entstanden sind und die Einbindung umfangreicher Fremdfertigung notwendig wurde. Hierdurch entstanden zeitweise operative Verluste von fast einer Million Euro pro Monat. Trotz eingeleiteter Gegenmaßnahmen konnten die Verluste nicht entsprechend den Notwendigkeiten schnell genug abgebaut werden.“ Aus diesem Grund wurde das Insolvenzverfahren beantragt. Dr. Christoph Schulte-Kaubrügger, White & Case, wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Wie weiter in dem Schreiben mitgeteilt wird, habe die AKT zudem zwei erfahrene Sanierungsexperten als Geschäftsführer verpflichtet. Es handele sich um den Dresdner Insolvenzexperten und Rechtsanwalt Andrew Seidl sowie um Bernard Schrettle von der Logos Consult GmbH, ebenfalls aus Dresden. Seidl habe bereits im vergangenen Jahr zwei Unternehmen über Insolvenzplanverfahren und betriebliche Restrukturierung erfolgreich saniert.

Auch für AKT werde von beiden der Insolvenzplan als Mittel zur grundlegenden Restrukturierung eingesetzt und die Sonderform der Eigenverwaltung in Anspruch genommen. Dies bedeutet, dass die Geschäftsführung die Sanierung des Unternehmens in Eigenregie umsetzt. „Es ist beabsichtigt, das Verfahren binnen Jahresfrist zu beenden“, so die Zielsetzung.

Hauptkunden der AKT-Gruppe sind der VW-Konzern, Opel, Daimler, Johnson Controls, Faurecia, IAC, Porsche sowie BMW. Das Unternehmen beschäftigt in der Gruppe rund 1 700 Mitarbeiter sowie rund 150 Leiharbeitnehmer.

Betroffen von der Insolvenz ist aber nur der Produktionsstandort in Gardelegen mit rund 1000 Arbeitnehmern, die zur Gruppe gehörenden drei Tochtergesellschaften in Doberschau mit 170 Arbeitnehmern, im tschechischen Jablonec mit 430 Arbeitnehmern sowie im spanischen Amorebieta mit rund 100 Mitarbeitern hingegen nicht.

Der Gesamtumsatz der Unternehmensgruppe belief sich im Jahr 2010 auf rund 170 Millionen Euro. Für das Jahr 2011 wird mit dem gleichen Volumen gerechnet.

Weitere Informationen zum Insolvenzverfahren für den Gardelegener Standort soll es heute Vormittag während einer Pressekonferenz vor Ort geben.

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