22 Jugendliche aus zehn Ländern reinigten Gräber auf der Gedenkstätte und lernten deren Geschichte kennen

„Das geht einem nahe“

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Maximilian Mastrobuoni (von links), Zeynep Demirkol und Yurii Smikh reinigten mit 19 weiteren Jugendlichen aus zehn verschiedenen Ländern die Gräber des Ehrenfriedhofs. Das sei laut den jungen Frauen und Männern ein guter Weg, die Geschichte kennenzulernen.

Gardelegen. „Ob wir alle Gräber schaffen, wissen wir noch nicht“, erklärte Andreas Froese, der Leiter der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe in Gardelegen. Aber es gehe auch nicht nur um das Reinigen der Gräber des Ehrenfriedhofs, woran sich 22 Jugendliche aus zehn Ländern beteiligten.

Sondern durch diese Vielseitigkeit der Nationalitäten um die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Blickwinkel auf die Vergangenheit.

Diese Vergangenheit und damit auch die Geschehnisse am 13. April 1945 in Gardelegen – bei einem Massaker wurden 1016 KZ-Häftlinge in der Feldscheune ermordet – erläuterte der Gedenkstättenleiter den jungen Frauen und Männern, die auf Einladung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge von insgesamt 14 Tagen in Sachsen-Anhalt zwei auf der Gardelegener Gedenkstätte verbrachten, am Montag (AZ berichtete). Denn auch der „inhaltliche und pädagogische Rahmen sind wichtig“, so Andreas Froese, aber dazu musste er den Teilnehmern aus Deutschland, Italien, Polen, Russland, der Ukraine, Weißrussland, Ungarn, Lettland, Rumänien und der Türkei „gar nicht viel erzählen“. Viele von ihnen kennen die geschichtlichen Ereignisse des Zweiten Weltkrieges in Deutschland, machen aus Interesse an der Historie am Projekt mit und sind erstmals in Gardelegen.

So wie Anna Mond aus Aalen, die auch erstmalig an einem solchen Projekt teilnahm, nachdem sie in der Zeitung davon las. Während des Projektes habe sie viel überlegt, denn man denke darüber nach, wie so etwas passieren könne. So setze man sich während des Projektes intensiver mit der Geschichte auseinander als beispielsweise im Schulunterricht. „Und das geht einem nahe“, so die 16-Jährige. Denn, wie die ebenfalls 16-jährige Zeynep Demirkol aus der Türkei erklärte, sei es etwas ganz anderes, solche Orte dann tatsächlich zu besuchen.

Elisa Cadamuro aus dem italienischen Treviso ist es wichtig, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Zudem müsse an die Ereignisse erinnert werden, erklärte die 17-Jährige. Dazu sei es bedeutend, wie Richard David Schütt sagte, dass sich die Menschen mehr mit der Geschichte, aber auch dem aktuellen Weltgeschehen auseinandersetzen. Und für dieses Jetzt, für die Angehörigen und einen selbst, sei das Projekt „eine tolle Sache“, ergänzte der 18-Jährige aus Biberach an der Riß. Und dieses Projekt sei auch ein „guter Weg“, so der aus Italien angereiste Maximilian Mastrobuoni, um die Geschichte solcher Orte kennenzulernen.

Von Ina Tschakyrow

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