1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Gardelegen

Geflüchtete Frauen aus Syrien und der Ukraine erzählten am Weltfriedenstag ihre Geschichte

Erstellt:

Von: Ina Tschakyrow

Kommentare

Zwei Frauen mit ukrainischer Flagge
Von ihrer Flucht aus der Ukraine Anfang Februar erzählte Valentyna Prokhorova. © Lea Weisbach

Lara Al Hussain ist aus Syrien geflüchtet. Valentyna Prokhorova berichtete von ihrer Flucht aus der Ukraine Ende Februar. Die beiden Frauen bewegten mit ihren Geschichten während einer Kundgebung am Weltfriedenstag.

Gardelegen – „Was bedeutet Frieden?“, fragte unter Tränen Valentyna Prokhorova die Anwesenden. „Unter Ordnung und Harmonie zu leben – und dazu hat uns Russland keine Möglichkeit gegeben“, fuhr die Frau, die Ende Februar aus der Ukraine vor dem Angriffskrieg geflohen ist, mit erstickter Stimme fort. Valentyna Prokhorova erzählte ihre Geschichte bei einer Kundgebung, zu der die evangelische Kirchengemeinde mit Pfarrer Tobias Krüger anlässlich des Weltfriedenstages am Donnerstagabend eingeladen hatte.

Am 1. September begann vor 83 Jahren Deutschland mit dem Überfall Polens den Zweiten Weltkrieg. Deswegen gilt der 1. September als Weltfriedenstag oder Antikriegstag.

Valentyna Prokhorova berichtete, dass sie mit ihrer Familie, zu der auch kleine Kinder gehören, aus der Ukraine geflohen ist. Sie erzählte weinend von Soldaten, die eines der Kinder angeschossen haben. „Wir verlangen, dass der Krieg auf unserem Territorium, das auch Russland anerkannt hat, beendet wird“, sagte Valentyna Prokhorova. „Menschen sollen für den Frieden kämpfen und nicht gegeneinander“, sagte sie abschließend.

Frau vor Mikrofon
Lara Al Hussain berichtete von ihrer Flucht aus Syrien. © Lea Weisbach

Lara Al Hussain war fünf Jahre alt, als sie aus Syrien geflüchtet ist. Die Zwölfjährige lebt seit sieben Jahren in Gardelegen. Auch sie erzählte von der Flucht. „Das war ein Trauma“. Mehrfach wurde sie mit ihrer Familie, darunter auch ein Baby, wieder von der Grenze zurückgeschickt. „Das war der allerschlimmste Albtraum“, sagte sie. Im Wald habe sie auf Steinen geschlafen, ist einen Tag ohne Pause gegangen, hatte kein Wasser, „wir hatten nichts“, fuhr Lara Al Hussain fort. „Wir wussten nicht, ob wir weiterleben oder nicht“. Nach einer Woche ging es mit einem kleinen Boot weiter. „Mit 30 Leuten“, erinnerte sich die Zwölfjährige. Einige Menschen, darunter auch Kinder, haben geschrien, aber die Geflüchteten mussten leise sein, erzählte Lara Al Hussain, damit sie von den Soldaten nicht gehört werden. Irgendwann gab es kein Benzin mehr. „Wir haben geweint und gebetet, dass wir weiterkommen“. Durch mehrere Länder gingen sie, bis sie schließlich an der deutschen Grenze waren. Es gab in Deutschland „einen Schlafplatz, wir konnten duschen und essen“, erzählte Lara Al Hussain. „Dann kamen wir nach Gardelegen, dafür bin ich sehr dankbar“. Sie erzählte, dass ihre Mutter aufgrund ihres Kopftuches, das sie trägt, hier bisher nur Arbeit als Reinigungskraft gefunden hat. „Ich möchte, dass alle Menschen akzeptiert werden“, verdeutlichte die Zwölfjährige.

Nach diesen Worten sagte CDU-Landtagsabgeordnete Sandra Hietel-Heuer, dass „sie hier heute an die Menschlichkeit appelliere“. Für die Probleme müssten gemeinsam Lösungen gefunden werden. Gemeinsam „haben wir schon viel geschafft“, sagte Bürgermeisterin Mandy Schumacher, „und das schaffen wir auch in Zukunft, wenn wir zusammenhalten“. Sozialer Frieden und soziale Gerechtigkeit seien laut der Bürgermeisterin der einzige Weg, um den Frieden insgesamt zu erhalten, ebenso Zusammenhalt und Solidarität.

Tobias Krüger appellierte abschließend an die Anwesenden: „Fangt mit dem Frieden an, heute, morgen, jederzeit“.

Auch interessant

Kommentare