Gardelegen: Gedenktafeln zum Gedenken an Opfer der Bombardierung 1945

„Lernorte der Geschichte“

Am Postparkplatz in Gardelegen könnte an den Schaukästen eine Gedenktafel aufgestellt werden.
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Am Postparkplatz könnte die Gedenktafel bei den Schaukästen stehen.
  • Ina Tschakyrow
    vonIna Tschakyrow
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Gedenktafeln sollen am Postparkplatz und an der Nikolaikirche in Gardelegen entstehen. Dafür stellte die AfD-Fraktion einen Antrag. Nach Kritik wurde dieser zurückgezogen. Das Vorhaben wird trotzdem umgesetzt.

Gardelegen – Auf dem Postparkplatz in Gardelegen soll zum Gedenken an die Opfer der Bombardierung im März 1945 eine Gedenktafel aufgestellt werden. Das hatte die AfD-Fraktion beantragt. Der Antrag stand auf der Tagesordnung des Sozialausschusses am Dienstagabend. Georg Krutzfeld zog den Antrag seiner Partei zurück.

Auf Nachfrage der Altmark-Zeitung erklärt Georg Krutzfeld, dass der Antrag zurückgezogen wurde, da es nicht möglich war, den AfD-Antrag in den Vorschlag der Stadtverwaltung für die Umsetzung des Vorhabens einzubringen. Der Antrag der AfD sei ein Teil des Vorschlages der Stadtverwaltung. Zudem habe es „voreingenommene und unsachgemäße Kritik“ an dem Antrag gegeben, der laut Georg Krutzfeld aber dennoch umgesetzt werden soll. Über das Vorhaben wurde trotzdem anschließend beraten.

Nikolaikirche ist „authentisches Wahrzeichen“

Denn die Stadtverwaltung hatte Vorschläge ausgearbeitet, um an die Bürger zu erinnern, die bei einem alliierten Bombenangriff am 15. März 1945 auf dem heutigen Postparkplatz und an der Nikolaikirche ums Leben gekommen sind. Am Postparkplatz wäre der Standort neben dem Schaukasten am Gehweg geeignet. Am Holzmarkt ist eine Aufstellung im Mündungsbereich zur Kindertagesstätte „Arche Noah“ auf der Grünfläche möglich. Beide Flächen gehören der Stadt, für die Aufstellung an der Nikolaikirche ist aber eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich. Für die Gestaltung der Gedenktafeln gibt es verschiedene Varianten. Es könnten beispielsweise Gedenktafeln verwendet werden, die bereits für die Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe genutzt wurden. Über die Gestaltung wurde nicht beraten, da das die Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums machen könnten, wie Dr. Hans-Joachim Becker, Vorsitzender des Kreisverbandes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, der für das Thema zur Sitzung eingeladen wurde, vorschlug. „Der Gedenkort für die Opfer des Bombenangriffs am 15. März 1945 ist die Nikolaikirche“, so Dr. Hans-Joachim Becker. Jedes Jahr finde dort zum Zeitpunkt des Angriffs eine Gedenkveranstaltung statt. Die Nikolaikirche werde als „authentisches Wahrzeichen“ erhalten bleiben und „die Erinnerung an die Opfer wachhalten“. Gegen eine Aufstellung einer Gedenktafel am Postparkplatz spreche nichts, so Dr. Hans-Joachim Becker weiter, wenn aber die AfD dafür plädiere und das Vorhaben finanzieren will, dann dränge sich die Vermutung auf, dass diese das für „ihre Form des Gedenkens und ihre Geschichtsauffassung“ mache, so der Vorsitzende der Deutschen Kriegsgräberfürsorge. Es sei deswegen wichtig, dass Gedenken in den geschichtlichen Kontext zu stellen. Für die nächsten Generationen sind die Gedenkorte Lernorte der Geschichte, so Dr. Hans-Joachim Becker weiter.

Schüler sollen sich einbringen

Laut ihm „hat sich in unserer Stadt inzwischen eine Gedenkkultur entwickelt, die den Geschehnissen in unserer geschichtlich belasteten Region objektiv Rechnung trägt“. Eingebracht haben sich dafür die Verantwortlichen der Stadt, die demokratischen Parteien, die Kirchen, der Verein für Kultur- und Denkmalpflege, der Förderverein Gedenkstätte Isenschnibbe, die Schulen, die Kriegsgräberfürsorge und viele andere Institutionen sowie die Einwohner. So werden die Gräber und Gedenkstätten für alle anderen Opfergruppen und Kriegstoten nach den Genfer Konventionen und dem Deutschen Gräbergesetz erhalten. Es müsse aber noch Einiges aufgearbeitet werden, wie die Restauration der Gedenkstätte in Mieste und der Soldatenfriedhof an der B 71 bei Wiepke, so Dr. Hans-Joachim Becker weiter.

Der Sozialausschuss beschloss, dass die Schüler über die Idee informiert werden sollen und wenn diese sich einbringen wollen, einen Vorschlag für die Gedenktafeln unterbreiten, über den der Sozialausschuss anschließend berät.

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