Gassi gehen mit Benny und Kitty

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Trio auf zehn Beinen: Katze Kitty, Hund Benny und Egon Grupe während ihres täglichen Spaziergangs durch Gardelegen. Seit mehreren Jahren sind die Drei ein Herz und eine Seele.

Gardelegen. Wenn Egon Grupe die Leine in die Hand nimmt und zur Haustür geht, dann weiß Kitty schon: Es geht wieder los. Dabei ist die Leine gar nicht für Kitty gedacht. Denn Kitty, das ist die Katze im Hause Grupe an der Burgstraße in Gardelegen. Der Rentner, einstmals als Hausmeister am Gardelegener Gymnasium tätig, zückt die Leine vielmehr für Hund Benny. „Eine Promenadenmischung“, sagt Egon Grupe, „irgendetwas zwischen Priesterstraße und Klingberg“, den beiden benachbarten Straßenzügen, erklärt er augenzwinkernd.

Jeden Tag macht Egon Grupe mit dem achtjährigen Benny seine Runden, morgens und abends. Und jeden Tag kommt Kitty mit. Es ist schon ein seltsames Bild: Herrchen neben Hund und Katze. Und das in trauter Dreitracht. „Die beiden verstehen sich blendend“, weiß der Tierfreund. Hund und Katze sind keinesfalls wie Hund und Katze: Es wird sich gegenseitig beschnuppert, es herrscht Frieden im tierischen Hause Grupe.

Während Benny brav an der Leine, die Egon Grupe in der linke Hand hält, mitgeht, büxt Kitty zwischendurch öfter mal aus. Verschwindet in Vorgärten, klettert Pfosten hinauf, ruht sich mitten auf der Straße aus und räkelt sich dort. Irgendwann vergräbt sie auch im Erdreich die Häufchen – obwohl das Gassi gehen ja eigentlich für Benny gedacht ist. „Kitty ist sehr reinlich“, lobt der Katzenbesitzer seine miauende Begleitung. Und als Mieze mal wieder außer Sichtweite ist, sagt er: „Achtung, gleich kommt sie da rechts hinter dem Busch hervor.“ Gesagt, getan. Man kennt eben seine gegenseitigen Wege, nach all den Jahren des täglichen Spaziergangs.

Nur wenn Egon Grupe mit den Nachbarn und Passanten ein Schwätzchen hält, ist Kitty verschwunden. „Sie mag keine fremden Menschen“, weiß der Besitzer. Folglich funktioniert ein „Gruppenfoto“ mit Rentner, Hund und Katze auch nur aus sicherer Entfernung. Sobald sich die Kamera nähert, geht Kitty stiften.

Nach rund einer halben Stunde – je nach Länge und Anzahl der Gespräche unterwegs – kehrt das zehnbeinige Trio wieder heim. Und am nächsten Morgen, wenn Egon Grupe wieder die Leine holt, weiß Kitty: Es ist wieder soweit. Gassi gehen.

Von Stefan Schmidt

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