Eröffnung durch Georg Krutzfeld (AfD)

Gardelegens Stadtrat tagte erstmals: „Streit, aber keinen Krieg“

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Kai-Michael Neubüser, hier neben Bürgermeisterin Mandy Zepig, wurde mit 33 der 34 abgegebenen Stimmen erneut zum Stadtratvorsitzenden gewählt.

Gardelegen – Sie hob die Hand. Und der Mann neben ihr, Georg Krutzfeld, stutzte kurz. Bei der konstituierenden Sitzung des am 26. Mai gewählten Gardelegener Stadtrates ging es um die Wahl zum Stadtratsvorsitzenden.

Diese Person leitet die Sitzungen und achtet auf den korrekten Ablauf. Diese Wahl, so bat Bürgermeisterin Mandy Zepig, solle geheim stattfinden.

Ihre Begründung: „Dieser Posten ist zu wichtig, als dass wir das durch bloßes Handheben entscheiden sollten. “ Das käme bei der Bevölkerung, so glaubt sie, nicht gut an. Also wurde der neue Gardelegener Stadtratsvorsitzende geheim, mit improvisierter Wahlkabine in der Ecke des Rathaussaals, gewählt. Obwohl es mit Kai-Michael Neubüser von der CDU nur einen Kandidaten gab. Die übrigen Fraktionen verzichteten auf eigene Bewerber – Neubüser leitete das Gremium bereits in den vergangenen Jahren und hatte es nach Auffassung vieler Stadträte gut gemacht.

Der 71-jährige Georg Krutzfeld von der AfD-Fraktion leitete 71 Minuten lang die Stadtratssitzung.

Das Ergebnis: Neubüser erhielt 33 der 34 abgegebenen Stimmen und bleibt damit Stadtratsvorsitzender. Nach 71 Minuten löste er Krutzfeld ab. Das Mitglied der AfD-Fraktion sitzt erstmals in einem politischen Gremium und ist das an Jahren älteste Stadtratsmitglied. Deshalb durfte er die Sitzung bis zu Neubüsers Wahl leiten.

Krutzfeld betonte in seinen einleitenden Worten, dass die „Blickrichtung eindeutig“ bei allen Stadträten sei: „In die Zukunft.“ Dies gelte „unabhängig von politischen Einstellungen“, erklärte der AfD-Mann. „Uns eint die Pflicht und die Verantwortung für das Wohl der Bewohner unserer Heimatstadt“, so Krutzfeld weiter.

Es dürfe auch mal Streit geben, „aber keinen Krieg“. Krutzfeld regte an, dass jeder Stadtrat als Symbol für das Gedeihen der Stadt ein Bäumchen pflanzen sollte, „beispielsweise im Bürgerpark oder auf der Gedenkstätte.“ Dies wäre dann „in der ganzen Welt ein Novum“ und diese Welt bekomme mit: „Diese Idee ist auf Gardelegener Mist gewachsen.“

Die Bäumchen-Idee wurde am Montag dann aber nicht weiter verfolgt.

Neubüser erhoffte sich nach seiner Wahl zum Stadtratsvorsitzenden „einen lebendigen und pluralistischen Stadtrat“, der von „Gewissenhaftigkeit, Realitätssinn und Respekt“ geprägt sei. Denn „mit Polemik kann man nichts erreichen“, betonte er.

Die Wahl von Neubüsers Stellvertretern verlief ebenfalls unkompliziert. Denn auch dabei gab es jeweils nur einen Bewerber. Die zweitstärkste Fraktion „SPD / Freiwillige Feuerwehr / Freie Wählergemeinschaft Südliche Altmark“ schlug Oliver Stegert als Neubüsers Stellvertreter vor.

Er wurde ebenso – diesmal in offener Abstimmung – gewählt wie der zweite Stellvertretende Stadtratsvorsitzende, Linken-Parteimitglied Sieghard Dutz, der von der drittstärksten Fraktion, der Linken, ins Rennen geschickt wurde. Auch er wurde gewählt – bei Dutz enthielten sich vier der fünf anwesenden AfD-Fraktionsmitglieder. Die AfD selbst, die zahlenmäßig kleinste der vier Fraktionen, nominierte keinen Kandidaten.

VON STEFAN SCHMIDT

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