Kommende Woche eröffnet im Amtsgericht eine Ausstellung zu Hintergründen und Opfern auch aus der Region

Gardelegens Justiz im Nationalsozialismus

+
Michael Viebig von der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt vor den Tafeln, die eigens für Gardelegen als Ausstellungsort erarbeitet wurden.

ten Gardelegen. Wie war die Justiz in Gardelegen und der Region in das nationalsozialistische Unrecht involviert? Welche Opfer hat es hier gegeben? Diese Fragen beleuchtet eine Ausstellung, die ab der kommenden Woche im Gardelegener Amtsgericht zu sehen ist.

„Justiz im Nationalsozialismus: Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes“ heißt die Wanderausstellung, die bereits in verschiedenen Gerichten in Sachsen Anhalt zu sehen war. Damit gehe man bewusst „an die Orte der Täter“, sagt Ute Albersmann, Pressesprecherin des Landes-Justizministeriums. Denn diese Orte waren es, an denen Haftbefehle ausgestellt und Urteile gesprochen wurden. Und das in einem pervertierten Rechtssystem, das etwa durch die „Volksschädlingsverordnung“ selbst bei Bagatelldelikte die Todesstrafe verhängen oder Urteile entgegen jeglicher Beweislage fällen konnte. So schuf es die Voraussetzungen für unzählige Hinrichtungen und Inhaftierungen. Hinzu kamen die öffentlichen Diffamierungen der Betroffenen, was meist die Isolation der Familie in ihrem jeweiligen Heimatort zur Folge hatte, erklärt Michael Viebig von der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt. Die ist neben dem Landesjustizministerium, der Landeszentrale für politische Bildung sowie der Heinrich-Böll- und der Friedrich-Ebert-Stiftung Träger des Projekts. Und selbst nach Verbüßung einer verhängten Haftstrafe, so Viebig, kamen missliebige Personen nicht unbedingt auf freien Fuß: Unter dem Vorwand der sogenannten „Schutzhaft“ konnten sie von der Gestapo oder der Kripo anschließend in ein Konzentrationslager eingewiesen werden.

Die Ausstellung präsentiert nicht nur die Hintergründe dieses Systems, sie zeigt auch Beispiele von Betroffenen. Eine Besonderheit der Ausstellung: Sie passt sich den jeweiligen Orten an. So sind für Gardelegen drei eigene Informationstafeln erarbeitet worden. Sie befassen sich mit dem Amtsgericht zu Zeiten des Nationalsozialismus, den Opfern der NS-Justiz aus dem Kreis Gardelegen und der Geschichte des polnischen Zivilarbeiters Zbigniew Walc, der zu einer Gruppe von Häftlingen gehörte, die in der Isenschnibber Feldscheune ermordet wurden.

Die Ausstellung ist zunächst an allen vier Landgerichten in Sachsen-Anhalt und im Oberlandesgericht Naumburg präsentiert worden. Anschließend war sie an verschiedenen Amtsgerichten des Landes zu sehen, Gardelegen ist nun die elfte Station. Am Montag findet die feierliche Eröffnung statt, für Besucher ist die Ausstellung ab Dienstag, 17. September, bis Freitag, 18. Oktober, während der Öffnungszeiten des Gerichts zugänglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare