Frau wirft Facharzt auch falsche Diagnosen vor / Vergleich in Aussicht

Vorwurf Behandlungsfehler: Gardelegenerin will Schmerzensgeld

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Dem Facharzt Dr. T. wirft eine Gardelegenerin Behandlungsfehler und falsche Diagnosen vor. Gestern begann der Prozess vor dem Landgericht.

cha Stendal / Gardelegen. Wenn sich nach einer Operation nicht der gewünschte Erfolg einstellt, bringt das für den Patienten nicht nur Enttäuschung mit sich.

Eine Gardelegenerin mit Bandscheibenvorfall forderte gestern vor dem Stendaler Landgericht Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 Euro, weil sie auch nach der Behandlung im Altmark-Klinikum Gardelegen noch unter starken Rückenschmerzen leidet. Einem Facharzt der Klinik wirft die Frau Behandlungsfehler vor.

Der Facharzt soll zwei falsche Diagnosen gestellt haben. So war dieser von einer Spinalkanalstenose, also einer Verengung des Wirbelkanales, ausgegangen. Des Weiteren hatte der Arzt bei seiner Patientin eine Varicosis Spinalis, eine Art Venengeflecht im Bereich der Lendenwirbelsäule, festgestellt. Ein Sachverständiger bestätigte, dass keines der beiden Krankheitsbilder vorliegt. „Man hätte das im MRT feststellen können“, so der Gutachter. Eine dritte Diagnose des Arztes bezüglich eines Bandscheibenvorfalls konnte indes bestätigt werden. Auch konnte der Experte die Notwendigkeit einer operativen Behandlung nachvollziehen.

Doch auch nach der OP verschwanden die Schmerzen der Frau nicht. Dass die möglicherweise falsche Behandlung der Patientin die aktuellen Beschwerden auslöst, konnte aber nicht nachgewiesen werden. Bei einem solchen Eingriff sei „immer mit Spätfolgen zu rechnen“.

Ebenfalls Gegenstand der Verhandlung ist der Vorwurf, dass die Patientin falsch belehrt worden sei. So wurde ihr zwar ein Aufklärungsbogen zu möglichen Folgen einer solchen Operation ausgehändigt, den die Frau auch unterzeichnete, allerdings bezogen sich die Informationen auf dem Blatt auf eine Operation der Spinalkanalstenose, welche laut Gutachten gar nicht vorlag. Durch die falsche Belehrung sei die Patientin „in ihrer Selbstbestimmung eingeschränkt“ worden, so ihr Anwalt.

Die Parteien kamen sich vorerst durch einen Vergleich entgegen, nach dem die beklagte Klinik der Patientin 10.000 Euro zahlen soll. Die Geschädigte stimmte dem zu, die Klinik wolle jedoch zuerst mit dem Haftpflichtversicherer sprechen. Lenkt der Versicherer innerhalb von zwei Wochen ein, so wird der Vergleich verbindlich.

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