Richter Axel Bormann: „Passiert ist schon einiges“

Gardelegener wegen schwerer Körperverletzung angeklagt

Gardelegener wegen schwerer Körperverletzung angeklagt. Er soll seine Ex-Lebensgefährtin geschlagen haben.
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Gardelegener wegen schwerer Körperverletzung angeklagt. Er soll seine Ex-Lebensgefährtin geschlagen haben.
  • VonLina Wüstenberg
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Wegen schwerer Körperverletzung saß ein Gardelegener vor Gericht. Er soll seine Ex-Lebensgefährtin geschlagen haben. Am Ende wurde das Verfahren eingestellt.

Gardelegen – Ein Gardelegener stand wegen schwerer Körperverletzung vor dem Gardelegener Amtsgericht. Er soll am 22. März 2020 seine Ex-Lebensgefährtin in die Brust gekniffen und deren Tochter in das Gesicht geschlagen haben.

Bevor der Angeklagte sich äußern durfte, erwähnte Richter Axel Bormann, dass der Angeklagte zur Tat einen Blutalkoholwert von 1,98 Promille hatte. Anschließend sollte dieser schildern, wie die Beziehung der Beiden war. „Es war nicht immer einfach. Wir hatten unsere Höhen und Tiefen. Am Ende waren es eher die Tiefen. Deswegen wohnte ich zu diesem Zeitpunkt schon acht Wochen bei meinem Kumpel“, erzählte der Gardelegener. Der Richter wollte wissen, was an diesem Tag passiert ist. „Ich war am 21. März da, um der Kleinen einen Kuchen zu backen. Abends habe ich dann selbst mit meinem Kumpel meinen Geburtstag gefeiert. Am 22. März war ich noch einmal in der Wohnung, um mein Essen zu holen. Da ist es dann eskaliert“, berichtete der Angeklagte. Die Geschädigte hatte versucht, ihn aufzuhalten. „Sie hat mich geschubst und dann mit dem Fuß getreten“, erzählte er und ergänzte: „Ich habe aber das Kind nicht geschlagen.“ Er habe dann die Wohnung verlassen. Vor dieser hatte sein Kumpel auf ihn gewartet und sie haben die Polizei gerufen.

Verletzter Wangenlappen

Der Anwalt der Nebenklage wollte von dem Angeklagten wissen, was genau er getrunken hat. „Das waren Bier und Whiskey“, antwortete dieser. Sein Verteidiger fragte nach seinen Verletzungen. „Mein Wangenlappen war kaputt“, berichtete der Gardelegener.

Richter Bormann rief den Polizisten in den Zeugenstand, der von dem 22. März berichten sollte. „Wir sind nachmittags zu der Wohnung hingekommen und der Angeklagte saß vor dieser. Ich konnte einen Kratzer an der Wange erkennen. Nachdem er uns erzählt hat, was passiert ist, sind wir hoch in die Wohnung“, erzählte der 27-Jährige. Richter Axel Bormann hakte nach, warum sie einen Alkoholtest gemacht haben. „Der Angeklagte roch nach Alkohol und seine Sprache war etwas lallend“, berichtete der Zeuge. In der Wohnung haben sie die Frau mit ihren Kindern angetroffen. „Wir haben sie mit den Vorwürfen konfrontiert. Daraufhin sagte sie uns, dass sie und das Kind von ihm geschlagen wurden“, so der Polizist. Er machte von dem Kind ein Foto und die Frau bei sich selbst von ihrer Verletzung. „Ist Ihnen bei den Verletzungen des Kindes etwas aufgefallen?“, fragte Bormann weiter. „Das Kind hatte auf beiden Wangen eine Rötung. Es war aber nicht zuzuordnen, woher diese stammte“, so der Polizist.

Auch der zweite Zeuge war ein 27-jähriger Polizist, der die Aussage seines Kollegen bestätigte. Der Staatsanwalt wollte wissen, was für einen Eindruck er von dem Kind hatte. „Es hat nicht geweint und wirkte auch ansonsten nicht verängstigt“, gab er an.

„Die ersten zwei Jahre waren gut“

Nach den zwei Polizisten trat die 27-jährige Geschädigte in den Zeugenstand. „Die ersten zwei Jahre waren gut. Danach ging es nur abwärts. Der Angeklagte hat immer mehr getrunken. Die Kinder haben den Streit immer mitbekommen“, berichtete die Zeugin. Richter Bormann wollte wissen, was an den beiden Tagen passiert ist. „Wir haben am 21. März den Geburtstag meiner Tochter gefeiert. Der Angeklagte hatte einen Kuchen für sie gebacken. Als er aber erfahren hat, wer alles kommt, hat er die Wohnung verlassen. Wir haben weiter gefeiert. Irgendwann abends kam er angetrunken wieder“, erzählte sie und berichtete weiter, dass es wieder Streit gab. Sie habe ihn gebeten, die Wohnung zu verlassen. „Er hat erst die Kleine geschlagen und dann mich. Daraufhin rief ich die Polizei“, schilderte sie. Richter Bormann hakte da noch einmal nach, wann genau es war. „Am 21. März“, antwortete sie. „Es waren die beiden Polizisten, die draußen sitzen, bei Ihnen?“, fragte der Richter. Dies bejahte sie. Auf die Frage, wie oft die Polizei da gewesen war, antwortete sie zweimal. „Sind Sie sich da ganz sicher?“, kam es vom Staatsanwalt. Die Geschädigte blieb bei ihrer Aussage: „Es war der 21. März, das weiß ich genau.“ Sie erzählte zudem, dass die Kleine zu ihr gesagt hat, dass der Vater sie geschlagen hat. „Sie haben ausgesagt, dass Sie gesehen haben, dass Ihre Tochter geschlagen wurde. Also haben Sie gelogen?“, so der Staatsanwalt. „Meine Tochter wurde geschlagen“, sagte die Zeugin. „Sie können froh sein, dass ich Sie nicht vereidigen lasse“, erklärte der Anwalt des Angeklagten.

„Passiert ist schon einiges. Aber ob der Angeklagte die Geschädigte und das Kind geschlagen hat, konnten wir nicht herausfinden.“, so Richter Axel Bormann. Die Parteien einigten sich darauf, das Verfahren einzustellen.

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