Ausgabe jeden Dienstag

Gardelegener Tafel unterstützt etwa 60 Haushalte: „Vielen ist das peinlich“

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Cordula Kausche-Jordan leitet seit zehn Jahren die Gardelegener Ausgabestelle der Tafel.

Gardelegen – Im Flur stehen in Regalen bunte Tulpensträuße, verschiedene Kräuter und kleine Heckenpflanzen. Im ersten Raum liegt Kleidung neben Spielzeug und Haushaltswaren. Nebenan stehen schon Brötchen in Körben oder Marmeladen bereit.

Obst und Gemüse sortieren die Mitarbeiter der Gardelegener Tafel im angrenzenden Raum in Kisten und Regale. In wenigen Stunden kommen Menschen vorbei, um sich die Lebensmittel, Anzieh- oder Spielsachen gegen einen kleinen Obolus abzuholen.

Jeden Dienstag hat die Gardelegener Ausgabestelle der Tafel von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Jede Woche können somit etwa 60 Haushalte unterstützt werden, schätzt Cordula Kausche-Jordan ein. Unter ihnen sind nicht nur Gardelegener. Die Leiterin der Ausgabestelle weiß, dass Lindstedter, Kalbenser oder Miester zur Tafel fahren. „Die kommen bei schönem Wetter sogar mit dem Fahrrad“, so Cordula Kausche-Jordan. Sie leitet die Ausgabestelle Am Bürgerbusch 6 schon seit zehn Jahren.

Unterstützt wird sie von insgesamt 13 Mitarbeitern, elf davon arbeiten ehrenamtlich in der Ausgabestelle. Sie sind immer montags und dienstags vor Ort, um die Spenden zu kontrollieren und zu sortieren. Denn an diesen Tagen ist das Tafel-Mobil in Gardelegen unterwegs. Es holt Lebensmittel von Supermärkten ab. Zudem gibt es Privatpersonen, die Spenden montags von 10 bis 13 Uhr, mittwochs von 8 bis 13 Uhr sowie donnerstags von 8 bis 12 Uhr abgeben können.

Doch Spenden gibt es momentan nicht so viele, erzählt Cordula Kausche-Jordan. „Im Februar, März und April sind es immer weniger“, den Rest des Jahres hingegen werden ausreichend Kleidung, Lebensmittel, Spielsachen oder Haushaltswaren abgegeben, so die Leiterin. So gibt es im Sommer öfters von Privatpersonen Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, wenn zu viel angebaut wurde oder die Ernte sehr üppig ausfiel.

Cordula Kausche-Jordan erinnert sich, dass auch mal Menschen für mehrere hundert Euro einkaufen gehen und die Lebensmittel dann der Tafel übergeben. Bei manch runden Geburtstagen wird auf Geschenke verzichtet und stattdessen der Tafel etwas gespendet. Das seien laut ihr aber eher Ausnahmen.

All die gespendeten Paprikas, Äpfel, Blumen, Zitronen, Gurken oder Brote werden sortiert, sodass die bedürftigen Menschen „sehen können, was es gibt“, erklärt Cordula Kausche-Jordan. Denn sie dürfen sich aus hygienischen Gründen nicht selbst bedienen. Deswegen werden Wünsche geäußert, auf die die Mitarbeiter eingehen. Auch wenn das nicht immer geht, wie Cordula Kausche-Jordan erzählt. Wenn zum Beispiel nicht viel Joghurt abgegeben wurde, wird dieser an die Kinder verteilt, Erwachsene müssen dann verzichten. Von vielen bedürftigen Menschen kennt die Leiterin der Ausgabestelle die Wünsche, weil sie schon seit mehreren Jahren kommen. Es gibt auch Menschen, die erstmals zur Tafel gehen. „Vielen ist das peinlich“, so Cordula Kausche-Jordan, dabei „sind sie keine schlechteren Menschen“, weil sie Spenden annehmen.

Seit etwa vier Jahren ist die Ausgabestelle Am Bürgerbusch. Zuvor war der Standort an der Philipp-Müller-Straße und war damit besser gelegen, erzählt Cordula Kausche-Jordan. Seitdem ist es eher rückläufig, weniger Menschen kommen vorbei. Das liege laut der Leiterin daran, dass die Wege vor allem für ältere Menschen nun zu weit sind. Es sei aber nicht einfach, einen neuen Standort zu finden. Dieser muss günstig und groß genug sein, um ausreichend Platz für die Spenden zu haben. In dem Gebäude Am Bürgerbusch sind fast alle Räume belegt, zwei sind für die Ausgabe der Lebensmittel vorgesehen.

Meistens bleibt danach etwas von den Lebensmitteln übrig. „Das geht dann nach Klötze“, dort findet die Spendenausgabe immer mittwochs statt. „Es kommt also nichts in den Müll“, versichert Cordula Kausche-Jordan.

VON INA TSCHAKYROW

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