Schlemmen wie früher: Gelage im Gewölbekeller

Gardelegener Museumskeller kann für Mittelalter-Festmahle gebucht werden

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Das macht Appetit: Harald Storz kochte am Freitagabend zum ersten Mal ein mittelalterliches Festmahl. Dieses können Gruppen künftig im Gewölbekeller des Gardelegener Stadtmuseums genießen. Die Buchung läuft über die Touristinformation.

Gardelegen. „Vegetarier haben extrem Pech“, stellte am Freitagabend Harald Storz fest, als er im Kopf seine recherchierten mittelalterlichen Speisen durchging: „Vielleicht Kartoffelsuppe, ach nein, geht ja gar nicht!“

Denn Kartoffeln kannte man bis zum Ende des Spätmittelalters noch gar nicht in Europa. Und schließlich soll ja alles korrekt sein auf dem Menüplan der mittelalterlichen Festmahle, die man bald im Gewölbekeller der alten Löwenapotheke, dem heutigen Stadtmuseum, genießen kann.

Am Freitagabend fand solch ein Festmahl im Keller zum ersten Mal statt. Premierengäste waren die Mitglieder der Selbsthilfegruppe „Lebensfreude für die Seele“. Richtig los gehen soll es ab Mitte Januar, erklärte Gabriela Winkelmann von der Gardelegener Stadtverwaltung: „Im Team Stadtmarketing sind immer zehn Minuten Zeit, in denen wir sagen ‘Wir spinnen einfach mal’. Dabei entstand die Idee“, so Winkelmann. Der Keller habe vor sich hingeschlummert und man sei der Meinung gewesen: „Da muss wieder Leben rein!“ Schließlich gehören die Mitte des 16. Jahrhunderts errichteten Kellermauern zu den besterhaltenen ihrer Art in der Stadt.

Wieso nicht die Schlemmereien, die sich früher einmal gewiss dort abgespielt haben, wieder stattfinden lassen? Bei Gastronom Kiro Marinow sei man mit dieser Idee auf offene Ohren gestoßen, so Winkelmann.

In Zukunft können Gruppen von zehn bis zwölf Personen solch ein Mahl bei der Gardelegener Touristinformation buchen. In den Abendstunden wohlgemerkt, denn der Gewölbekeller ist kein neuer Gasthof in der Stadt, der dauerhaft geöffnet hat. Je nach Art des gewählten Menüs werden die Essen zwei bis drei Stunden dauern. Die Gäste können sich auch Extras dazubuchen, wie zum Beispiel Minnesänger oder Mittelalter-Darsteller: „Da machen wir uns gerade schlau“, erklärte Gabriela Winkelmann.

Bei der Premiere am Freitagabend übernahm Verwaltungsmitarbeiter Rupert Kaiser, den Gardelegenern bestens als Alt-Bürgermeister Julius Beck bekannt, das Showprogramm: Er mimte Bartholomäus Hecht, der von 1567 bis 1590 in dem Gebäude am Rathausplatz Apotheker war. Hecht erklärte den Gästen die Regeln des mittelalterlichen Schlemmens – oder versuchte es, denn er war reichlich angeschickert vom vielen Franzbranntwein, seinem „Heilmittel“, welches ihm seine holde Gattin Kunigunde (alias Gabriele Jülichs von der Touristinfo) nur allzu bereitwillig in seinen Tonbecher einschenkte. Seiner Schwäche für ein gutes Tröpfchen hatte Hecht auch seinen Spitznamen „der bluwe Hecht“ zu verdanken. Die Apotheke hieß bis 1907 noch „Zum blauen Hecht“.

Die Gäste der Feuertaufe wurden nicht nur gut unterhalten, sondern auch verpflegt: Mit Semmelknödeln, Schmalzbroten, Brühe vom Ochsen, Schweinebraten in Tunke, Sauerkraut, Ziegenkäse oder auch Bratäpfeln, mit denen Chefkoch Harald Storz für den süßen Abschluss sorgte. „Es gehen auch Spanferkel, Ente oder Kamm“, so Storz. Die Küche könnte außerdem saisonal beeinflusst sein – an den Menüs werde noch gefeilt.

Wer sich zum mittelalterlichen Gelage treffen möchte, kann sich bei der Touristinfo unter der Telefonnummer (0 39 07) 4 22 66 oder per E-Mail: gardelegeninfo@freenet.de melden.

Von Hanna Koerdt

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