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Gardelegener Einzelhändler und Kunden äußern sich zur aktuellen Preis- und Verkaufsituation

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Von: Lea Weisbach

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Eine Frau und ein Mann schauen sich buntes Geschirr an.
Annette und Bodo Sokolowski aus Gardelegen schauten sich, nachdem sie mit ihrer Verwandtschaft im Hofcafé saßen, das Sortiment im Feinkostladen „Mit Genuss“ an. © Lea Weisbach

Wie sich die Inflation und die hohen Preise auf die Gardelegener Einzelhändler und dessen Kundschaft auswirken, erklärten sie im Gespräch mit der AZ.

Gardelegen - „Wir sitzen alle im selben Boot“, fasst es Daniela Köpke, die in der Gardelegener „Fundgrube“ Spielzeug und Schreibwaren von A bis Z verkauft, zusammen. Auch sie musste bereits ihre Preise anpassen und erhöhen, da unter anderem Papier, aber auch der Transport und Ähnliches teurer geworden ist. Derzeit, mit Blick auf das Ende der Sommerferien, habe der Schreibwarenhandel Saison, doch auch sie fragt sich: „Was kommt danach und wie geht es weiter?“ Denn nicht nur ihre Kundschaft mache sich Gedanken hinsichtlich der steigenden Preise in diversen Lebensbereichen, sondern auch die Einzelhändler selbst – zum einen hinsichtlich ihres Geschäftes, aber auch als Privatperson.

In den vergangenen zwei Jahren war es die Pandemie. Jetzt sind es die Inflation sowie die hohen Preise in fast allen Branchen, die den Menschen Sorgen bereiten. Laut des Marktforschungsinstitutes GfK (Gesellschaft für Konsumforschung), das unter anderem Daten zum Konsumentenverhalten erhebt und aufbereitet, zeigte sich besonders bei Produkten des täglichen Bedarfs, zum Beispiel bei Lebensmitteln und Drogerieartikeln, ein Mengenrückgang von Januar 2022 bis Juni. Der Preis sei, so das Marktforschungsinstitut, für 36 Prozent der Deutschen aktuell der ausschlaggebende Faktor bei der Kaufentscheidung.

Suche nach Angeboten

Dies bestätigen auch Kunden, die in der Gardelegener Innenstadt unterwegs sind. Maren Trittel aus Gardelegen erzählt: „Wenn man früher 50 Euro mit zum Einkaufen genommen hat, braucht man jetzt 100 Euro“. Sie schaue gezielter in den wöchentlichen Werbungen der Supermärkte und Einkaufsläden nach Angeboten. GfK-Daten zeigen, dass 45 Prozent der deutschen Bevölkerung bei bestimmten Produkten abwarten, bis es im Angebot und somit günstiger ist. Und auch der Anteil am Verkauf von Eigenmarken sei im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Aber auch der Einkaufsrhythmus von Maren Trittel – früher sei sie alle zwei Tage, jetzt einmal in der Woche einkaufen gegangen – habe sich geändert.

Bettina Kiefer, Inhaberin des „Mode Express No.1“ in der Gardelegener Innenstadt, verzeichnet derzeit keinen Rückgang der Kaufbereitschaft ihrer Kunden im Vergleich zu den Vorjahren. Das „Sommerloch“ – weniger Kundschaft – sei jedoch typisch in der Urlaubszeit und die Hitze tue ihren Rest, erklärt sie. „Es kann sich aber auch alles wieder ändern“, fügt die Inhaberin mit Blick in Richtung der kalten Jahreszeit, wo die Gas-, unter anderem durch die Gas-Umlage, und die Strompreise vermutlich nochmals ansteigen werden.

Den lokalen Einzelhandel unterstützen

Dennoch seien die Gardelegener verlässliche Kunden. Dies bestätigte neben Daniela Köpke und Bettina Kiefer auch Wilma Rolletschek vom Feinkostladen „Mit Genuss“. Trotzdem habe sie sich bewusst mehrere Standbeine geschaffen. In ihrem Geschäft finden auch Veranstaltungen statt. Gleichzeitig dient es als Hofcafé, wo sie Spezialitäten aus ihrem Sortiment anbietet, die im Anschluss gekauft werden können. „Es ist wie ein Zahnrad, wo ein Zahn in den Nächsten greift“, beschreibt sie ihr Konzept – welches auch gern von Annette und Bodo Sokolowski aus Gardelegen unterstützt wird. Ihre Kaufentscheidungen träfen sie momentan bewusster und schauen nach Angeboten, wollen aber trotzdem den Genuss nicht vergessen und den lokalen Handel pflegen.

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