Hilfe für die ganze Familie

In Gardelegen wird ein Ambulanter Kinderhospizdienst aufgebaut

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Mit vereinten Kräften bieten sie Familien Halt und Hilfe an: Die Ehrenamtlichen Gernot Oppermann (v.l.) und Christine Lembke, Koordinatorin Kathleen Tanger, Hospizdienstleiter Thomas Rehbein und Pfarrer Ulrich Paulsen.

Gardelegen – Es ist, Gott sei Dank, eine Ausnahme. Dass Kinder nicht nur mal eine Erkältung haben, sondern tatsächlich an einer Krankheit leiden, die einen tödlichen Verlauf nimmt. Eine Belastung für die ganze Familie, an der manche auch zerbrechen.

Doch nun gibt es in der Altmark Menschen, die den Familien Hilfe anbieten. Denn in Gardelegen wird ein Ambulanter Kinderhospizdienst aufgebaut.

Seit etwa vier Jahren gibt es in Gardelegen den Ambulanten Hospizdienst unter der Leitung von Thomas Rehbein. Die Stiftung Adelberdt Diakonissen Mutterhaus ist Träger der Hospizarbeit, die in der Region Stendal und Gardelegen bereits 20 Jahre betrieben wird. Die Arbeit zu erweitern, und zwar in Form eines Ambulanten Kinderhospizdienstes, sei nun der logische und richtige Schritt gewesen, erklärte Pfarrer Ulrich Paulsen bei einem Pressetermin im Büro des Hospizdienstes im Pfarrer-Franz-Haus.

Die Koordination des Kinderhospizdienstes übernimmt Kathleen Tanger. Die 33-Jährige aus Apenburg ist ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin, sie hat sich in ihrem beruflichen Werdegang immer stärker auf palliative Arbeit konzentriert und ist auch Palliative Care-Kraft, so der Name der Zusatz-Qualifikation.

Da die Altmark ein großes abzudeckendes Gebiet ist, werden die Bereiche gesplittet und es werden jeweils sieben Ehrenamtliche aus Gardelegen und Stendal eingesetzt. Die Hopizarbeit unterscheidet sich bei Erwachsenen und Kindern insofern, dass bei Kindern und innerhalb der betroffenen Familien eine längere Begleitung möglich ist, „oft ist es nicht nur die direkte Sterbebegleitung“, erklärt Kathleen Tanger.

Häufig begleitet man die Familien ab Diagnosestellung, ist für Eltern und Kind in der Findungsphase da, kümmert sich auch um Geschwisterkinder, die sich vielleicht innerhalb der Familie zurückgesetzt fühlen. Für die Arbeit werden die Ehrenamtlichen, wie beispielsweise Gernot Oppermann und Christine Lembke, speziell nachgeschult, zum Beispiel in den Bereichen „Familie als System“, Entwicklungspsychologie, Trauerarbeit oder auch medizinische Aspekte lebensverkürzender Krankheiten.

Der Gardelegener und die Rentnerin aus Mieste betreuen bereits Erwachsene, werden demnächst die Weiterbildung absolvieren und sich dann möglichst, wenn Anfragen da sind, nur noch auf die Kinderhospizarbeit konzentrieren. „Manche Begleitungen laufen über Jahre“, so Ulrich Paulsen. „Wie viel Zeit ein Helfer verbringt, ist individuell“, wichtig sei, dass sie sich nicht selbst verschleißen. In den vergangenen Tagen gab es zwei Anfragen für Hilfe, die Begleitzahlen sind aber deutlich niedriger als bei Erwachsenen.

Da sich der Standort Gardelegen des Ambulanten Hospizdienstes mit diesem neuen Hilfsangebot vergrößert, auch das Trauercafé gut angenommen wird sowie Ausbildungen und Beratungen stattfinden, wird sich der Dienst bald auch räumlich verändern, wofür man jedoch auf Spenden und Unterstützung angewiesen ist. Und natürlich sind Interessierte, die ehrenamtlich helfen wollen – die Arbeit ist mit dem Berufsleben individuell vereinbar – willkommen. Informationen gibt es vor Ort in Gardelegen bei Thomas Rehbein und Kathleen Tanger im Pfarrer-Franz-Haus.

VON HANNA KOERDT

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