Auch Straffällige spüren die Beschränkungen der Corona-Pandemie

Gardelegen: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Annemarie Thimm leitet im Gardelegener Jugendförderungszentrum das „Zebra“-Projekt und betreut straffällig gewordene Menschen – auf Anfrage auch deren Angehörige. 
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Annemarie Thimm leitet im Gardelegener Jugendförderungszentrum das „Zebra“-Projekt und betreut straffällig gewordene Menschen – auf Anfrage auch deren Angehörige. 

Gardelegen – Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen haben seit Mitte März in den Alltag vieler Menschen eingegriffen. Auch in jenen von verurteilten Straftätern. Darüber weiß Annemarie Thimm zu berichten.

Sie leitet das Projekt „Zebra“ im Gardelegener Jugendförderungszentrum (JFZ). „Zebra“ steht für „Zentrum für Entlassungshilfe, Beratung, Resozialisierung und Anlaufstelle zur Vermittlung gemeinnütziger Arbeit“. 

Die Projektleiterin kümmert sich unter anderem darum, gemeinnützige Arbeit, die Verurteilte ableisten müssen, zu koordinieren. Wird ein Angeklagter vom Gericht zur Ableistung von Sozialstunden verurteilt, dann erhält Annemarie Thimm den Auftrag, eine entsprechende Einrichtung zu finden, in der diese gemeinnützige Arbeit abgeleistet werden kann.

Genau diese Arbeiten ruhten aber seit Mitte März bis weit ins Frühjahr hinein. „Wegen der Corona-Auflagen war es nicht möglich, bestimmte Einrichtungen zu betreten und dort die Stunden abzuleisten“, schildert sie das Problem.

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Mittlerweile können solche Sozialstunden wieder abgeleistet werden. Wenn auch – immer noch coronabedingt – nicht überall in vollem Umfang. Und: Infrage kommen nur gemeinnützige Organisationen und somit keine Privatfirmen oder -einrichtungen. Sozialstunden werden beispielsweise bei Tierschutzvereinen, aber auch bei Sportvereinen abgeleistet. Für die Straffälligen gebe es keine Nachteile durch die Nicht-Ableistung der Stunden während der Corona-Zeit. „Denn sie können ja für die Verschiebung nichts“, sagt Annemarie Thimm.

Darüber hinaus würde die Projektleiterin auch Angehörige von straffällig gewordenen Menschen betreuen. Wenn der Lebenspartner eine Gefängnisstrafe absitzen muss, dann bedeutet dies auch Veränderungen und Probleme für den Rest der Familie. „In solch einem Fall könnte ich beratend tätig werden“, bietet sich Annemarie Thimm an. Beispielsweise bei Behördenkontakten. Sie kann sich auch vorstellen, eine Art Gesprächsrunde für Angehörige von Straffälligen ins Leben zu rufen, um gemeinsam Erfahrungen auszutauschen.

Annemarie Thimm ist telefonisch erreichbar unter (0 39 07) 80 18 34 oder (01 52) 09 82 04 22, per Fax unter (0 39 07) 80 18 28 oder per E-Mail unter thimm@jfz-ga.de. VON STEFAN SCHMIDT

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