Vom Ganges nach Gardelegen

Viele Flaschen in der Hand – hoffentlich alle bald voll. Landrat Michael Ziche (von links), Vorstand Josef Bockhorst, Wirtschafstministerin Birgitta Wolff, Investor Sanjay Somani, Vorstand Wolfram Seidensticker, Investor Mukul Somany und Bürgermeister Konrad Fuchs.

Gardelegen. Insolvenzverwalter, so gestand Dr. Lucas Flöther gestern bei der Pressekonferenz zur Übernahme des Glaswerks in Gardelegen durch Investoren aus Indien (siehe Titelseite), seien „von Berufs wegen eher pessimistisch.“ Doch er könne nun lächeln, sei frohen Mutes.

Denn „in Rekordzeit“, nämlich innerhalb von nur zwölf Tagen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens, hat er eine Käufer für die Agenda Glas AG in Gardelegen, die im Februar Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt hatte, gefunden. Zu einem Kaufpreis, den weder er noch die investierenden Somany-Brüder aus Kalkutta nennen wollten. Er sei aber „sehr zufrieden mit dem Preis“, verriet der Insolvenzverwalter.

Doch was wollen Inder mit einem Glaswerk in Gardelegen? „Wir sind seit 60 Jahren im Geschäft“, berichtete Sanjay Somani gestern. Vorrangig auf dem indischen Subkontinent, wo der Marktanteil des Familienunternehmens bei 55 Prozent liegt. Nun also auch in Gardelegen. Man sei sehr glücklich darüber, „dass wir als nichtdeutscher Interessent fair behandelt worden sind“, so Sanjay Somany. Man werde alle Mitarbeiter, 150 an der Zahl, behalten, zu den bisherigen Konditionen. Und ja, man wolle „innerhalb der nächsten drei Jahre“ investieren. In einen zweiten Glasschmelzofen, in eine neue Halle. Ob es dann auch eine Aufstockung des Mitarbeiterstamms geben werde, wollen die Somany-Brüder noch nicht versprechen. Nur soviel: „Firmen funktionieren nicht ohne Menschen.“

Der Insolvenzverwalter berichtete von zuletzt langen Verhandlungen „tagelang, aber auch nächtelang“ um die Übernahme der Agenda Glas AG, die künftig „HNG Global GmbH“ heißen wird. Der Kaufvertrag sei letztlich am vergangenen Donnerstag unterschrieben. Um halb sieben. Morgens um halb sieben, wohlgemerkt.

Von Stefan Schmidt

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