Architektenwettbewerb: Besucher- und Dokumentationszentrum als Herzstück der Gedenkstätte

Freundliches Grau und Fensterfront

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Das bisherige Funktionsgebäude, an dem längst der Putz bröckelt, wird wohl noch in diesem Jahr abgerissen. Dort entsteht ein neues Besucher- und Dokumentationszentrum auf der Gedenkstätte Isenschnibbe.

Gardelegen. Für 3,7 Millionen Euro wird die Gedenkstätte Isenschnibbe bei Gardelegen in den nächsten Jahren umgestaltet.

Am Donnerstag haben elf Mitglieder einer Preisjury bei der Landes-Gedenkstättenstiftung Sachsen-Anhalt – sie ist seit knapp einem Jahr Träger der Gedenkstätte – ein Architekturbüro aus Berlin ausgewählt. Deren Entwurf hat den Wettbewerb um die Gestaltung gewonnen.

Herzstück der Umgestaltungsarbeiten wird ein neues Gebäude sein. Es handelt sich um ein Besucher- und Dokumentationszentrum mit Tagungsraum, Seminarraum, einer Dauerausstellung sowie Räumen für die Gedenkstättenmitarbeiter. Dieses Gebäude wird nach jetzigen Planungen aus einer Betonfassade in einem freundlich gehaltenen Grauton entworfen. Auch deshalb hat die Jury den anonymisierten Vorschlag – wer den Wettbewerb gewonnen hatte, erfuhren die Jurymitglieder erst unmittelbar nach ihrer Entscheidung – ausgewählt. Beraten wurde insgesamt sieben Stunden lang.

„Wir wollen mit diesem Gebäude keinesfalls abschrecken und keinesfalls Tristesse verbreiten“, erklärt dazu Andreas Froese-Karow, der Leiter der Gedenkstätte Isenschnibbe. Ein solches Gebäude im Eingangsbereich solle „Besucher einladen und nicht verschrecken“. Der Schrecken des Ortes – am 13. April 1945 wurden 1016 KZ-Häftlinge durch die Nazis in der Feldscheune Isenschnibbe umgebracht – solle erst an den Feldscheunenmauer-Überresten und dem Gräberfeld auf Besucher einwirken. Im Dokumentationszentrum „sollen Besucher Informationen erhalten und Fragen stellen können, keinesfalls nur schweigen“. Deshalb seien Entwürfe, die allzu düster waren, im Auswahlverfahren auf der Strecke geblieben.

Das Gebäude soll links vom Haupteingang in Richtung heutiger Umgehungsstraße gebaut werden – von dort kamen am 13. April 1945 die Häftlinge zu Fuß aus der damaligen Remonte-Reitschule an der Bismarker Straße. Mit der Sichtachse entlang dieses Weges soll an die Route des Todesmarsches erinnert werden, sagt Andreas Froese-Karow.

Neben dem etwas helleren Grau soll es auch großzügige Fensterfronten geben, die einen freien Blick auf das Areal der Gedenkstätte zulassen. Licht soll in die Räume gelangen – alles unter dem Aspekt, dieses Gebäude nicht abweisend, sondern einladend zu gestalten.

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