Starthilfe für bedrohten Wiedehopf in den Kellerbergen / Noch Bewerbungen für vielseitige Ausbildung möglich

„Forstbetriebswirt heißt nicht Holzknecht“

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Naturschutz in den Kellerbergen: In dem Steinhaufen finden bedrohte Arten wie Wiedehopf, Schlingnatter und Zauneidechse ein Rückzugsgebiet. Unter Anleitung ihres Ausbilders machten Forstbetriebslehrlinge den Wohnraum gestern bezugsfertig.

Gardelegen. Ein eisiger Wind pfiff über die schneebedeckte Heide in den Gardelegener Kellerbergen. Doch die fünf Männer in der wetterfesten Arbeitskleidung der Bundesforst störte dies gestern nicht.

Schließlich sind sie bestens vorbereitet und zudem bei jedem Wetter gern in der freien Natur. Ziel der winterlichen Unternehmung: Inmitten des Feldsteinhaufens richten die Männer eine Bruthöhle für den bedrohten Wiedehopf ein. Und: Die Naturschutzmaßnahme nutzte der Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt zugleich für eine praktische Ausbildungseinheit. Unter der Anleitung von Revierförster Detlev Riesner und dem Ausbilder Tobias Fechner schichteten drei Lehrlinge des ersten Ausbildungsjahres die Steine auf, damit der streng geschützte Höhlenbrüter rechtzeitig zum Frühling an einem sicheren Ort einziehen und mit der Nachwuchsplanung beginnen kann. Für Michael Aedtner (22) aus Arendsee, Eric Erxleben (17) aus Berge sowie Franz Kerzel (17) aus Roßdorf – so die Namen der drei Auszubildenden – sehen die Arbeit als weitere interessante Herausforderung ihres anvisierten Lehrberufs. Alle drei wollen Forstbetriebswirt werden und haben diesen Entschluss bisher zu keinem Zeitpunkt bereut. Jeder Tag bringt Neues. Die engagierten Lehrlinge wissen die Vielseitigkeit und Abwechslung inzwischen ebenso zu schätzen wie das Arbeiten unter freiem Himmel – und das an zahlreichen Orten im gesamten Norden Sachsen-Anhalts.

„Forstbetriebswirt heißt nicht Holzknecht“, betont Riesner. Seinen Worten zufolge verbergen sich hinter der Berufsbezeichnung viele Facetten. Dazu gehören neben der Waldbewirtschaftung, Pflanz- und der Pflegearbeiten in den Forstbestände auch der Holzeinschlag, die Landschaftspflege, Naturschutz und Jagdzuarbeit. Nicht mehr nur Muskelkraft, sondern auch Wissen wird bei der Bedienung moderner Forsttechnik benötigt. Einsatzmöglichkeiten finden Nachwuchskräfte in den vielen Forstbetrieben des Landes, auf Truppenübungsplätzen der Bundeswehr, beim Landschaftsbau für Verkehrsbauvorhaben, in Baumschulen und in der Forstverwaltung. Dennoch sind die Bewerberzahlen rückläufig. „Dabei haben gute Auszubildende auch gute Chancen, übernommen zu werden“, weiß Riesner, der auch den Hinweis auf eine Bezahlung entsprechend der Tarife im Öffentlichen Dienst nicht vergisst.

Noch bis zum 15. Februar können sich Interessenten in der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt – so der sperrige Name der zuständigen Institution im Heideort Dolle – für die Ausbildung zum Forstwirt bewerben. Jährlich bekommen dort drei neue Lehrlinge einen Ausbildungsvertrag.

Von Dirk Osmers

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