Altmark-Zeitung machte Test in der Gardelegener Fußgängerzone: Vier von fünf bleiben im Sattel

(Fast) keiner schiebt sein Fahrrad

Die Fußgängerzone auf der Ernst-Thälmann-Straße in Gardelegen ist genau 220 Meter lang.

Gardelegen. Eigentlich ist die Regelung eindeutig: In Fußgängerzonen darf nicht geradelt werden. Weil sie eben den Fußgängern vorbehalten sind. In Großstädten wird dies auch fast immer eingehalten.

Denn dort sind, vor allem während der Geschäfts-Öffnungszeiten, viel zu viele Passanten unterwegs, als dass dort parallel noch Drahtesel durchfahren sollten.

Anders in Gardelegen. Zwar gilt auch auf dem 220 Meter langen Abschnitt zwischen Kreuzung Wollbrandtseck und Rathausplatz offiziell das Radfahrverbot. Aber fast niemand hält sich daran. Die Altmark-Zeitung machte den Test, führte an einem ganz normalen Werktag vormittags zwischen 11 und 11.30 Uhr eine Strichliste. Und siehe da: Vier von fünf Radfahrern steigen nicht ab – höchstens, wenn sie vor einem Geschäft anhalten.

Und: Es passiert nichts. Denn während dieser halben Stunde gab es keine einzige brenzlige Situation zwischen Radfahrern und Fußgängern. Genau das hatten einige Gardelegener Stadträte kurz nach der Eröffnung der Fußgängerzone befürchtet und teilweise heraufbeschworen: Dass nämlich vor allem ältere Passanten umgefahren werden.

Das Verhalten der Radfahrer in Zahlen ausgedrückt: Innerhalb der beobachteten 30 Minuten waren in der Gardelegener Fußgängerzone 63 Radfahrer unterwegs. Immerhin: Alle 30 Sekunden einer. Von diesen 63 Radlern stiegen gerade mal zehn am jeweiligen Eingang zur Fußgängerzone ab. 53 Drahtesel-Besitzer blieben im Sattel, fuhren teilweise die komplette Fußgängerzone hindurch. Manch einer freihändig, manch einer mit einem Hund an der Leine, manch einer mit Walkman im Ohr. Und: Das stille Missachten der Verkehrsregel ist generationenübergreifend. Keinesfalls nur junge Radler radeln, auch Senioren ersparen sich meistens das Absteigen. Und wer dennoch schiebt, der muss es oft: Einkaufstüten am Lenkrad, Pakete auf dem Gepäckträger wären eine Gefahr beim Radfahren. Da ist Schieben sicherer.

Noch eine Erkenntnis: Die allermeisten Radfahrer, die fahren, tun dies in der Mitte, auf der simulierten Fahrbahn. Nur vier der 53 Radler fuhren auf den Bürgersteigen direkt vor den Geschäften. Dort kann es in der Tat gefährlich werden: Auslagen stehen vor der Tür, Kunden kommen aus den Läden heraus.

Strafen drohen den vermeintlichen „Verkehrssündern“ kaum: Es wird so gut wie nicht kontrolliert. Warum auch? Es gibt nun wirklich gefährlichere Ecken in der Stadt.

Von Stefan Schmidt

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